Sie nannten sie eine Last… Bis der mächtigste Mann Amsterdams sagte
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Sie nannten sie eine Last… Bis der mächtigste Mann Amsterdams sagte

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Teil 2 – Die Frau, die sie niemals hätten unterschätzen dürfen

Am nächsten Morgen wusste ganz Amsterdam, dass in der Villa De Luca etwas passiert war.

Offiziell sprach man von einem Einbruch.

Ein technischer Defekt.

Ein Missverständnis zwischen rivalisierenden Sicherheitsfirmen.

Doch die Menschen, die wirklich wussten, was in dieser Nacht geschehen war, kannten die Wahrheit.

Jemand hatte versucht, Matteo De Luca zu töten.

Und Elena hatte seine Kinder gerettet.

Noch bevor die Sonne über den Grachten aufging, saß Matteo in seinem Arbeitszimmer und betrachtete die Überwachungsaufnahmen.

Immer wieder.

Elena, wie sie durch den Korridor rannte.

Elena, wie sie eine verschlossene Tür öffnete.

Elena, wie sie die Kinder durch einen versteckten Fluchtweg führte.

Und schließlich Elena, wie sie selbst getroffen wurde und trotzdem zurückging, um das jüngste Kind zu holen.

Matteo stoppte das Video.

„Woher wusste sie von diesem Fluchtweg?“

Sein Sicherheitschef Adrian stand hinter ihm.

„Wir haben es überprüft. Sie hat keinen Zugriff auf unsere Baupläne.“

„Dann woher?“

Adrian zögerte.

„Das wissen wir nicht.“

Matteo sah ihn an.

„Finden Sie es heraus.“

„Sofort.“

Als Adrian gehen wollte, fragte Matteo:

„Und die Männer?“

„Drei tot. Zwei geflohen. Einer wurde lebend gefasst.“

„Hat er gesprochen?“

Adrian schüttelte den Kopf.

„Noch nicht.“

Matteo stand auf.

„Dann wird er sprechen.“

* * *

Elena erwachte in einem fremden Schlafzimmer.

Ihr rechter Arm war verbunden.

Ein stechender Schmerz zog durch ihre Schulter.

Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war.

Dann erinnerte sie sich.

Die Villa.

Der Angriff.

Die Kinder.

Sie setzte sich auf.

Die Tür öffnete sich.

Ein kleines Mädchen trat herein.

„Du bist wach.“

Elena lächelte schwach.

„Wie heißt du?“

„Sofia.“

„Du bist die Jüngste.“

Sofia nickte.

Dann kletterte sie aufs Bett.

„Papa sagt, ich darf dich nicht stören.“

Elena musste lachen.

„Dann solltest du wahrscheinlich gehen.“

Sofia schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Warum nicht?“

Das Mädchen sah sie ernst an.

„Weil du meine neue Mama wirst.“

Elena erstarrte.

„Was?“

„Du sollst Matteo heiraten.“

„Das weißt du schon?“

„Natürlich.“

Sofia legte den Kopf schief.

„Bist du böse?“

Elena dachte an ihre eigene Familie.

An Richard.

An Charlotte.

An die Mappe.

An die Worte:

Du bist keine Investition mehr.

„Nein“, sagte sie leise.

„Dann bleibst du?“

Elena sah das Kind an.

„Ich weiß es nicht.“

Sofia nahm ihre Hand.

„Bitte.“

Dieser eine Satz traf Elena stärker als alles, was an diesem Tag passiert war.

Sie hatte ihr ganzes Leben geglaubt, dass sie niemand brauchte.

Dass sie alleine zurechtkommen musste.

Aber plötzlich gab es vier Kinder, die sie ansahen, als wäre ihre Anwesenheit etwas Wertvolles.

* * *

Am Nachmittag betrat Matteo das Zimmer.

Sofia schlief inzwischen neben Elena.

Matteo blieb an der Tür stehen.

„Sie mag Sie.“

Elena sah ihn an.

„Sie ist ein Kind.“

„Meine Kinder vertrauen normalerweise niemandem.“

„Vielleicht sollten Sie sich fragen, warum.“

Matteo schwieg.

Elena bemerkte seinen Blick.

„Was?“

„Sie haben keine Angst vor mir.“

„Sollte ich?“

„Die meisten Menschen haben das.“

Elena lächelte bitter.

„Ich wurde von meiner eigenen Familie verkauft.“

Sie sah ihn direkt an.

„Nach diesem Erlebnis ist ein fremder Mann mit schlechten Manieren nicht besonders beeindruckend.“

Zum ersten Mal lächelte Matteo.

Nur kurz.

Aber Elena bemerkte es.

„Warum haben Sie mich wirklich geheiratet?“

„Noch haben wir nicht geheiratet.“

„Sie wissen, was ich meine.“

Matteo setzte sich.

„Ihre Familie schuldet mir Geld.“

„Wie viel?“

„Sehr viel.“

„Und deshalb wollten sie mich loswerden.“

„Nein.“

Er legte einen Umschlag auf den Tisch.

„Deshalb wollten sie Sie an mich binden.“

Elena öffnete ihn.

Bankunterlagen.

Firmenverträge.

Grundstücke.

Konten.

Und dann sah sie einen Namen.

Charlotte Vermeer.

Sie blätterte weiter.

Dann tauchte ein zweiter Name auf.

Richard Vermeer.

Und darunter:

Projekt Orpheus.

Elena wurde blass.

