TEIL 4 — DIE FRAU HINTER DER TÜR
Die Lichter gingen wieder an.
Aber die Frauenstimme war verschwunden.
Alle sahen sich um.
Niemand wusste, woher sie gekommen war.
Daniel rannte zum hinteren Teil des Saals.
„Wer war das?“
Keine Antwort.
Zwei Sicherheitsleute kontrollierten die Türen.
Alles war verschlossen.
Claire sah Evelyn an.
„Oma …“
Evelyn sah plötzlich erschöpft aus.
„Sie hat uns gefunden.“
„Wer?“
Evelyn sah Arthur an.
„Du hattest recht.“
Arthur nickte.
„Sie weiß davon.“
Daniel kam zurück.
„Niemand hat den Saal verlassen.“
Victoria saß noch immer auf ihrem Stuhl.
Sie zitterte.
Claire ging zu ihr.
„Wer war diese Frau?“
Victoria sah sie an.
„Ich weiß es nicht.“
Arthur sagte:
„Das weißt du.“
Victoria sah ihn an.
„Nein.“
„Du hast ihre Stimme gehört.“
Victoria schloss die Augen.
„Das ist unmöglich.“
„Was ist unmöglich?“
Sie antwortete nicht.
Evelyn stand auf.
„Es ist Zeit.“
Sie sah Arthur an.
„Zeig es ihnen.“
Arthur zögerte.
Dann holte er ein Foto aus seiner Jacke.
Ein altes Schwarz-Weiß-Foto.
Er gab es Claire.
Auf dem Foto war eine junge Frau.
Sie trug dasselbe Kleid.
Claire hielt den Atem an.
„Das ist Margaret.“
Evelyn nickte.
Neben Margaret stand ein Baby.
Und neben dem Baby …
stand ein junges Mädchen.
Claire sah das Mädchen an.
„Wer ist sie?“
Victoria sah das Foto.
Ihr Gesicht veränderte sich.
„Das …“
Sie begann zu weinen.
„Das bin ich.“
Arthur nickte.
„Ja.“
Claire drehte das Foto um.
Auf der Rückseite stand:
Margaret – Eleanor – Evelyn. 14. August 1954.
Aber darunter stand noch etwas.
Ein zusätzlicher Satz.
„Wenn ich verschwinde, vertraue niemandem, der behauptet, meine Tochter sei in Sicherheit.“
Victoria sah erschrocken auf.
„Ich war hier.“
Claire sah sie an.
„Du erinnerst dich?“
Victoria nickte.
„Nicht an alles. Nur an ihre Hände.“
Arthur fragte:
„Was weißt du noch?“
„Sie hatte immer kalte Hände.“
Sie ging weiter.
Im Flur stand ein alter Spiegel.
Victoria blieb stehen.
„Hier.“
„Was?“
„Sie ließ mich hier warten.“
„Warum?“
„Sie sagte, ich dürfe nicht nach oben gehen.“
Arthur sah zur Treppe.
„Dann müssen wir nach oben.“
Sie gingen langsam die Treppe hinauf.
Das erste Zimmer war leer.
Das zweite ebenfalls.
Vor der dritten Tür blieb Victoria stehen.
„Diese.“
Sie öffnete die Tür.
Ein kleines Kinderzimmer.
Ein altes Bett.
Ein Holzschrank.
Und an der Wand …
eine verblasste Zeichnung.
Ein Mädchen mit einer Frau.
Darunter stand in kindlicher Handschrift:
MAMA + ELEANOR
Victoria begann zu weinen.
„Das habe ich gezeichnet.“
Claire legte eine Hand auf ihre Schulter.
„Du warst hier.“
„Ja.“
Victoria ging zum Schrank.
Sie öffnete ihn.
Nichts.
Dann sah sie zur Wand.
„Etwas stimmt hier nicht.“
Arthur kam näher.
„Was?“
„Diese Wand.“
Er klopfte dagegen.
Tok.
Tok.
Tok.
An einer Stelle klang es hohl.
Arthur sah Claire an.
„Gib mir die Taschenlampe.“
Gemeinsam untersuchten sie die Wand.
Hinter einem losen Holzstück befand sich eine kleine Öffnung.
Arthur entfernte die Verkleidung.
Dahinter stand eine Metallkiste.
Victoria begann zu zittern.
