DAS BRAUTKLEID AUS DEM JAHR 1954
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DAS BRAUTKLEID AUS DEM JAHR 1954

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TEIL 36 — DAS LETZTE TESTAMENT

„Wir müssen Nora finden.“

Claires Stimme war ruhig.

Zu ruhig.

Mara sah sie an.

„Wir finden sie.“

Jonathan nahm das schwarze Buch.

„Nicht bevor wir verstehen, was hier passiert.“

Claire riss es ihm aus der Hand.

„Meine Schwester wurde entführt.“

„Und wenn du blind losläufst, verlierst du vielleicht beide.“

Claire sah ihn wütend an.

„Du hast siebzig Jahre lang Geheimnisse gesammelt.“

Jonathan sagte nichts.

„Jetzt reicht es.“

Mara stellte sich zwischen sie.

„Claire.“

Claire atmete schwer.

„Ich will nur meine Schwester zurück.“

Plötzlich sagte Daniel:

„Ich weiß, wo sie ist.“

Alle drehten sich zu ihm.

Thomas hob die Waffe.

„Woher?“

Daniel schluckte.

„Weil Marcus mich vor zwei Wochen kontaktiert hat.“

Claire wurde blass.

„Du hast mit ihm gesprochen?“

„Ja.“

„Warum?“

„Weil er mir gedroht hat.“

„Womit?“

Daniel sah zu Boden.

„Mit meiner Tochter.“

Stille.

Claire senkte langsam die Waffe.

„Was wollte er?“

„Informationen über euch.“

Thomas fragte:

„Welche Informationen?“

„Wo ihr seid. Wer euch hilft. Was ihr wisst.“

Claire sah ihn an.

„Und du hast ihm alles erzählt?“

„Nein.“

„Warum steht dein Name dann im Buch?“

Daniel wurde bleich.

„Ich weiß es nicht.“

Jonathan ging zu ihm.

„Vielleicht weißt du es wirklich nicht.“

Er schlug das Buch auf.

„Hier steht eine Zahlung aus dem Jahr 2003.“

Daniel starrte darauf.

„Ich war damals zwölf.“

Claire sah ihn an.

„Dann ist es nicht deine Zahlung.“

Jonathan nickte.

„Jemand trägt deinen Namen.“

Mara sagte:

„Eine weitere falsche Identität.“

Claire verstand.

„Das ist das Muster.“

Jonathan sah sie an.

„Genau.“

Er blätterte weiter.

„Jemand hat über Jahrzehnte Namen gestohlen.“

Claire fragte:

„Wer?“

Jonathan blieb bei einer Seite stehen.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Eleanor.“

Claire erstarrte.

„Was?“

„Sie hat Identitäten verändert.“

„Warum?“

„Um die Menschen zu schützen.“

„Aber sie hat auch Menschen verschwinden lassen.“

Jonathan nickte.

„Manchmal musste sie es.“

Claire sah ihn entsetzt an.

„Was bedeutet das?“

„Dass nicht jeder, den du für ein Opfer hältst, wirklich tot ist.“

Mara sagte:

„Wie Marcus.“

Jonathan nickte.

„Wie Marcus.“

Claire wurde still.

„Dann ist vielleicht auch …“

Sie konnte den Satz nicht beenden.

Jonathan sah sie an.

„Ja.“

„Wer?“

„Dein Vater.“

Claire starrte ihn an.

„Du bist mein Vater.“

Jonathan lächelte traurig.

„Biologisch.“

Claire verstand nicht.

„Was bedeutet das?“

„Es bedeutet, dass du noch einen Vater hattest.“

Sie wich zurück.

„Wer?“

Jonathan antwortete:

„Der Mann, der dich großgezogen hat.“

Claire erstarrte.

„Mein Pflegevater?“

„Nein.“

„Dann wer?“

Jonathan sagte:

„Einer der Männer, die Eleanor ersetzt haben.“

Mara sah ihn an.

„Warum sagst du ihr das jetzt?“

„Weil wir keine Zeit mehr haben.“

Claire hörte plötzlich Noras Stimme aus dem Flur.

„Claire!“

Sie rannten hinaus.

