Meine Schwiegermutter setzte meine Kinder an den Katzentisch
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Meine Schwiegermutter setzte meine Kinder an den Katzentisch

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TEIL 29 — DER MENSCH OHNE VERGANGENHEIT

Als ich die Augen öffnete, wusste ich nicht, wo ich war.

Weiße Wände.

Weiße Decke.

Ein kaltes Licht über meinem Kopf.

Ich wollte mich bewegen.

Meine Arme waren fixiert.

„Courtney?“

Keine Antwort.

„Emma?“

Stille.

Dann öffnete sich eine Tür.

Dr. Harris trat ein.

Er trug einen weißen Kittel.

Als wäre nichts passiert.

„Guten Morgen, Brandon.“

Ich zog an den Fesseln.

„Wo bin ich?“

„Im ursprünglichen Hayes-Labor.“

„Wo ist Emma?“

„Nebenan.“

„Was habt ihr mit ihr gemacht?“

Harris lächelte.

„Noch nichts.“

„Lasst sie frei.“

„Das kann ich nicht.“

„Warum?“

Er trat näher.

„Weil ihr beide zusammen etwas besitzt, das niemand sonst besitzt.“

„Was?“

„Eine vollständige Identität.“

Ich verstand immer noch nichts.

Harris setzte sich.

„Deine Erinnerungen stammen von Emma.“

„Ja.“

„Aber deine Persönlichkeit stammt von dir.“

„Und?“

„Emma besitzt die ursprünglichen Erinnerungen.“

Er zeigte auf einen Bildschirm.

„Du besitzt die Fähigkeit, neue Erinnerungen zu erschaffen.“

Ich sah ihn an.

„Du willst uns verschmelzen.“

„Genau.“

Mein Blut gefror.

„Nein.“

„Du verstehst nicht.“

„Ich verstehe genug.“

„Nein.“

Er beugte sich vor.

„Ich will keinen Menschen erschaffen, der keine Vergangenheit hat.“

Er lächelte.

„Ich will einen Menschen, der jede Vergangenheit haben kann.“

* * *

Die Tür hinter ihm öffnete sich.

Emma wurde hereingebracht.

Sie war bewusstlos.

„Emma!“

Harris legte eine Hand auf meine Schulter.

„Beruhige dich.“

„Fass sie nicht an.“

„Bald wird sie ein Teil von dir sein.“

„Nein!“

Er ging.

Die Tür schloss sich.

Ich sah Emma an.

„Emma.“

Ihre Augen öffneten sich langsam.

„Brandon.“

„Bist du verletzt?“

„Nein.“

„Was wollen sie tun?“

Sie lächelte schwach.

„Dasselbe, was sie vor siebenundzwanzig Jahren versucht haben.“

„Was?“

„Mich löschen.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Das werde ich nicht zulassen.“

Emma sah mich an.

„Du kannst es nicht verhindern.“

„Doch.“

„Wie?“

Ich wusste es nicht.

Dann erinnerte ich mich an etwas.

Eine Erinnerung.

Meine Erinnerung.

Oder ihre?

Ein kleiner roter Knopf.

Ein Raum.

Mein Vater.

Er sagte:

„Wenn alles schiefgeht, drück den roten Knopf.“

Ich sah zur Wand.

Dort war ein kleiner roter Schalter.

„Emma.“

„Was?“

„Ich glaube, ich weiß, wie wir hier rauskommen.“

* * *

Ich wartete, bis die Kamera sich drehte.

Dann zog ich an meinen Fesseln.

Emma verstand sofort.

„Was machst du?“

„Ich weiß es nicht.“

„Das ist keine Antwort.“

„Ich erinnere mich.“

„Woran?“

„An einen Fluchtweg.“

Sie sah mich überrascht an.

„Woher?“

„Von dir.“

Ich sah sie an.

„Du hast ihn mir gegeben.“

Emma schwieg.

Dann begann sie zu weinen.

„Dann hat es funktioniert.“

„Was?“

„Du erinnerst dich an meine Flucht.“

„Aber ich war nie hier.“

„Doch.“

„Wann?“

Sie flüsterte:

„Als Kind.“

Plötzlich öffnete sich die Tür.

