TEIL 13 — NATHAN KANE
Die Haustür wurde aufgebrochen.
Wir liefen durch den geheimen Gang.
Meine Mutter ging voraus.
Richard hinter ihr.
Courtney hielt meine Hand.
Ethan blieb am Ende.
„Schneller!“
Ein Schuss hallte durch das Haus.
Courtney schrie.
„Ethan!“
„Weiter!“
Wir erreichten einen kleinen Hinterhof.
Dort stand ein schwarzer Wagen.
Meine Mutter öffnete die Tür.
„Einsteigen!“
Wir sprangen hinein.
Ethan kam als Letzter.
Er schlug die Tür zu.
Der Wagen raste los.
Ich sah zurück.
Nathan stand auf der Straße.
Er bewegte sich nicht.
Er sah nur zu uns.
Dann hob er das Telefon.
Ich wusste, dass er uns finden würde.
* * *
„Wer ist Nathan wirklich?“, fragte ich.
Ethan sah aus dem Fenster.
„Mein Bruder.“
„Das weiß ich.“
„Er wurde genauso trainiert wie ich.“
„Für Blackstone?“
„Ja.“
„Und du?“
„Ich bin geflohen.“
„Warum ist er geblieben?“
Ethan antwortete:
„Weil er glaubt, dass Blackstone unsere Familie gerettet hat.“
Meine Mutter drehte sich um.
„Nathan wurde als Kind manipuliert.“
Ich fragte:
„Und Adrian?“
Ethan wurde still.
„Adrian war sein erster Auftrag.“
Ich erstarrte.
„Was?“
„Nathan sollte Adrian finden.“
„Aber Adrian lebt.“
„Weil Adrian schneller war.“
Ich verstand immer weniger.
„Dann warum hat Nathan dich nicht getötet?“
Ethan sah mich an.
„Weil er nicht sicher ist, ob Blackstone die Wahrheit erzählt.“
Meine Mutter sagte:
„Nathan beginnt zu zweifeln.“
Wir fuhren fast eine Stunde.
Dann hielt der Wagen vor einem verlassenen Fabrikgebäude.
Meine Mutter stieg aus.
„Hier haben wir früher die Dokumente versteckt.“
Wir gingen hinein.
Im Keller befand sich ein alter Safe.
Meine Mutter nahm den Schlüssel.
Das Schloss öffnete sich.
Darin lag eine kleine schwarze Box.
Sie öffnete sie.
Ein USB-Stick.
Mehrere Briefe.
Und ein altes Familienfoto.
Ich nahm das Foto.
Mein Großvater.
Meine Mutter.
Richard.
Shirley.
Walter.
Und eine weitere Person.
Ich sah genauer hin.
„Wer ist das?“
Meine Mutter antwortete:
„Victor Kane.“
„Nathans Vater.“
Sie nickte.
„Und Ethan?“
„Auch sein Vater.“
Ich starrte sie an.
„Dann waren Ethan und Nathan von Anfang an Teil von Blackstone.“
„Ja.“
Ich nahm einen Brief.
Die Handschrift war von meinem Großvater.
An meine Tochter Elena.
Ich begann zu lesen.
Er schrieb, dass Blackstone ursprünglich gegründet worden war, um Familienunternehmen vor feindlichen Übernahmen zu schützen.
Doch mit der Zeit wurde das Netzwerk korrumpiert.
Es begann, Menschen zu kontrollieren.
Firmen zu zerstören.
Familien zu erpressen.
Und schließlich Menschen verschwinden zu lassen.
Ich blätterte weiter.
Dann las ich:
Wenn du diesen Brief findest, bedeutet das, dass sie meine Enkel gefunden haben.
Ich sah meine Mutter an.
„Er wusste es.“
„Ja.“
„Und was wollte er?“
Sie antwortete:
„Er wollte Blackstone zerstören.“
Ich sah auf den USB-Stick.
„Und darauf?“
Meine Mutter sagte:
„Die Beweise.“
Ethan nahm den Stick.
„Dann öffnen wir ihn.“
Doch bevor er ihn anschließen konnte, ging das Licht aus.
Ein Geräusch.
Dann eine Stimme.
„Das würde ich nicht tun.“
Nathan stand am Eingang.
Eine Waffe in der Hand.
Alle erstarrten.
Meine Mutter stellte sich vor mich.
„Nathan.“
Er sah sie an.
„Du hättest nicht zurückkommen dürfen.“
„Du bist nicht dein Vater.“
Nathan lächelte traurig.
„Vielleicht bin ich schlimmer.“
Ethan trat vor.
„Du wirst sie nicht anfassen.“
Nathan hob die Waffe.
„Ich will sie nicht.“
Er zeigte auf den USB-Stick.
„Ich will nur das.“
Ethan schüttelte den Kopf.
„Warum?“
Nathan antwortete:
„Weil ich endlich wissen will, warum unser Vater uns belogen hat.“
Stille.
Er sah mich an.
„Und weil ich glaube, dass Blackstone uns alle benutzt hat.“
Dann senkte er langsam die Waffe.
„Brandon.“
„Was?“
„Dein Großvater hat mir vor drei Tagen eine Nachricht geschickt.“
Ich erstarrte.
„Er lebt.“
Nathan nickte.
„Und er wartet auf euch.“
Meine Mutter wurde blass.
„Wo?“
Nathan antwortete:
„Im alten Hayes-Gebäude.“
Ich hielt den Schlüssel fest.
„Warum?“
Nathan sah mich an.
„Weil dort der letzte Beweis liegt.“
Dann hörten wir draußen Sirenen.
Nathan sah zur Tür.
„Sie kommen.“
„Wer?“
Er sagte:
„Blackstone.“
Und plötzlich wurde uns klar, dass Nathan nicht gekommen war, um uns zu fangen.
Er war gekommen, um uns zu warnen.



