TEIL 13 – Das letzte Wort
Die Scheinwerfer der echten Polizeiwagen blenden den Söldner völlig. Mit einem Fluch griff er sich in die Augen und sprang in den schwarzen Wagen des falschen Agenten, der mit quietschenden und rauchenden Reifen in Richtung Schweizer Grenze davonraste. Ich rannte zu meinem Vater. Er lag auf der Seite im Schlamm, seine Hände pressten sich gegen seine Schulter, wo sich ein roter Fleck rasch durch seine Jacke fraß. „Papa!
Papa, nein, bitte…“, schluchzte ich, während ich neben ihm auf die Knie sank und meine Hände auf die Wunde drückte, um die Blutung zu stoppen. Er öffnete langsam die Augen. Ein schwaches, warmes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich lebe noch, Emma… Mach dir keine Sorgen… es ist nur ein Streifschuss…“ Die Sirenen näherten sich mit rasender Geschwindigkeit.
Innerhalb von Sekunden wimmelten Polizisten und Sanitäter um uns herum. Das Chaos aus Blaulicht, Decken, Flutlichtern und Stimmen übermannte mich, aber zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich keine Angst mehr. Zwei Wochen später war die Ruhe in der Stadt in gewissem Maße zurückgekehrt. Die internationale Operation gegen die Holding in Zürich, geleitet durch die Daten auf dem USB-Stick und die Akte aus der Kapelle, hatte zur Festnahme Dutzender Drahtzieher in der Finanzwelt und Unterwelt geführt.
Protokoll Omega war für immer zerschlagen worden. Das Geschäft, in dem ich einst gearbeitet hatte, war inzwischen für gründliche staatsanwaltschaftliche Ermittlungen geschlossen worden. Elena hatte einen neuen Job in einer Kunstgalerie gefunden, und wir tranken noch jeden Dienstag zusammen Kaffee in genau demselben kleinen Café um die Ecke. An einem sonnigen Nachmittag stand ich auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs in Mailand.
Die Luft war klar, der Himmel strahlend blau. Neben mir stand ein alter Koffer. Und neben dem Koffer stand ein Mann mit grauem Haar und einem ruhigen Lächeln. Mein Vater. „Bist du bereit?“, fragte er leise, während er sein Zugticket zeigte. Wir reisten in ein kleines, ruhiges Küstendorf, in dem niemand unseren Nachnamen kannte und wo wir endlich ein neues Leben beginnen konnten.
Ich blickte zum Horizont, wo die Sonne langsam zu sinken begann, und dachte an jenen Nachmittag vor drei Wochen zurück, als ein scharfer Piepton auf einem Kassendisplay meine ganze Welt auf den Kopf gestellt hatte. Die abgelehnte Bankkarte war kein Fehler gewesen. Es war das Schicksal gewesen, das uns wieder zueinandergeführt hatte. „Ja, Papa“, antwortete ich und ergriff seine Hand. „Ich bin bereit.“ Der Zug pfiff. Wir stiegen ein, und während sich die Türen schlossen, wusste ich, dass die Schatten der Vergangenheit für immer hinter uns lagen.