„Was ist das?“

Matteo sah sie an.

„Das wollte ich Sie gerade fragen.“

„Ich habe noch nie davon gehört.“

„Ich glaube Ihnen.“

„Was bedeutet es?“

„Das weiß niemand genau.“

Er legte ein weiteres Dokument vor sie.

„Aber vor achtzehn Jahren wurde Ihre biologische Mutter in Verbindung mit diesem Projekt erwähnt.“

Elena erstarrte.

„Woher kennen Sie meine Mutter?“

Matteo antwortete nicht sofort.

„Ich kannte ihren Namen.“

„Das ist keine Antwort.“

„Nein.“

Er sah sie direkt an.

„Ich habe sie einmal getroffen.“

Elena spürte, wie ihr Herz schneller schlug.

„Wann?“

„Vor zwanzig Jahren.“

„Wo?“

„In Amsterdam.“

„Was wollte sie?“

Matteo schwieg.

Dann sagte er:

„Sie wollte meine Hilfe.“

Elena stand auf.

„Und Sie haben ihr geholfen?“

„Nein.“

„Warum?“

„Weil ich ihr nicht geglaubt habe.“

Elena sah ihn fassungslos an.

„Was hat sie gesagt?“

Matteo antwortete:

„Sie sagte, dass Ihre Familie eines Tages versuchen würde, Sie zu verkaufen.“

Elena erstarrte.

„Woher wusste sie das?“

„Weil sie wusste, was Richard und Charlotte mit Ihnen vorhatten.“

Elena setzte sich langsam.

„Meine Mutter kannte sie.“

„Ja.“

„Dann warum hat sie mich nicht zurückgeholt?“

Matteo sah aus dem Fenster.

„Weil sie verschwinden musste.“

„Wohin?“

„Das weiß ich nicht.“

Elena sah wieder auf das Dokument.

Unter „Projekt Orpheus“ stand eine Adresse.

Amsterdam Noord.

Darunter ein Datum.

17. November 1999.

Elena kannte dieses Datum.

Es war ihr Geburtsdatum.

Ihre Finger begannen zu zittern.

„Das ist mein Geburtstag.“

Matteo nickte.

„Deshalb habe ich Sie hierher bringen lassen.“

„Sie wussten es.“

„Ich vermutete es.“

„Warum haben Sie mir nichts gesagt?“

„Weil ich zuerst sicher sein wollte.“

Elena stand auf.

„Ich muss dorthin.“

„Nein.“

„Sie können mir nicht verbieten—“

„Ich verbiete Ihnen nichts.“

Matteo trat näher.

„Aber wenn diese Adresse mit Ihrer Mutter zusammenhängt, ist sie wahrscheinlich überwacht.“

„Dann gehe ich trotzdem.“

„Allein?“

Elena sah ihn an.

„Ja.“

Matteo schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Warum?“

Seine Stimme wurde ruhig.

„Weil ich Sie nicht mehr als Teil eines Geschäfts betrachte.“

Elena sagte nichts.

„Sie haben meine Kinder gerettet“, fuhr er fort.

„Dafür schulden Sie mir nichts.“

„Doch.“

Er sah ihr direkt in die Augen.

„Ich schulde Ihnen die Wahrheit.“

* * *

Zur gleichen Zeit saß Richard Vermeer in seinem Büro.

Charlotte stand am Fenster.

„Sie lebt“, sagte Richard.

„Ja.“

„Und Matteo hat sie nicht zurückgeschickt.“

Charlotte schwieg.

Richard schlug mit der Hand auf den Tisch.

„Das war nicht der Plan.“

„Vielleicht war Elena nie der Plan.“

Richard sah sie an.

„Was meinst du?“

Charlotte drehte sich langsam um.

„Vielleicht war sie das Ziel.“

Richard wurde blass.

„Nein.“

„Doch.“

Sie nahm ein altes Foto aus ihrer Tasche.

Darauf war eine junge Frau zu sehen.

Neben ihr ein Baby.

Elena.

Auf der Rückseite stand eine handgeschriebene Nachricht:

„Wenn sie siebzehn wird, wird sie sich erinnern.“

Richard starrte auf das Foto.

„Sie hat sich noch nicht erinnert.“

Charlotte schüttelte den Kopf.

„Dann müssen wir verhindern, dass sie es tut.“

In diesem Moment klingelte Richards Telefon.

Er nahm ab.

Eine Männerstimme sagte:

„Zu spät.“

Richard erstarrte.

„Wer ist da?“

„Jemand, der Ihre Tochter besser kennt als Sie.“

Die Verbindung brach ab.

Charlotte sah ihn an.

„Was hat er gesagt?“

Richard antwortete nicht.

Denn auf seinem Bildschirm erschien plötzlich eine Nachricht:

ELENA VERMEER HAT ZUGRIFF AUF PROJEKT ORPHEUS.

Darunter stand nur ein letzter Satz:

„Sie wird bald erfahren, warum ihre Mutter wirklich verschwunden ist.“

Richard erhob sich langsam.

Zum ersten Mal seit Jahren hatte er Angst.

Denn er wusste etwas, das Elena noch nicht wusste.

Wenn sie die Wahrheit über ihre Mutter herausfand, würde nicht nur die Familie Vermeer fallen.

Auch Matteo De Luca würde erkennen, dass Elena niemals zufällig in sein Leben gekommen war.

Sie war vor zwanzig Jahren für genau diesen Moment vorbereitet worden.