TEIL 8 — SUBJECT 001
Mein Name stand auf dem Bildschirm.
DANIEL HARRIS — SUBJECT 001.
Ich schüttelte den Kopf.
„Das ist eine Fälschung.“
Mein Vater sagte nichts.
„Papa! Sag mir, dass das eine Fälschung ist!“
Er sah mich an.
Und genau sein Schweigen gab mir die Antwort.
Ich wich zurück.
„Was haben sie mit mir gemacht?“
„Nichts.“
„Du lügst.“
„Daniel, hör mir zu.“
„Nein! Vierzehn Jahre lang hast du mich glauben lassen, dass du tot bist. Vierzehn Jahre lang hast du meine Mutter versteckt. Meine Frau musste ihren Tod vortäuschen. Und jetzt erfahre ich, dass mein eigenes Leben eine Lüge ist!“
Emily trat näher.
„Daniel…“
„Du wusstest es.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Nicht alles.“
Mein Vater sagte:
„Du wurdest nicht als Experiment geboren.“
„Dann warum Subject 001?“
„Weil du der Erste warst, dessen genetische Daten Meridian nicht kontrollieren konnte.“
Nora öffnete eine Datei.
„Hier.“
Sie zeigte auf eine Tabelle.
„Deine DNA besitzt eine seltene Kombination bestimmter genetischer Marker.“
Ich verstand kaum etwas.
„Was bedeutet das?“
„Dass Meridian damit etwas entschlüsseln kann.“
„Was?“
Mein Vater antwortete:
„Ein digitales Vermächtnis.“
„Das Geld?“
„Nicht nur das Geld.“
Er nahm einen kleinen schwarzen Schlüssel aus seiner Tasche.
„Das hier.“
Ich nahm ihn.
„Was ist das?“
„Der Schlüssel zu deinem Erbe.“
„Vierzig Millionen Dollar?“
„Das ist nur der sichtbare Teil.“
Emily sah mich an.
„Was meinst du?“
Mein Vater antwortete:
„Dein Vermögen ist näher an vierhundert Millionen Dollar.“
Stille.
Ich konnte kaum glauben, was ich hörte.
„Warum hat Meridian dann nur nach vierzig Millionen gesucht?“
Mein Vater sah mich an.
„Weil niemand außer mir wusste, dass es noch mehr gibt.“
Plötzlich hörten wir Schüsse.
Fenster zerbarsten.
Mein Vater zog mich zu Boden.
„Sie kommen!“
Nora feuerte zurück.
Emily zog mich hinter eine Säule.
„Wir müssen raus.“
„Meine Kinder!“
Mein Vater packte meinen Arm.
„Sie leben.“
„Wo sind sie?“
„Meridian hat sie nicht.“
Ich sah ihn an.
„Dann wer hat das Foto gemacht?“
Er wurde blass.
„Ich weiß es nicht.“
Nora sah plötzlich auf ihren Laptop.
„Ich habe das Signal.“
„Wo?“
Sie zeigte auf die Karte.
„Dein Haus.“
Ich erstarrte.
„Dann sind sie dort.“
„Nein“, sagte Nora.
„Was?“
„Das Signal wird von deinem Haus ausgestrahlt.“
Mein Vater sah sie an.
„Dann ist jemand in Daniels Haus.“
Wir rannten zum Hinterausgang.
Draußen wartete ein schwarzer Wagen.
Wir stiegen ein.
Während der Fahrt sagte niemand etwas.
Dann klingelte mein Telefon.
Eine Videonachricht.
Ich öffnete sie.
Meine Kinder saßen auf dem Sofa.
Lebendig.
Unverletzt.
Aber neben ihnen stand eine Frau.
Ich kannte sie.
Sie war in alten Familienfotos aufgetaucht.
Meine Tante.
Die Schwester meiner Mutter.
Ich hatte geglaubt, sie sei seit Jahren tot.
Sie sah direkt in die Kamera.
„Hallo, Daniel.“
Mein Vater schloss die Augen.
„Nein.“
„Du fragst dich wahrscheinlich, warum ich deine Kinder habe.“
Ich konnte kaum atmen.
„Lass sie gehen!“
Sie lächelte.
„Ich werde ihnen nichts tun.“
„Was willst du?“
„Dich.“
„Warum?“
Ihr Lächeln verschwand.
„Weil dein Vater dir nur die halbe Wahrheit erzählt hat.“
Ich sah meinen Vater an.
„Was meint sie?“
Meine Tante sprach weiter:
„Deine DNA ist nicht der Schlüssel zu Meridian.“
Eine Pause.
„Du bist der Schlüssel zu etwas, das Meridian zerstören kann.“
Das Video endete.
Ich sah meinen Vater an.
„Was hat sie gemeint?“
Er antwortete nicht.
Dann sagte Emily leise:
„Ich glaube, ich weiß es.“
„Was?“
Sie sah auf den schwarzen Schlüssel in meiner Hand.
„Dieser Schlüssel öffnet nicht dein Konto.“
„Was dann?“
„Eine Datenbank.“
Nora ergänzte:
„Eine Datenbank mit den Namen aller Menschen, die für Meridian gearbeitet haben.“
Mein Vater nickte.
„Und wenn diese Daten veröffentlicht werden, fällt Meridian.“
Ich sah auf den Schlüssel.
Zum ersten Mal verstand ich, warum alle mich lebend haben wollten.
Ich war kein Erbe.
Ich war eine Waffe.



