Mein Schwiegervater verbrannte meinen sechs Monate schwangeren Bauch mit seiner brennenden Zigarette, während mein Ehemann meine Handgelenke festhielt
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Mein Schwiegervater verbrannte meinen sechs Monate schwangeren Bauch mit seiner brennenden Zigarette, während mein Ehemann meine Handgelenke festhielt

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TEIL 10 — DAS DRITTE KIND

„Es waren drei.“

Victors Worte hallten durch die dunkle Lagerhalle.

Ich starrte meine Mutter an.

Rebecca stand da, blass, zitternd, mit Tränen in den Augen. Neben ihr Miriam – meine beste Freundin, meine Vertraute, meine Zwillingsschwester.

Und jetzt sollte es noch ein drittes Kind geben?

„Das ist nicht wahr“, flüsterte ich.

Victor lächelte nicht mehr.

„Doch.“

„Du lügst.“

„Dann frag deine Mutter.“

Ich drehte mich zu Rebecca.

„Mama?“

Sie senkte den Kopf.

Dieses Schweigen war schlimmer als jede Antwort.

„Sag mir, dass er lügt.“

Rebecca schluchzte.

„Laura …“

„Sag es!“

Sie hob langsam den Blick.

„Es stimmt.“

Mir wurde schwindelig.

„Drei Kinder?“

Sie nickte.

„Drei.“

Miriam begann zu weinen.

„Ich wusste nichts davon.“

Ich sah sie an.

„Du wusstest nicht, dass du eine Zwillingsschwester hast. Aber du wusstest, wer ich bin.“

„Ja.“

„Seit drei Jahren.“

„Ja.“

„Und du hast mich die ganze Zeit angelogen.“

„Nein!“

Miriam machte einen Schritt auf mich zu.

Ich wich zurück.

„Fass mich nicht an.“

Sie blieb stehen.

„Ich wollte dich beschützen.“

„Vor wem?“

„Vor Victor.“

Victor lachte leise.

„Sie wollte dich nicht nur beschützen. Sie sollte dich überwachen.“

Miriam sah ihn an.

„Das stimmt nicht.“

„Du hast für mich gearbeitet.“

„Ich hatte keine Wahl.“

„Jeder hat eine Wahl.“

„Du hast meine Familie bedroht!“

Ich sah zwischen ihnen hin und her.

„Was genau hast du für ihn getan?“

Miriam schwieg.

Dann sagte sie:

„Ich sollte herausfinden, wo du den Schlüssel versteckst.“

Ich griff automatisch nach meiner Kette.

„Also deshalb bist du in mein Leben gekommen.“

„Nein.“

„Deshalb wurdest du meine Assistentin.“

„Am Anfang ja.“

Mein Herz zerbrach.

„Und später?“

Ihre Stimme zitterte.

„Später warst du wirklich meine Schwester.“

Victor schüttelte den Kopf.

„Gefühle machen Menschen schwach.“

Miriam sah ihn voller Hass an.

„Du verstehst überhaupt nichts.“

„Genug.“

Victor wandte sich an mich.

„Dein drittes Geschwister lebt.“

„Wer?“

„Das ist die Frage.“

Rebecca presste beide Hände gegen ihr Gesicht.

„Bitte … nicht.“

„Du hast dreißig Jahre lang geschwiegen“, sagte Victor kalt. „Jetzt soll sie alles erfahren.“

Ich ging zu meiner Mutter.

„Wo ist mein Geschwister?“

Rebecca antwortete nicht.

„Mama!“

„Ich weiß es nicht.“

„Du weißt es.“

„Nein.“

„Du hast es gerade bestätigt.“

Sie weinte.

„Nach deiner Geburt wurde alles kompliziert.“

„Warum?“

Rebecca sah zu Victor.

„Weil er uns gefunden hatte.“

Victor sagte:

„Lorenzo wollte seine Familie retten. Deshalb brachte er euch auseinander.“

„Uns drei?“

„Ja.“

„Warum?“

„Weil drei Kinder gemeinsam gefährlicher waren als eines.“

Ich verstand nichts.

„Gefährlicher für wen?“

Victor trat näher.

„Für mich.“

Plötzlich knallte irgendwo draußen eine Tür.

Alle erstarrten.

David.

Die versteckte Kamera.

Die Polizei.

Ich hoffte, dass sie näher gekommen waren.

Victor sah zur Tür.

„Du hast also doch Hilfe mitgebracht.“

„Ich bin nicht allein“, sagte ich.

Victor lächelte.

„Das weiß ich.“

Er zog sein Handy.

