Die abgelehnte Bankkarte
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Die abgelehnte Bankkarte

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TEIL 4 – Der vergessene Zettel aus der Vergangenheit

Das Papier war vergilbt und roch nach muffigem Papier und Lavendel, dem Duft, den meine Mutter immer getragen hatte. Die Handschrift war spitz und hastig, als wäre sie in völliger Panik aufs Papier gekritzelt worden. „Wenn du das liest, Emma – selbst wenn du jetzt noch zu klein bist, um es zu verstehen –, dann wisse, dass ich nicht der bin, für den du mich hältst. Die Autounfälle, die offiziellen Berichte, das sind alles Nebelkerzen, um dich und deine Mutter vor der Familie Moretti zu beschützen. Sie verzeihen es mir nie, dass man mich aus ihrem Imperium entrissen hat. Wenn du diesen Schlüssel jemals findest, vertraue niemandem mit dem Namen Bellini… und suche nach der Wahrheit in San Michele.“ Mir blieb die Luft weg.

Die Familie Moretti. Derselbe Nachname wie die ältere Frau in unserem Geschäft. Dieselbe Familie, die angeblich seit zwanzig Jahren VIP-Kundin bei uns war, in Wahrheit aber eine dunkle Verbindung zur Vergangenheit meines Vaters hatte. „Was steht da?“, fragte Elena leise, als sie sah, wie leichenblass mein Gesicht wurde. Ich reichte ihr den Zettel.

Während sie las, sah ich, wie ihre Augen vor Ungläubigkeit größer wurden. „Das… das verändert alles“, stammelte Elena. „Es ist kein Zufall, dass sich Frau Moretti ausgerechnet deine Kasse ausgesucht hat, um diese Karte zu benutzen. Sie wusste, dass du dort arbeitest. Es war ein Test. Eine Warnung.“ „Oder eine Einladung“, erwiderte ich und drehte den silbernen Schlüssel in meiner Hand um.

Das Metall fühlte sich kalt an meiner Handfläche an. „Sie wollten sehen, ob ich die Karte wiedererkenne. Und das tat ich. Diese Karte lag auf dem Foto in dieser Kiste, versteckt hinter dem Doppelboden.“ Ich zog den doppelten Boden der Eisenkiste nach oben. Darunter lag ein zweiter Gegenstand: ein kleiner, schwarzer USB-Stick und eine handgeschriebene Liste mit Codes. „Was glaubst du, ist da drauf?“, fragte Elena und deutete auf den USB-Stick. „Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden“, sagte ich und ging sofort zu meinem alten Laptop auf dem Schreibtisch.

Ich steckte den kleinen Stick in den USB-Anschluss. Der Bildschirm flackerte kurz auf. Ein passwortgeschützter Ordner erschien. Eine Textleiste forderte zur Eingabe einer PIN auf. Keine Zahlen, sondern ein Satz. Ich blickte auf den Zettel meines Vaters. Unten stand ein kryptischer Satz geschrieben: An dem Tag, als die Sonne verschwand. „Die Sonnenfinsternis“, erinnerte ich mich plötzlich.

Meine Mutter hatte manchmal davon erzählt. Der Tag, an dem sie sich kennengelernt hatten. Ich tippte das Datum ein: 11-08-1999 . Mit einem leisen Klick öffnete sich der Ordner. Auf dem Bildschirm erschien eine Liste digitaler Dokumente, Kontoauszüge und… eine Videodatei. Meine Hände zierten so stark, dass ich mich kaum traute, auf die Maus zu klicken.

Ich klickte auf die Videodatei und hielt den Atem an. Das Bild wurde klar. Ein Mann erschien auf dem Bildschirm. Er saß in einem dunklen Raum, der nur von einer einzigen Schreibtischlampe beleuchtet wurde. Sein Haar war grau, sein Gesicht von Falten und tiefen Narben gezeichnet, aber die Augen… diese Augen kannte ich von Tausenden von Fotos. Es war mein Vater.

Marco Bellini. Und als er zu sprechen begann, hörte ich die Worte, die meine gesamte Wirklichkeit explodieren ließen. „Wenn du das siehst, Emma, bedeutet das, dass es mich nicht mehr gibt oder dass du der Wahrheit endlich nahe genug gekommen bist. Was auch immer du tust… geh niemals in die Villa am Comer See. Sie wissen, dass du lebst.“ Plötzlich schaltete sich der Bildschirm des Laptops schwarz.

Nicht wegen eines leeren Akkus, sondern durch eine externe Computersteuerung. In der Ferne, irgendwo im Flur des Apartmentkomplexes, hörte ich schwere Schritte näherkommen. Und dann klopfte jemand dreimal hart an die Wohnungstür.