Ein Wachmann kam herein.

Ich wartete.

Dann trat Emma ihm entgegen.

Sie stieß ihn gegen die Wand.

Ich nutzte den Moment und riss die Fesseln los.

Wir rannten.

Durch einen langen Korridor.

Links.

Dann rechts.

Eine Treppe hinunter.

„Woher kennst du den Weg?“, fragte Emma.

„Ich weiß es nicht.“

„Du erinnerst dich.“

„Ja.“

Wir erreichten einen Kontrollraum.

Dort saß Walter.

Er sah uns an.

„Ihr könnt nicht entkommen.“

Emma blieb stehen.

„Warum hast du uns das angetan?“

Walter antwortete:

„Weil ich euch beide retten wollte.“

„Indem du uns zerstörst?“

„Indem ich euch vereine.“

Ich sah ihn an.

„Du hast mein Leben gestohlen.“

„Nein.“

„Doch.“

„Ich habe dir ein Leben gegeben.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Mein Leben gehört mir.“

Walter schwieg.

Dann sagte er:

„Das wird sich ändern.“

Er drückte einen Knopf.

Ein Bildschirm ging an.

Darauf erschien Courtney.

Gefesselt.

Ethan ebenfalls.

Ich erstarrte.

„Lass sie frei.“

„Wenn du dich weigerst, sterben sie.“

Emma trat vor.

„Tu es nicht, Brandon.“

Ich sah sie an.

Dann den Bildschirm.

Dann Walter.

„Was muss ich tun?“

Walter lächelte.

„Du musst dich erinnern.“

„Woran?“

„An deine Geburt.“

Ich schloss die Augen.

Und plötzlich kamen die Bilder.

Ein Labor.

Claire.

Harris.

Walter.

Emma.

Zwei Babys.

Ein Glasbehälter.

Dann hörte ich eine Stimme.

Meine Mutter.

„Welches nehmen wir?“

Ich öffnete die Augen.

„Ihr habt zwei Babys erschaffen.“

Walter nickte.

„Ja.“

„Aber eines davon war nicht ich.“

„Nein.“

„Dann wer bin ich?“

Walter antwortete:

„Das wirst du gleich erfahren.“

Er öffnete eine letzte Datei.

Auf dem Bildschirm erschienen zwei Namen.

EMMA HAYES — ORIGINAL

BRANDON HAYES — ORIGINAL

Ich erstarrte.

„Was?“

Walter sagte:

„Ihr seid beide Originale.“

Emma sah mich an.

„Das kann nicht sein.“

Walter lächelte.

„Genau deshalb wurde Projekt Hayes niemals beendet.“

Dann erschien eine dritte Zeile.

SUBJEKT C — STATUS: AKTIV

Mein Atem stockte.

„Subjekt C?“

Walter sah mich an.

„Euer erstes gemeinsames Kind.“

Ich legte instinktiv die Hand auf meinen Bauch.

„Was?“

Emma wurde blass.

Harris trat hinter uns.

„Ihr dachtet, Projekt Hayes hätte mit euch begonnen.“

Er lächelte.

„Aber es begann eine Generation früher.“

Ich sah auf den Bildschirm.

Eine neue Datei öffnete sich.

Ein Foto.

Ein Baby.

Darunter stand:

MUTTER: EMMA HAYES

VATER: BRANDON HAYES

Ich konnte keinen Ton hervorbringen.

Emma starrte auf das Bild.

„Wir haben kein Kind.“

Harris lächelte.

„Noch nicht.“

Dann ging das Licht aus.

Und irgendwo im Labor begann ein Herzmonitor zu schlagen.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Dann erschien auf dem Bildschirm:

SUBJEKT C — HERZSCHLAG ERKANNT.

Ich sah auf meinen Bauch.

Das Baby bewegte sich.

Und plötzlich verstand ich:

Das Projekt hatte nie versucht, mich zu kopieren.

Es hatte versucht, mich mit Emma zu verbinden.

Damit wir etwas Neues erschaffen konnten.

Etwas, das niemals natürlich hätte entstehen dürfen.