„Das ist sie.“
„Was?“
„Die Kiste meiner Mutter.“
Arthur holte sie heraus.
Das Schloss war verrostet.
Der Schlüssel mit der Nummer 17 passte.
Klick.
Die Kiste öffnete sich.
Darin lagen Fotos.
Dokumente.
Und ein zweiter Brief.
Claire nahm ihn vorsichtig.
Der Brief war datiert:
3. September 1954.
Sie begann zu lesen.
„Evelyn, wenn du das liest, bin ich verschwunden.“
Claire sah Evelyn an.
„Oma …“
Evelyn nickte.
„Lies weiter.“
„Mein Vater weiß, was ich herausgefunden habe. Er weiß, dass ich Eleanor mitnehmen will.“
Victoria hielt sich den Mund zu.
„Aber ich kann sie nicht mitnehmen, ohne dass man mir folgt.“
Claire spürte Tränen in den Augen.
„Deshalb lasse ich sie bei dir.“
Victoria flüsterte:
„Sie hat mich dir gegeben.“
Evelyn nickte.
„Ja.“
Claire las weiter.
„Sag ihr niemals, wer ich bin, solange die Familie Whitmore Macht über sie hat.“
Daniel sah seine Mutter an.
„Deshalb.“
Victoria weinte.
„Sie hat mich beschützt.“
Claire las die nächste Zeile.
Dann hielt sie inne.
„Was steht dort?“
Sie sah Arthur an.
„Es geht um einen Mord.“
Alle erstarrten.
Arthur nahm den Brief.
Er las.
Sein Gesicht veränderte sich.
„Was?“
Claire sah ihn an.
„Was steht dort?“
Arthur antwortete langsam:
„Margaret entdeckte, dass ihr Vater jemanden ermorden ließ.“
Victoria schlug die Hände vors Gesicht.
„Wen?“
Arthur sah auf den letzten Abschnitt.
„Einen Buchhalter.“
Daniel fragte:
„Warum?“
„Weil er Beweise für den Diebstahl hatte.“
Claire bekam eine Gänsehaut.
„Wer gab den Auftrag?“
Arthur las den Namen.
Er schwieg.
Evelyn flüsterte:
„Sag es.“
Arthur sah auf.
„Thomas Whitmore.“
Victoria begann zu weinen.
„Mein Großvater.“
Aber unter seinem Namen stand noch ein zweiter Name.
Arthur starrte darauf.
„Was ist?“, fragte Claire.
Er zeigte auf die Unterschrift.
„Das ist nicht nur sein Name.“
„Wessen dann?“
Arthur sah Victoria an.
Dann Daniel.
„Jemand aus eurer Familie.“
Daniel schüttelte den Kopf.
„Wer?“
Arthur drehte das Papier um.
Dort stand ein Name.
Helen Whitmore.
Victoria erstarrte.
„Helen?“
Claire dachte sofort an die Frau, die bei der Hochzeit neben Victoria gestanden hatte.
„Victorias Schwester?“
Arthur nickte.
„Sie wusste davon.“
Daniel sah zur Tür.
„Wo ist Helen jetzt?“
Niemand antwortete.
Dann hörte Claire unten eine Tür zuschlagen.
BAM!
Alle erschraken.
Arthur steckte den Brief in seine Jacke.
„Bleibt hier.“
Er ging zur Treppe.
Daniel folgte ihm.
Claire wollte ebenfalls mitgehen.
Doch Victoria packte ihren Arm.
„Tu es nicht.“
„Warum?“
Victoria sah sie voller Angst an.
„Weil Helen nicht gekommen ist, um zu reden, wenn sie wirklich hier ist.“
In diesem Moment erklang unten eine Frauenstimme.
„Ihr hättet diesen Brief niemals finden dürfen.“
Helen.
Und dann ertönte ein lauter Knall.
Arthur schrie.
Claire rannte zur Treppe.
„ARTHUR!“
Doch als sie unten ankam …
war Arthur verschwunden.
Die Haustür stand offen.
Auf dem Boden lag nur sein altes schwarzes Notizbuch.
Claire hob es auf.
Auf der letzten Seite stand ein einziger Satz.
„Wenn ich verschwinde, sucht nicht nach Margaret.“
Darunter stand ein Name.
„Sucht Evelyn.“
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