DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN
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DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN

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TEIL 14 — DIE WAHRHEIT ÜBER SUBJECT 001

Ich konnte meinen Blick nicht von dem Foto lösen.

Meine Mutter.

Lebendig.

Und neben ihr…

Der Gründer von Meridian.

Der Mann, der für alles verantwortlich sein sollte.

Für die Geheimnisse.

Für die Lügen.

Für die Jahre voller Angst.

Aber warum saß meine Mutter neben ihm?

Warum sah sie nicht aus wie eine Gefangene?

Warum wirkte es eher so, als würden sie miteinander reden?

Als wären sie Verbündete.

„Nein.“

Das Wort kam leise aus meinem Mund.

„Das kann nicht sein.“

Mein Vater trat näher.

„Daniel…“

Ich hob die Hand.

„Sag nichts.“

Er blieb stehen.

Denn diesmal wollte ich keine Erklärung mehr von ihm hören.

Nicht von ihm.

Nicht von meiner Familie.

Nicht von jemandem, der elf Jahre lang entschieden hatte, welche Wahrheit ich erfahren durfte.

Ich sah Elias an.

„Du wusstest davon?“

Er antwortete nicht sofort.

Und genau diese Sekunde reichte aus.

„Du wusstest es.“

Elias senkte den Blick.

„Ich wusste, dass sie Kontakt zu Meridian hatte.“

Mein Herz schlug schneller.

„Und du hast es mir nicht gesagt?“

„Ich wollte dich schützen.“

Ich lachte bitter.

„Noch einer.“

Ich zeigte auf alle im Raum.

„Jeder wollte mich schützen.“

Meine Stimme wurde lauter.

„Und jeder hat mich dabei zerstört.“

Niemand sagte etwas.

* * *

Ich nahm mein Telefon.

Das Foto war noch da.

Meine Mutter.

Der Gründer von Meridian.

Darunter die Nachricht:

„Deine Mutter war nie ein Opfer.“

Ich tippte zurück.

Wer bist du?

Die Antwort kam sofort.

Jemand, der die Wahrheit kennt.

Ich schrieb:

Wo ist meine Mutter?

Ein paar Sekunden später:

Sie ist näher, als du denkst.

Dann kam ein Standort.

Ein Gebäude.

Nicht weit entfernt.

Ein altes Forschungszentrum.

Ich kannte den Ort.

Es war der Ort, über den mein Vater nie sprechen wollte.

* * *

„Ich gehe dorthin.“

Mein Vater wurde sofort ernst.

„Nein.“

Ich sah ihn an.

„Du hast kein Recht mehr, mir zu sagen, was ich tun soll.“

Diese Worte trafen ihn.

Ich sah es.

Aber ich musste sie sagen.

Zu viele Jahre hatte ich nach den Regeln anderer gelebt.

Jetzt wollte ich die Wahrheit.

Egal wie schmerzhaft sie war.

Elias stand auf.

„Ich komme mit.“

Ich sah ihn an.

„Warum?“

„Weil ich glaube, dass du dort Antworten bekommst.“

Victor nahm seine Jacke.

„Dann komme ich auch.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Alle sahen mich an.

„Diesmal gehe ich nicht mit einer Armee aus Menschen, die mir Dinge verschweigen.“

Ich sah Elias an.

„Nur du.“

Er nickte.

* * *

Das alte Meridian-Gebäude stand verlassen am Rand der Stadt.

Zumindest sah es verlassen aus.

Aber ich wusste inzwischen:

Die gefährlichsten Dinge waren oft die, die niemand bemerkte.

Elias öffnete eine Seitentür.

„Woher hast du den Zugang?“

Er sah mich nicht an.

„Weil ich hier aufgewachsen bin.“

Ich blieb stehen.

„Was?“

Er ging weiter.

„Bevor du geboren wurdest, war dies mein Zuhause.“

Ich sah mich um.

Weiße Wände.

Kameras.

Metalltüren.

Das war kein Zuhause.

Das war ein Gefängnis.

„Was haben sie mit dir gemacht?“

Elias schwieg.

Dann sagte er:

„Sie haben mich nicht großgezogen.“

Eine Pause.

„Sie haben mich programmiert.“

Mir wurde kalt.

* * *

Wir erreichten einen großen Raum.

In der Mitte stand ein alter Computer.

Daneben hunderte Dateien.

Eine davon trug meinen Namen.

DANIEL — SUBJECT 002

Ich erstarrte.

„Subject 002?“

Elias nickte.

„Ja.“

„Aber du bist Subject 001.“

„Das dachten sie.“

Ich drehte mich zu ihm.

„Was meinst du?“

Er öffnete die Datei.

Darin waren meine Daten.

Geburt.

Entwicklung.

Tests.

Aber etwas war anders.

Ganz unten stand:

SUBJECT 001 — ORIGINAL

Und darunter:

SUBJECT 002 — ADAPTIVE VARIANT

Ich sah ihn an.

„Was bedeutet das?“

Elias antwortete:

„Du bist nicht die Kopie von mir.“

Er zeigte auf den Bildschirm.

„Ich bin die Vorbereitung gewesen.“

Eine Pause.

„Du warst das Ergebnis.“

Mein Atem stockte.

* * *

Plötzlich gingen alle Bildschirme an.

Eine Frau erschien.

Meine Mutter.

Ich konnte kaum atmen.

„Hallo, Daniel.“

Ihre Stimme.

Nach all den Jahren.

Ich hörte sie wieder.

„Wenn du das siehst, hast du endlich den Punkt erreicht, an dem du bereit bist.“

Ich trat näher.

„Mama…“

Das Video lief weiter.

„Ich weiß, dass du mich hasst.“

Tränen standen in ihren Augen.

„Aber ich musste eine Entscheidung treffen.“

Sie sah direkt in die Kamera.

„Zwischen einem normalen Leben für dich…“

Eine Pause.

„…und der Wahrheit.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Warum?“

Das Video ging weiter.

„Meridian wurde nicht erschaffen, um Menschen zu kontrollieren.“

Ich sah Elias an.

Er wirkte überrascht.

„Es wurde erschaffen, um eine Katastrophe zu verhindern.“

Dann erschien ein Bild.

Die Erde.

Daten.

Warnungen.

Meine Mutter sprach weiter:

„Aber irgendwann wurde aus Schutz Kontrolle.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Und ich war schuld daran.“

Ich konnte nicht glauben, was ich hörte.

Meine Mutter gab es zu.

Sie war Teil davon.

Vielleicht sogar der Anfang.

Dann sagte sie die Worte, die alles veränderten:

„Daniel, dein Bruder Elias ist nicht der gefährlichste Mensch in diesem Projekt.“

Eine Pause.

„Du bist es.“

Ich erstarrte.

Elias sah ebenfalls geschockt aus.

Meine Mutter fuhr fort:

„Denn nur du kannst Meridian endgültig beenden.“

Der Bildschirm flackerte.

Dann kam ihre letzte Nachricht:

„Aber dafür musst du zuerst akzeptieren, was du wirklich bist.“

Das Licht im Raum ging aus.

Und im Dunkeln hörte ich eine Stimme hinter mir.

Eine Stimme, die ich niemals erwartet hätte.

„Endlich bist du hier, Daniel.“

Ich drehte mich um.

Und sah…

den Gründer von Meridian.

Lebendig.

* * *