DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN
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DIE TÜR, VOR DER ICH ANGST HATTE, SIE ZU ÖFFNEN

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TEIL 4 — DER MANN HINTER MEINEN KINDERN

„Wir müssen sofort zu den Jungen.“

Ich rannte zur Tür.

Nora hielt mich zurück.

„Nein!“

„Das sind meine Kinder!“

„Genau deshalb dürfen Sie nicht einfach dorthin fahren.“

Ich wollte sie anschreien.

Doch dann zeigte sie auf mein Handy.

Das Foto war erst wenige Sekunden alt.

Victor stand hinter meinen Söhnen.

Meine Schwester hatte keine Ahnung, dass er dort war.

Oder vielleicht…

wusste sie es.

Ich rief sie an.

Keine Antwort.

Noch einmal.

Nichts.

Mein Herz raste.

„Wir fahren hin.“

Nora nickte.

Diesmal widersprach sie nicht.

Als wir ankamen, stand die Haustür offen.

Ich rannte hinein.

„Sarah!“

Keine Antwort.

Das Wohnzimmer war leer.

Spielzeug lag auf dem Boden.

Ein Glas war zerbrochen.

Ich ging weiter.

Dann hörte ich eine Stimme.

„Papa?“

Ich drehte mich um.

Caleb stand am Ende des Flurs.

Allein.

Ich rannte zu ihm und ging auf die Knie.

„Wo ist dein Bruder?“

Caleb zeigte nach oben.

„Er ist im Schlafzimmer.“

Ich rannte die Treppe hinauf.

Mason saß auf dem Bett.

Meine Schwester lag bewusstlos daneben.

„Sarah!“

Ich kniete mich zu ihr.

Sie atmete.

Schwach, aber sie atmete.

Mason sprang in meine Arme.

„Papa, er hat gesagt, dass Mama ihn geschickt hat.“

Ich hielt meinen Sohn fest.

„Wer?“

„Der Mann auf dem Foto.“

Victor.

Natürlich.

Ich rief den Notruf.

Während ich wartete, bemerkte ich etwas.

Mason hielt einen kleinen Schlüssel in der Hand.

„Woher hast du den?“

„Der Mann hat ihn mir gegeben.“

„Was hat er gesagt?“

Mason flüsterte:

„Er sagte, Mama wollte, dass du ihn findest.“

Ich nahm den Schlüssel.

Nora kam herein.

Als sie ihn sah, erstarrte sie.

„Das ist der Schlüssel zum Tresor.“

„Welcher Tresor?“

„Der Ihrer Frau.“

Ich sah sie an.

„Sie hatte einen Tresor?“

Nora nickte.

„In ihrem früheren Büro.“

Ich erinnerte mich.

Vor ihrer letzten Reise hatte meine Frau mich gebeten, einige alte Akten aus ihrem Büro zu holen.

Ich hatte keine Zeit gehabt.

Vielleicht…

war das der Grund.

Am nächsten Morgen gingen wir dorthin.

Das Büro war seit ihrem Tod geschlossen.

Staub bedeckte die Möbel.

Ich ging zu ihrem Schreibtisch.

Hinter einem Bücherregal fand ich eine kleine Metalltür.

Der Schlüssel passte.

Ich öffnete sie.

Darin lag ein Ordner.

Auf dem Deckel stand:

CARTER FAMILY — CONFIDENTIAL

Ich öffnete ihn.

Die erste Seite war ein Stammbaum.

Mein Name.

Der Name meiner Frau.

Dann ein weiterer Name.

Evelyn Carter.

Meine Mutter.

Ich runzelte die Stirn.

Meine Mutter war vor zwanzig Jahren gestorben.

Darunter stand:

„Nicht tot.“

Ich starrte auf die Worte.

„Was soll das?“

Nora nahm mir den Ordner aus der Hand.

Sie blätterte weiter.

Fotos.

Alte Krankenakten.

Geburtsurkunden.

Und dann sah ich ein Foto meiner Mutter.

Sie stand vor einem Krankenhaus.

Neben ihr eine junge Frau.

Meine Frau.

Ich konnte kaum sprechen.

„Sie kannten sich.“

Nora nickte.

„Ihre Frau hat Ihre Mutter gefunden.“

„Aber meine Mutter war tot.“

„Das dachten Sie.“

Ich blätterte weiter.

Dann fiel ein Brief heraus.

Von meiner Frau.

An mich.

Ich las:

„Liebling, wenn du diesen Brief findest, hast du endlich verstanden, dass die Geschichte unserer Familie eine Lüge ist.“

Meine Hände zitterten.

„Deine Mutter hat ihren Tod vorgetäuscht, weil sie etwas wusste.“

Ich sah Nora an.

„Was wusste sie?“

„Dass Ihr Vater nicht bei einem Unfall gestorben ist.“

Ich erinnerte mich.

Mein Vater war angeblich vor zwanzig Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Aber meine Frau hatte geschrieben:

„Dein Vater wurde ermordet.“

Ich setzte mich.

Die Welt schien sich zu drehen.

Dann fand ich eine zweite Seite.

Darauf stand:

„Victor Hale war damals schon dabei.“

Victor.

Immer wieder Victor.

Ich griff nach meinem Handy.

In diesem Moment klingelte es.

Eine unbekannte Nummer.

Ich nahm ab.

„Wer ist da?“

Eine Männerstimme antwortete.

„Du hast den Tresor geöffnet.“

Ich sagte nichts.

„Jetzt weißt du, dass dein Vater nicht bei einem Unfall gestorben ist.“

„Wer bist du?“

Eine Pause.

Dann:

„Jemand, der deine Frau retten wollte.“

Mein Herz blieb stehen.

„Meine Frau ist tot.“

Der Mann lachte leise.

„Bist du dir sicher?“

Ich erstarrte.

Nora sah mich an.

„Was hat er gesagt?“

Ich schaltete den Lautsprecher ein.

Die Stimme sagte:

„Deine Frau hat ihren Tod inszeniert.“

Mir wurde schwindelig.

„Das ist unmöglich.“

„Nein.“

Dann kam der Satz, der mir den Boden unter den Füßen wegzog:

„Sie lebt.“

Die Verbindung wurde beendet.

Ich sah Nora an.

„Was weißt du?“

Sie begann zu weinen.

„Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde.“

„Wo ist sie?“

Nora schwieg.

„WO IST MEINE FRAU?“

Sie schloss die Augen.

Dann flüsterte sie:

„In einem Haus, das Ihnen gehört.“

„Welches Haus?“

„Das Haus am See.“

Ich erstarrte.

Das Haus, das seit Jahren leer stand.

Das Haus, in dem meine Frau und ich unsere Flitterwochen verbracht hatten.

Ich griff nach meinem Mantel.

„Wir fahren dorthin.“

Nora nickte.

Doch bevor wir das Büro verlassen konnten, erhielt ich eine weitere Nachricht.

Ein Foto.

Ein Raum.

Ein Bett.

Eine Frau saß darauf.

Ihr Gesicht war nur von hinten zu sehen.

Darunter stand:

„Komm allein, Carter.“

Und dann:

„Sonst stirbt sie diesmal wirklich.“