DIE ROTE SCHACHTEL DER MUTTER
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DIE ROTE SCHACHTEL DER MUTTER

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TEIL 9 – DIE WARHEIT ÜBER MAMA

Die Stille in dem alten Forsthaus war erdrückend. Ich starrte meinen Bruder an, dessen Gesicht im flackernden Licht der Petroleumlampe von jahrelanger Angst und Schuldgefühlen gezeichnet war.

„Aber was ist mit Mama?“, fragte ich mit brüchiger Stimme. „Wusste Mama das auch?“

Mein Bruder nickte langsam.

„Nicht sofort“, antwortete er. „Anfangs lebte sie in derselben Illusion wie du. Doch als Vater im vergangenen Jahr starb, begann sie, die Kisten auf dem Dachboden zu durchstöbern. Sie fand die Dokumente, die ich damals verpasst hatte. Sie entdeckte, dass Vater nicht eines natürlichen Todes gestorben war… er wurde von den Leuten vergiftet, mit denen er zusammengearbeitet hatte, als er versuchte, aus dem Syndikat auszusteigen.“

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. „Vergiftet? Aber die Ärzte sagten…“

„Die Ärzte wurden bestochen“, sagte mein Bruder kühl. „Genau wie in dieser Welt alles käuflich ist. Mama versuchte, die Sache zu untersuchen. Sie sammelte alle Beweise und steckte sie in diese rote Schachtel. Sie wollte Gerechtigkeit. Aber sie vergaß eins…“

Er deutete auf die Schachtel auf dem Tisch.

„…dass die Leute, für die Vater arbeitete, niemals aufgeben. Sie wussten, dass Mama die Dokumente hatte. Deshalb mussten sie sie aus dem Weg räumen. Und genau deshalb sind sie jetzt hinter dir her.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Mama wurde also ermordet?“

„Ja“, sagte mein Bruder leise. „Und wenn wir nicht aufpassen, sind wir die Nächsten.“

Ich griff in meine Manteltasche und zog Mamas Notizbuch hervor. Ich legte es auf den Tisch und schlug es auf den letzten Seiten auf. Dort standen keine Tagebucheinträge mehr, sondern eine Liste mit Namen und Adressen. Und darunter, mit zitternder Hand geschrieben:

„Wenn sie mich finden, suche nach dem Mann in Rotterdam. Er ist der Einzige, der die Macht hat, sie aufzuhalten.“

„Wer ist dieser Mann in Rotterdam?“, fragte ich meinen Bruder.

Mein Bruder blickte auf den Namen im Notizbuch. Seine Augen verengten sich. Dieser Name war ihm keineswegs unbekannt.

„Das ist die einzige Person, die den wahren Boss des Syndikats entlarven kann“, sagte er grimmig. „Aber um an ihn heranzukommen, brauchen wir das, was in dieser Schachtel ist. Und genau deshalb sind sie uns auf den Fersen.“