TEIL 12 — WEM KANN ICH NOCH VERTRAUEN?
Ich starrte auf die Nachricht.
ICH HABE SIE.
Darunter:
EMILY.
„Nein.“
Das Wort kam kaum hörbar aus meinem Mund.
Victor nahm das Telefon.
Er las die Nachricht.
Dann sah er mich an.
„Das kann nicht stimmen.“
„Warum?“
„Weil Emily bei deinen Kindern war.“
„Genau.“
„Nein.“
Er schüttelte den Kopf.
„Emily hätte sie niemals verraten.“
Ich sah ihn an.
„Du hast dich dein ganzes Leben lang geirrt.“
Wir fanden Emily in einem verlassenen Gebäude am anderen Ende des Hafens.
Die Tür war offen.
Ich ging hinein.
„Emily!“
Keine Antwort.
Dann hörte ich ein Kind weinen.
Ich rannte den Flur entlang.
Meine beiden Kinder saßen in einem Raum.
Lebendig.
Unverletzt.
Ich kniete mich vor sie.
„Alles in Ordnung?“
Sie umarmten mich.
Ich hielt sie fest.
Dann sah ich Emily.
Sie stand am Fenster.
„Warum?“
Sie drehte sich um.
Ihre Augen waren voller Tränen.
„Ich hatte keine Wahl.“
„Du hattest immer eine Wahl.“
„Nein.“
„Du hast mich glauben lassen, meine Frau sei tot.“
„Ich habe versucht, sie zu retten.“
„Du hast meine Kinder entführt.“
„Ich habe sie versteckt.“
„Vor wem?“
Emily antwortete:
„Vor Meridian.“
Ich sah sie an.
„Dann warum hast du ihnen nicht gesagt, wo sie sind?“
„Weil jemand aus unserer Gruppe Informationen weitergibt.“
Victor trat ein.
„Wer?“
Emily sah ihn an.
„Nora.“
Alle schwiegen.
Nora stand plötzlich hinter uns.
Sie hielt eine Waffe.
„Es tut mir leid.“
Ich konnte kaum glauben, was ich hörte.
„Du?“
Sie nickte.
„Ich habe für Meridian gearbeitet.“
Victor hob seine Waffe.
„Leg sie hin.“
„Nein.“
Nora weinte.
„Ich hatte keine Wahl.“
„Jeder sagt das“, sagte ich.
Sie sah mich an.
„Sie hatten meine Familie.“
Ich antwortete:
„Und deshalb hast du meine zerstört?“
Sie senkte die Waffe.
„Ich habe versucht, euch zu schützen.“
„Indem du uns belügst?“
„Ja.“
Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Lautsprecher.
Die Stimme des Gründers von Meridian.
„Ihr seid alle so überzeugt davon, dass ihr wisst, wer der Verräter ist.“
Dann erschien sein Gesicht auf einem Bildschirm.
„Aber ihr habt die wichtigste Person vergessen.“
Ich sah mich um.
„Wer?“
Er lächelte.
„Daniel.“
Ich erstarrte.
„Was soll das heißen?“
„Du glaubst, du bist das Opfer.“
Eine Pause.
„Aber du bist der Grund, warum alles passiert.“
Mein Vater trat vor.
„Hör nicht auf ihn.“
Der Gründer lachte.
„Frag deinen Vater, was in jener Nacht wirklich passiert ist.“
Ich sah meinen Vater an.
„Welche Nacht?“
Er schwieg.
„Papa.“
Er konnte mir nicht in die Augen sehen.
„Die Nacht, in der Elena starb.“
Ich wartete.
Schließlich sagte er:
„Sie wurde nicht von Meridian getötet.“
Mein Herz blieb stehen.
„Was?“
„Sie starb bei einem Unfall.“
„Du hast gesagt, Meridian hat sie getötet.“
„Ich wollte, dass du Meridian hasst.“
„Warum?“
Er begann zu weinen.
„Weil du damals fünf Jahre alt warst.“
Ich verstand nicht.
„Was habe ich getan?“
Mein Vater antwortete:
„Du hast den Unfall verursacht.“
Stille.
Ich hörte nur meinen eigenen Atem.
„Nein.“
„Du konntest deine Fähigkeiten nicht kontrollieren.“
„Welche Fähigkeiten?“
„Deine genetische Veränderung.“
Victor schüttelte den Kopf.
„Er wusste es.“
Mein Vater nickte.
„Du hast damals etwas aktiviert.“
„Was?“
„Das System.“
Er zeigte auf mich.
„Die Datenbank wurde durch dich aktiviert.“
Ich sah auf meine Hände.
„Und meine Mutter?“
„Sie versuchte, es abzuschalten.“
„Und starb dabei.“
Ich konnte kaum stehen.
Dann begann mein Telefon zu klingeln.
Unbekannte Nummer.
Ich nahm ab.
Eine Frauenstimme.
Meine Mutter.
Ich erstarrte.
„Daniel.“
Ich konnte nicht sprechen.
„Wenn du mich hörst, bedeutet das, dass dein Vater dir endlich die Wahrheit gesagt hat.“
Ich sah meinen Vater an.
Er weinte.
Meine Mutter sagte:
„Aber es gibt noch eine Sache, die du wissen musst.“
„Was?“
„Du bist nicht Subject 001.“
Ich konnte kaum atmen.
„Wer ist dann Subject 001?“
Sie antwortete:
„Dein Bruder.“
Die Verbindung brach ab.
Ich sah meinen Vater an.
„Ich habe einen Bruder?“
Er schloss die Augen.
Und in diesem Moment hörte ich hinter uns eine Tür.
Ein junger Mann stand dort.
Vielleicht dreißig Jahre alt.
Er sah mir unglaublich ähnlich.
Er lächelte.
„Hallo, Daniel.“
Dann sagte er:
„Ich habe vierzehn Jahre darauf gewartet, dich kennenzulernen.“