Ein Video erschien auf dem Bildschirm.

David.

Er saß in einem Auto.

Gefesselt.

Ich spürte, wie mein Körper erstarrte.

„Nein.“

Miriam flüsterte:

„Victor …“

„Ein kleiner Hinweis darauf, was passiert, wenn man mich unterschätzt.“

Ich wollte auf ihn losgehen.

Rebecca hielt mich fest.

„Nicht!“

Victor legte den Umschlag auf einen Tisch.

„Der Schlüssel.“

„Lass David frei.“

„Schlüssel gegen David.“

„Und meine Mutter?“

„Auch.“

„Und Miriam?“

Victor sah zu ihr.

„Miriam entscheidet selbst.“

Miriam wurde blass.

„Was meinst du?“

„Du kannst mit deiner Schwester gehen.“

„Und du?“

„Ich bleibe.“

„Warum?“

Victor lächelte.

„Weil ich noch eine Sache erledigen muss.“

Er zeigte auf Rebecca.

„Sie hat damals nicht nur eure Geburtsurkunden gefälscht.“

Meine Mutter schloss die Augen.

„Sie hat den dritten Namen gelöscht.“

Ich sah sie an.

„Welchen Namen?“

Rebecca flüsterte:

„Noah.“

Ich erstarrte.

„Noah?“

„Euer Bruder.“

Miriam trat zurück.

„Wir haben einen Bruder?“

Rebecca nickte.

„Er wurde direkt nach der Geburt weggebracht.“

„Wohin?“

„Ich weiß es nicht.“

Victor hob den Umschlag.

„Ich schon.“

Ich sah ihn an.

„Wo ist er?“

Victor lächelte.

„Ganz in deiner Nähe.“

Dann ging plötzlich das Licht aus.

Ein Schuss fiel.

Jemand schrie.

Als das Licht wieder anging, war Victor verschwunden.

Meine Mutter lag auf dem Boden.

Und auf dem Tisch lag nur noch ein Zettel.

Darauf standen vier Wörter:

NOAH IST BEI DIR.

* * *

TEIL 11 — DER MANN, DER MEIN BRUDER WAR

„Mama!“

Ich kniete mich neben Rebecca.

Sie war bewusstlos, aber sie atmete.

Miriam rief nach Hilfe.

„Laura, wir müssen hier raus!“

„Nicht ohne sie.“

„Victor ist noch irgendwo hier!“

Ich sah mich um.

Die Lagerhalle war plötzlich voller Schatten.

Dann hörte ich Sirenen.

Die Polizei stürmte hinein.

David wurde wenige Minuten später außerhalb der Halle gefunden. Er war verletzt, aber am Leben.

Ich wollte Victor verfolgen.

Doch er war verschwunden.

Für immer, dachte ich damals.

Ich hätte es besser wissen müssen.

Im Krankenhaus saß ich neben meiner Mutter.

Miriam stand am Fenster.

David lag im Nachbarzimmer.

Niemand sprach.

Bis Rebecca ihre Augen öffnete.

„Laura.“

Ich nahm ihre Hand.

„Wo ist Noah?“

Sie begann zu weinen.

„Ich weiß es wirklich nicht.“

„Victor behauptet, er sei in meiner Nähe.“

„Dann hat er gelogen.“

Miriam drehte sich um.

„Vielleicht nicht.“

Wir sahen sie an.

„Was meinst du?“

Miriam setzte sich.

„Victor wusste Dinge über uns, die nur sehr wenige Menschen wissen konnten.“

„Welche Dinge?“

„Er wusste von deiner Kette.“

Ich berührte den Anhänger.

„Was ist daran so wichtig?“

Rebecca flüsterte:

„Der Schlüssel öffnet nicht nur eine Stiftung.“

„Was dann?“

„Eine Identität.“

Ich verstand nicht.

„Eine Identität?“

„Lorenzo hat damals drei neue Identitäten für euch geschaffen.“

„Warum?“

„Damit Victor euch niemals findet.“

Miriam sah mich an.

„Dann könnte Noah irgendwo unter einem anderen Namen leben.“

Rebecca nickte.

„Ja.“

„Und wie finden wir ihn?“

Meine Mutter schloss die Augen.

„Der Schlüssel.“

„Der Anhänger?“

„Er enthält einen Code.“

Ich nahm die Kette ab.

Miriam untersuchte den Anhänger.

„Hier.“

Auf der Rückseite befanden sich winzige Zahlen.

Ich hatte sie nie bemerkt.

