DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN
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DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN

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TEIL 19 — DER PREIS DER FREIHEIT

Niemand konnte sprechen.

Auf dem Bildschirm war ein Gesicht zu sehen, das ich niemals erwartet hätte.

Thomas Vermeer.

Der Mann, der behauptet hatte, mein echter Vater zu sein.

Der Mann, der mir geholfen hatte, die Wahrheit zu finden.

Der Mann, von dem ich dachte, dass er genauso ein Opfer war wie wir.

Aber jetzt sah er nicht aus wie ein Opfer.

Er sah aus wie jemand, der alles geplant hatte.

Meine Mutter flüsterte:

„Nein…“

Thomas sah uns durch die Kamera an.

Sein Gesicht war ruhig.

Fast traurig.

„Hallo, Daniel.“

Ich spürte, wie meine Hände zitterten.

„Du.“

Meine Stimme war voller Wut.

„Du warst die ganze Zeit dahinter.“

Thomas schwieg einen Moment.

Dann sagte er:

„Ich war die ganze Zeit dabei.“

Diese Worte trafen mich härter.

Dabei.

Nicht zufällig.

Nicht gezwungen.

Dabei.

* * *

Victor starrte auf den Bildschirm.

Zum ersten Mal sah ich echte Angst in seinem Gesicht.

„Du hast mich benutzt.“

Thomas lächelte schwach.

„Nein, Victor.“

„Du hast mir die Kontrolle über Meridian gegeben.“

„Ich habe dir geglaubt, dass du sie verdienst.“

Victor ballte die Faust.

„Du hast mich glauben lassen, ich würde die Welt retten.“

Thomas antwortete ruhig:

„Du wolltest die Welt retten.“

Eine Pause.

„Ich wollte sehen, wie weit du dafür gehen würdest.“

Stille.

Ich sah zwischen ihnen hin und her.

„Was soll das bedeuten?“

Thomas sah mich an.

„Daniel, du musst verstehen, dass alles, was passiert ist, einen Grund hatte.“

Ich lachte bitter.

„Einen Grund?“

Ich zeigte auf den Raum.

„Meine Mutter hat mich angelogen.“

Ich zeigte auf Elias.

„Mein Bruder wurde als Experiment benutzt.“

Ich zeigte auf Victor.

„Mein Freund hat mich verraten.“

Meine Stimme wurde lauter.

„Und du willst mir erzählen, dass alles einen Grund hatte?“

Thomas senkte den Blick.

„Ja.“

* * *

Der Bildschirm wechselte.

Alte Aufnahmen erschienen.

Meine Mutter.

Mein Vater.

Elias.

Elena.

Und Thomas.

Alle zusammen.

Jahre bevor ich überhaupt wusste, dass es Meridian gab.

Thomas sprach weiter.

„Vor vielen Jahren haben wir entdeckt, dass bestimmte Menschen eine besondere genetische Verbindung besitzen.“

Er zeigte auf Elias.

„Elias war der Erste.“

Dann auf mich.

„Daniel war der Wendepunkt.“

Dann auf Elena.

„Und Elena war der Schlüssel.“

Meine Schwester sah erschrocken auf.

„Ich?“

Thomas nickte.

„Du warst die Einzige, die alle drei Eigenschaften gleichzeitig besaß.“

Ich verstand es nicht.

„Warum?“

Thomas antwortete:

„Weil du, Daniel, verändern kannst.“

Er zeigte auf Elias.

„Elias kann verstehen.“

Dann auf Elena.

„Und Elena kann verbinden.“

Mir wurde kalt.

„Verbinden womit?“

Thomas sagte:

„Mit jedem Menschen, der diese Veränderung trägt.“

* * *

Meine Mutter trat vor.

„Du hast alles zerstört.“

Thomas sah sie an.

„Nein.“

Seine Stimme wurde härter.

„Ich habe versucht, das zu verhindern, was du begonnen hast.“

Meine Mutter schüttelte den Kopf.

„Du hast Kinder benutzt.“

„Und du hast eine Tochter verloren.“

Diese Worte trafen sie.

