TEIL 15 — ZEHN MINUTEN
Der Alarm wurde lauter.
Auf einem Bildschirm erschien eine Meldung:
SYSTEMLÖSCHUNG IN 09:47
„Was müssen wir tun?“, fragte ich.
Sofia rannte zu den Computern.
„Die Stiftung erkennt vier biologische Signaturen.“
Noah trat neben sie.
„Welche?“
„Laura. Miriam. Noah. Adrian.“
Adrian ging näher.
„Und dann?“
„Dann öffnet sich das Archiv.“
Victor zog eine Waffe.
„Niemand bewegt sich.“
David stellte sich vor mich.
„Du wirst nicht schießen.“
„Das solltest du nicht entscheiden.“
Sofia sah Victor an.
„Wenn du uns tötest, verlierst du das Archiv.“
„Ich brauche nur Miriam.“
„Nein.“
Victor sah sie kalt an.
„Du vergisst, wer dir geholfen hat.“
„Du hast mir nichts geholfen.“
„Ich habe dich am Leben gelassen.“
Sofia lachte bitter.
„Du hast meinen Vater getötet.“
Stille.
Ich sah sie an.
„Was?“
Sofia weinte.
„Mein Vater war der Arzt, der damals das dritte Kind registrieren sollte.“
„Was ist passiert?“
„Victor zwang ihn, die Geburtsunterlagen zu verändern.“
„Und das dritte Kind?“
Sofia sah Noah an.
„Es war Noah.“
Noah erstarrte.
„Aber du hast gesagt …“
„Ich habe damals versucht, ihn zu retten.“
„Warum?“
„Weil dein Vater mich darum gebeten hatte.“
Victor schrie:
„Genug!“
Der Countdown lief weiter.
07:31
Miriam legte ihre Hand auf den Scanner.
Ein grünes Licht erschien.
Noah tat dasselbe.
Dann Adrian.
Das System akzeptierte drei Personen.
Die vierte Anzeige blinkte rot.
LAURA — NICHT ERKANNT
„Was?“
Ich legte meine Hand auf den Scanner.
Nichts.
„Warum erkennt es mich nicht?“
Sofia wurde blass.
„Weil du nicht Laura bist.“
Mein Herz blieb stehen.
„Was?“
Victor lächelte.
„Ich habe es dir gesagt.“
„Was soll das heißen?“
Sofia öffnete eine Datei.
Darin war ein DNA-Bericht.
Ich las.
Dann noch einmal.
Und noch einmal.
Meine Hände begannen zu zittern.
„Das ist falsch.“
Noah nahm das Dokument.
Sein Gesicht wurde blass.
„Laura …“
„Sag nichts.“
„Du bist nicht Lorenzos Tochter.“
„Nein.“
Sofia flüsterte:
„Du bist Victors Tochter.“
Ich sah Victor an.
Er sagte nichts.
Zum ersten Mal wirkte er nicht arrogant.
Er wirkte traurig.
„Ich wollte dich nie verlieren.“
Ich wich zurück.
„Du hast meine Familie zerstört.“
„Weil Lorenzo dich mir weggenommen hat.“
Rebecca schrie:
„Du hast uns bedroht!“
„Weil du mein Kind versteckt hast!“
„Du wolltest sie benutzen!“
„Ich wollte sie schützen.“
„Lügner!“
Der Countdown:
05:12
Sofia sagte:
„Wenn Laura nicht erkannt wird, können wir das Archiv nicht öffnen.“
„Dann ist alles verloren.“
Noah sah mich an.
„Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit.“
„Welche?“
„Der biologische Schlüssel.“
„Was?“
„Wenn du Victors Tochter bist, muss dein Marker trotzdem registriert sein.“
Sofia schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Dann sah sie mich an.
„Außer …“
„Außer was?“
„Du bist nicht die Person, die das System erwartet.“
„Wer dann?“
Miriam sagte plötzlich:
„Meine Zwillingsschwester.“
Ich sah sie an.
„Was?“
„Ich habe immer gewusst, dass etwas nicht stimmt.“
Sie trat zu mir.
„Vielleicht bist du nicht Laura.“
„Dann wer bin ich?“
Miriam nahm meine Hand.
„Du bist das Kind, das damals ersetzt wurde.“
Stille.
Sofia öffnete die letzte Datei.
Darin stand:
Kind A — Miriam
Kind B — Noah
Kind C — Adrian
Kind D — Laura
Darunter:
Kind D wurde nach dem Brand durch ein fremdes Kind ersetzt.
Ich konnte kaum atmen.
„Ein fremdes Kind?“
Victor sah mich an.
„Ja.“
„Wer bin ich?“
Er antwortete nicht.
Miriam flüsterte:
„Dann bist du vielleicht überhaupt nicht unsere Schwester.“
Der Countdown:
03:01
Plötzlich öffnete sich eine weitere Tür.
Ein Mann trat herein.
Ich erkannte ihn.
Elias.
Aber Noah war Elias.
Der Mann lächelte.
„Es tut mir leid.“
Noah drehte sich um.
„Wer bist du?“
Der Mann antwortete:
„Der echte Noah.“
Ich erstarrte.
„Was?“
Der Mann zeigte auf Noah.
„Er ist nicht Noah.“
Noah wurde kreidebleich.
„Du lügst.“
Der Fremde zog ein Foto heraus.
Darauf waren zwei Jungen.
Einer war Noah.
Der andere war der Mann vor uns.
„Wir wurden als Kinder vertauscht.“
Victor lächelte.
„Jetzt versteht ihr endlich.“
Der Countdown:
01:42
Sofia schrie:
„Wir haben keine Zeit mehr!“
Der Fremde sah mich an.
„Wenn du das Archiv öffnen willst, musst du mir vertrauen.“
„Warum?“
Er sagte:
„Weil ich weiß, wer deine leibliche Mutter ist.“
Ich sah Rebecca an.
Sie begann zu weinen.
Der Fremde flüsterte:
„Sie ist nicht Rebecca.“
* * *



