Sie nannten sie eine Last… Bis der mächtigste Mann Amsterdams sagte
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Sie nannten sie eine Last… Bis der mächtigste Mann Amsterdams sagte

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Teil 5 – Die Erinnerung, die man mir genommen hatte

„Sag mir, dass sie lügt.“

Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Matteo stand vor mir.

Zum ersten Mal seit unserer Begegnung wirkte der mächtigste Mann Amsterdams nicht gefährlich.

Er wirkte verängstigt.

„Elena …“

„Sag es.“

Er sah mir in die Augen.

„Deine Mutter sagt die Wahrheit.“

Die Worte trafen mich wie ein Schlag.

Ich wich zurück.

„Was habt ihr mit mir gemacht?“

„Ich war nicht dabei, als es passiert ist.“

„Aber du wusstest davon.“

Er schwieg.

„Du wusstest es!“

„Ich wusste, dass dein Vater eine Behandlung durchführen ließ.“

„Welche Behandlung?“

Matteo atmete tief durch.

„Eine experimentelle Therapie gegen traumatische Erinnerungen.“

Ich starrte ihn an.

„Ihr habt meine Erinnerungen gelöscht.“

„Nicht vollständig.“

„Dann warum erinnere ich mich nicht an meine Mutter?“

„Weil dein Gehirn die Erinnerungen selbst blockiert hat.“

„Und wer hat dafür gesorgt?“

Matteo sah zur Seite.

„Mein Vater.“

Ich spürte Tränen in meinen Augen.

„Und du hast mich danach beobachtet.“

„Ja.“

„Jahrelang.“

„Ja.“

„Warum?“

Er trat näher.

„Weil dein Vater wusste, dass die Behandlung nicht dauerhaft sein würde.“

„Richard?“

„Nein.“

Er sah mich ernst an.

„Willem Vermeer.“

Ich erstarrte.

„Mein Großvater.“

Matteo nickte.

„Er war der eigentliche Kopf hinter Orpheus.“

Alles wurde still.

Mein Großvater.

Der Mann, von dem meine Familie behauptet hatte, er sei ein angesehener Unternehmer gewesen.

Ein großzügiger Philanthrop.

Ein Familienvater.

In Wahrheit hatte er Kinder verschwinden lassen.

Und mich benutzt.

„Warum ich?“

Matteo antwortete:

„Weil du als Kind etwas gesehen hast, das du niemals hättest sehen dürfen.“

„Was?“

„Den Anfang von Orpheus.“

Ich schloss die Augen.

Und plötzlich kam eine Erinnerung zurück.

Ein großer Raum.

Weiße Wände.

Mehrere Kinder.

Eine Frau, die weinte.

Meine Mutter stand neben mir.

Sie hielt meine Hand.

„Nicht hinschauen, Elena.“

Aber ich hatte hingeschaut.

Ein Mann in einem dunklen Anzug kam herein.

Ich kannte ihn.

Willem.

Mein Großvater.

Er kniete sich vor mich.

„Du bist ein kluges Mädchen.“

Dann legte er einen Finger auf meine Lippen.

„Du wirst niemandem erzählen, was du gesehen hast.“

Ich riss die Augen auf.

„Ich kenne den Raum.“

Matteo sah mich an.

„Was erinnerst du dich?“

„Kinder.“

„Wie viele?“

„Viele.“

„Und Willem.“

Matteo wurde blass.

„Was hat er getan?“

Ich hielt mir den Kopf.

„Er hat ihnen neue Namen gegeben.“

„Was?“

„Neue Identitäten.“

Ich sah Matteo an.

„Er hat Kinder verkauft.“

Stille.

„Nicht nur an Familien“, flüsterte ich.

„An Unternehmen.“

Matteo schloss die Augen.

„Mein Gott.“

„Sie wurden zu Versuchspersonen.“

Ich begann zu weinen.

„Meine Mutter wollte sie retten.“

„Ja.“

„Und ich habe ihr geholfen.“

„Du warst ein Kind.“

„Ich habe die Dateien verbrannt.“

„Weil du dachtest, du würdest sie retten.“

Ich sah ihn an.

„Was ist mit den Kindern passiert?“

Matteo antwortete:

„Einige wurden gefunden.“

„Und die anderen?“

Er schwieg.

Ich verstand.

„Sie sind tot.“

„Einige.“

Ich drehte mich weg.

Alles, was ich über meine Familie geglaubt hatte, zerfiel.

Dann hörte ich ein Geräusch hinter uns.

Ein Klatschen.

Langsam.

Ruhig.

Wir drehten uns um.

Richard stand am Ende des Korridors.

„Sehr gut.“

Matteo stellte sich vor mich.

„Was willst du?“

Richard lächelte.

„Ich wollte sehen, ob sie sich erinnert.“

„Warum?“

„Weil wir sie jetzt brauchen.“

Ich sah ihn an.

„Wofür?“

„Für das Archiv.“

„Welches Archiv?“

Richard zeigte auf die Wand.

Hinter einem alten Gemälde befand sich ein Safe.

Er öffnete ihn.

Darin lag eine kleine schwarze Festplatte.

„Das ist das Originalarchiv von Orpheus.“

Mein Herz schlug schneller.