Stille.

Thomas fuhr fort:

„Wir alle haben Fehler gemacht.“

Er sah mich an.

„Aber nur einer von uns hat die Macht, es zu beenden.“

Ich wusste sofort, wen er meinte.

Mich.

* * *

„Was willst du von mir?“

Thomas antwortete:

„Eine Entscheidung.“

„Welche?“

Der Bildschirm zeigte zwei Optionen.

SYSTEM AKTIVIEREN

oder

SYSTEM LÖSCHEN

Ich starrte darauf.

„Was passiert, wenn ich aktiviere?“

Thomas sagte:

„Die Verbindung wird vollständig hergestellt.“

„Und dann?“

„Die Menschheit kann von dieser Technologie profitieren.“

Victor nickte langsam.

„Das war immer der Plan.“

Ich sah ihn an.

„Und wenn ich lösche?“

Thomas wurde still.

„Dann verschwindet Meridian.“

„Für immer?“

„Ja.“

Ich sah zu Elias.

„Und ihr?“

Er verstand sofort.

„Wir könnten unsere Fähigkeiten verlieren.“

Elena nickte.

„Vielleicht.“

Ich sah auf den Bildschirm.

Mein ganzes Leben hatte ich versucht, die Wahrheit zu finden.

Jetzt lag die Wahrheit vor mir.

Und ich musste entscheiden, ob sie überhaupt existieren sollte.

* * *

Plötzlich hörte ich eine Stimme hinter mir.

Mein Vater.

Nicht aus dem Lautsprecher.

Er stand im Raum.

Lebendig.

Alle drehten sich um.

Thomas sah überrascht aus.

„Du hast es geschafft.“

Mein Vater sah ihn kalt an.

„Ja.“

Ich konnte kaum glauben, was ich sah.

„Du warst auch hier?“

Er nickte.

„Ich musste sicherstellen, dass du selbst entscheidest.“

Ich wurde wütend.

„Auch du?“

Er sah mich traurig an.

„Ja.“

„Du hast mich wieder manipuliert.“

„Nein.“

Er trat näher.

„Diesmal habe ich dir die Wahl gelassen.“

Ich sah ihn an.

„Warum hast du mir nie gesagt, dass Thomas mein Vater ist?“

Sein Gesicht veränderte sich.

„Weil er es biologisch ist.“

Eine Pause.

„Aber er war nie dein Vater.“

Ich schwieg.

Mein Vater legte eine Hand auf meine Schulter.

„Ein Vater ist nicht derjenige, der dir sein Blut gibt.“

Er sah zu Thomas.

„Ein Vater ist derjenige, der dich beschützt, auch wenn es ihn alles kostet.“

* * *

Dann ertönte ein letzter Alarm.

Die Anzeige wechselte.

AUTOMATISCHE AKTIVIERUNG IN 10 MINUTEN

Thomas sah ernst aus.

„Die Zeit läuft.“

Ich blickte auf meine Familie.

Meine Mutter.

Meine Brüder und Schwester.

Meinen Vater.

Die Menschen, die mich verletzt hatten.

Aber auch die Menschen, die mich geliebt hatten.

Dann verstand ich etwas.

Die größte Entscheidung war nicht, ob Meridian leben oder sterben sollte.

Die größte Entscheidung war…

ob ich weiterhin zulassen würde, dass andere über mein Leben bestimmen.

Ich trat zum System.

Meine Hand schwebte über der Auswahl.

Aktivieren.

Oder löschen.

Dann erschien eine neue Nachricht.

Nicht von Thomas.

Nicht von Meridian.

Sondern von einer unbekannten Quelle.

Nur ein Satz:

„Daniel, wenn du das System löschst, stirbt jemand, den du liebst.“

Ich erstarrte.

Darunter stand ein Name.

ELENA.

Ich sah meine Schwester an.

Sie wurde blass.

„Daniel…“

Die Zeit lief weiter.

Noch 8 Minuten.

Und plötzlich wusste ich:

Das war nicht die letzte Prüfung.

Das war die letzte Falle.

* * *