Nora stand dort.

Allein.

Ihre Kleidung war zerrissen.

Blut an ihrer Stirn.

Claire umarmte sie sofort.

„Wo waren sie?“

Nora keuchte.

„Marcus hat mich freigelassen.“

„Warum?“

„Weil er bekommen hat, was er wollte.“

Claire wurde blass.

„Was?“

Nora zeigte auf ihre Hand.

Dort war eine kleine Schnittwunde.

„Mein Blut.“

Jonathan wurde bleich.

„Er hat das Testament geöffnet.“

Claire sah ihn an.

„Und?“

Jonathan nahm das Buch.

Eine Seite hatte sich verändert.

Eine verborgene Schrift erschien.

DIE ERBIN IST NICHT DIE, DIE SIE GLAUBT ZU SEIN.

Claire spürte einen Schauer.

„Wer ist die Erbin?“

Nora sah sie an.

„Ich.“

Mara schüttelte den Kopf.

„Warum?“

Nora antwortete:

„Weil unser Großvater mich als seine Nachfolgerin eingesetzt hat.“

Claire wurde wütend.

„Aber warum?“

„Weil ich die Einzige war, die er vor seinem Tod noch sehen konnte.“

Jonathan sagte:

„Das stimmt.“

Claire sah ihn an.

„Warum hast du mir das nie gesagt?“

„Weil ich wusste, dass du dich selbst opfern würdest.“

„Für meine Familie?“

„Ja.“

Claire wurde still.

Dann hörten sie draußen Motorengeräusche.

Marcus.

Jonathan sagte:

„Wir müssen weg.“

Claire nahm das schwarze Buch.

„Nein.“

„Claire.“

„Wir bringen es mit.“

Mara nickte.

Nora ebenfalls.

Thomas öffnete die Hintertür.

„Da ist ein Weg durch den Garten.“

Sie rannten.

Doch plötzlich wurde Jonathan getroffen.

Er ging zu Boden.

„Papa!“

Claire kniete neben ihm.

Blut.

Viel Blut.

Mara schrie:

„Nein!“

Jonathan hielt Claires Hand.

„Hör mir zu.“

„Du stirbst nicht.“

„Claire.“

„Du stirbst nicht!“

Er lächelte.

„Du warst immer die Stärkste.“

„Hör auf.“

„Das Testament …“

Er hustete.

„… ist nicht das Wichtigste.“

Claire weinte.

„Was dann?“

Jonathan flüsterte:

„Der vierte Name.“

Claire erstarrte.

„Welcher vierte Name?“

Jonathan zeigte auf das Buch.

„Schlag die letzte Seite auf.“

Claire tat es.

Dort erschien eine neue Zeile.

ISABELLA REED.

Darunter:

VERTRAUENSWÜRDIGKEIT: NULL.

Claire blickte auf.

„Unsere Mutter.“

Isabella stand einige Meter entfernt.

Sie weinte.

„Claire …“

Claire richtete die Waffe auf sie.

„Warum steht dein Name dort?“

Isabella sagte nichts.

Mara trat zurück.

„Mama?“

Isabella schloss die Augen.

Dann sagte sie:

„Weil ich euch belogen habe.“

Claire flüsterte:

„Worüber?“

Isabella sah die drei Schwestern an.

„Ich bin nicht eure Mutter.“

Stille.

„Ich bin eure Tante.“

Claire ließ beinahe das Buch fallen.

Mara wurde kreidebleich.

Nora flüsterte:

„Dann wer ist unsere Mutter?“

Isabella sah in die Dunkelheit.

„Eleanor.“

Claire erstarrte.

„Aber Eleanor ist tot.“

Isabella schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Sie sah zu Jonathan.

„Sie war diejenige, die alles begonnen hat.“

Plötzlich erklang hinter ihnen ein Lachen.

Marcus.

„Endlich.“

Er trat aus dem Schatten.

„Jetzt habt ihr es verstanden.“

Claire hob die Waffe.

Marcus lächelte.

„Eure Mutter ist nicht tot.“

Er machte eine Pause.

„Sie wartet seit siebzig Jahren auf euch.“