„Warum gibst du es mir?“

„Ich gebe es dir nicht.“

Richard nahm die Festplatte.

„Du wirst es holen.“

Matteo zog seine Waffe.

„Lass sie in Ruhe.“

Richard lachte.

„Du verstehst es immer noch nicht.“

Er sah mich an.

„Nur Elena kann das Archiv öffnen.“

Ich runzelte die Stirn.

„Warum?“

„Weil die Zugangscodes auf ihrer DNA basieren.“

Ich wurde blass.

„Das ist unmöglich.“

„Nein.“

Richard nahm ein kleines Gerät.

„Deine Mutter wusste es.“

Er hielt es an meine Hand.

Das Gerät leuchtete auf.

Ein Signal erschien.

IDENTITÄT BESTÄTIGT.

Ich starrte darauf.

„Was ist in diesem Archiv?“

Richard sagte:

„Die Namen aller Menschen, die Orpheus finanziert haben.“

„Politiker?“

„Ja.“

„Unternehmer?“

„Ja.“

„Richter?“

„Auch.“

„Polizisten?“

Richard lächelte.

„Besonders Polizisten.“

Mir wurde klar, warum so viele Menschen Angst vor dieser Wahrheit hatten.

Es ging nicht nur um eine Familie.

Es ging um ein Netzwerk.

Richard trat näher.

„Wenn diese Daten veröffentlicht werden, fällt Amsterdam.“

„Dann werde ich sie veröffentlichen.“

„Und damit tötest du Menschen.“

„Welche?“

„Diejenigen, die versuchen werden, dich aufzuhalten.“

„Vielleicht.“

Ich nahm die Festplatte.

„Aber ich habe keine Angst mehr.“

Richard sah mich lange an.

Dann sagte er:

„Das solltest du.“

Er drehte sich um.

„Denn deine Mutter ist nicht diejenige, die du retten musst.“

Ich sah ihn an.

„Wo ist sie?“

Richard blieb stehen.

„Unter der Villa De Luca.“

Matteo erstarrte.

„Was?“

Richard lächelte.

„Dein Vater hat vor zwanzig Jahren einen unterirdischen Komplex gebaut.“

Matteo wurde blass.

„Das ist unmöglich.“

„Du kennst nur die obere Hälfte des Hauses.“

Dann verschwand Richard.

* * *

Wir kehrten in die Villa zurück.

Matteo sagte während der gesamten Fahrt kein Wort.

Als wir ankamen, gingen wir direkt in sein Arbeitszimmer.

Er schloss die Tür.

„Mein Vater hat mir nie von einem Keller erzählt.“

„Vielleicht wusste er, dass du ihn eines Tages finden würdest.“

„Oder er wollte, dass ich ihn nie finde.“

Elena legte die Festplatte auf den Tisch.

„Wir müssen nach unten.“

Matteo nickte.

Hinter einem Bücherregal fanden wir schließlich einen versteckten Mechanismus.

Eine Tür öffnete sich.

Eine Treppe führte tief in die Erde.

Die Luft wurde kälter.

Je weiter wir hinuntergingen, desto leiser wurde alles.

Dann hörten wir ein Geräusch.

Ein Klopfen.

Dreimal.

Elena blieb stehen.

„Mama.“

Matteo nahm ihre Hand.

Gemeinsam gingen sie weiter.

Am Ende des Korridors befand sich eine Stahltür.

Matteo gab einen Code ein.

Die Tür öffnete sich.

Ein kleiner Raum.

Ein Bett.

Eine Lampe.

Und eine Frau, die am Fenster stand.

Elena konnte nicht atmen.

„Mama?“

Die Frau drehte sich langsam um.

Es war Laura.

Älter.

Blasser.

Aber eindeutig sie.

Elena rannte zu ihr.

Sie umarmten sich.

Beide weinten.

„Es tut mir leid“, flüsterte Laura.

„Warum hast du mich verlassen?“

„Weil ich dich retten wollte.“

„Vor wem?“

Laura sah Matteo an.

Dann auf die Festplatte.

„Vor allen.“

Elena wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Ich will die ganze Wahrheit.“

Laura nickte.

„Dann musst du mir zuhören.“

„Was ist Orpheus wirklich?“

Laura atmete tief ein.

„Orpheus war nur der Name.“

„Was meinst du?“

„Das eigentliche Projekt hatte einen anderen Namen.“

Sie sah Elena direkt in die Augen.

„Erbin.“

Matteo wurde blass.

Laura fuhr fort:

„Und du warst das erste Kind, das dafür ausgewählt wurde.“

Elena erstarrte.

„Warum?“

Laura antwortete:

„Weil Willem dich nicht als Enkelin betrachtet hat.“

Eine lange Pause.

„Er betrachtete dich als seine Nachfolgerin.“

In diesem Moment begann die Festplatte auf dem Tisch plötzlich zu leuchten.

Ein Bildschirm öffnete sich automatisch.

Eine Datei erschien.

ERBIN – SUBJEKT E01

Darunter stand:

STATUS: AKTIV.

Und dann erschien ein weiterer Satz:

„Wenn Elena die Datei öffnet, beginnt Phase Zwei.“