„Was bedeuten sie?“

Rebecca sagte:

„Geburtsdatum. Ort. Name.“

„Welcher Name?“

„Der Name, den Lorenzo deinem Bruder gegeben hat.“

David kam plötzlich ins Zimmer.

Sein Gesicht war blass.

„Ich glaube, ich kenne ihn.“

Wir drehten uns um.

„Wie?“

David legte ein Foto auf den Tisch.

Darauf war ein Mann Anfang dreißig.

Dunkle Haare.

Bart.

Graue Augen.

Ich kannte dieses Gesicht.

Mein Herz begann zu rasen.

„Nein.“

Miriam nahm das Foto.

„Wer ist das?“

David antwortete:

„Dr. Elias Weber.“

Ich starrte das Bild an.

„Ich kenne ihn.“

„Woher?“

„Er arbeitet in unserer Stiftung.“

Miriam wurde blass.

„Seit wann?“

„Seit ungefähr zwei Jahren.“

David sah mich an.

„Und genau das ist das Problem.“

„Warum?“

„Weil seine Identität gefälscht ist.“

Mir blieb der Atem weg.

„Was?“

„Die Polizei hat seine Unterlagen überprüft.“

„Und?“

„Geburtsurkunde gefälscht. Studienunterlagen manipuliert. Steuerdaten sauber – zu sauber.“

Miriam flüsterte:

„Noah.“

Rebecca begann zu weinen.

„Vielleicht.“

Ich stand sofort auf.

„Ich muss ihn sehen.“

David hielt mich zurück.

„Nicht allein.“

„Er könnte mein Bruder sein.“

„Und er könnte für Victor arbeiten.“

Dieser Satz traf mich.

Ich dachte an Elias.

Ruhig.

Hilfsbereit.

Immer höflich.

Er hatte mir sogar einmal gesagt:

„Wenn Sie jemals Hilfe brauchen, können Sie auf mich zählen.“

War das nur ein Zufall?

Oder hatte er mich seit zwei Jahren beobachtet?

Am nächsten Morgen gingen Miriam, David und ich zur Stiftung.

Elias war nicht da.

Sein Büro war leer.

Sein Computer ebenfalls.

„Er ist verschwunden“, sagte David.

Auf seinem Schreibtisch lag ein Umschlag.

Mein Name stand darauf.

Ich öffnete ihn.

Darin lag ein altes Foto.

Drei Babys.

Rebecca hielt sie im Arm.

Lorenzo stand daneben.

Auf der Rückseite stand:

Für Laura. Wenn du dieses Foto findest, ist es Zeit.

Darunter eine Adresse.

Ich kannte sie.

Ein altes Haus am Stadtrand.

Wir fuhren sofort dorthin.

Die Tür war offen.

Im Wohnzimmer fanden wir einen Mann.

Elias.

Er stand mit dem Rücken zu uns.

„Elias?“

Er drehte sich langsam um.

Seine Augen füllten sich mit Tränen.

„Laura.“

Ich blieb stehen.

„Wer bist du wirklich?“

Er sagte nichts.

Miriam trat neben mich.

„Sag es.“

Elias sah uns an.

Dann flüsterte er:

„Ich bin Noah.“

Rebecca hatte recht.

Wir hatten einen Bruder.

Doch bevor ich ihn umarmen konnte, sagte Noah:

„Ihr müsst sofort gehen.“

„Warum?“

Er sah aus dem Fenster.

„Weil Victor weiß, dass ihr hier seid.“

David zog seine Waffe.

„Wo ist er?“

Noah schüttelte den Kopf.

„Nicht hier.“

„Dann wo?“

Noah sah mich direkt an.

„In dem Moment, in dem ihr dieses Haus betreten habt, hat er bekommen, was er wollte.“

„Was?“

Noah zeigte auf meine Kette.

„Den Schlüssel.“

Ich sah nach unten.

Die Kette war weg.

Mein Herz setzte aus.

„Wie?“

Noah wurde blass.

„Er war nie an dem Anhänger interessiert.“

„Was meinst du?“

„Er wollte, dass du glaubst, der Schlüssel sei die Kette.“

„Aber …“

Noah trat näher.

„Der echte Schlüssel war die ganze Zeit etwas anderes.“

„Was?“

Er sah Miriam an.

„Sie.“

Miriam erstarrte.

„Ich?“

Noah nickte.

„Du bist nicht nur meine Schwester.“

Dann öffnete er eine Schublade.

Darin lag ein alter DNA-Test.

Drei Namen.

Laura.

Miriam.

Noah.

Und daneben ein vierter Name.

Ich las ihn.

Mein Blut gefror.

Victor Mercer.

* * *