ICH HATTE 18 JAHRE IN DIESEM HERRENHAUS GEARBEITET – DOCH DER NEUE ERBE GAB MIR NUR EINEN WOCHENLOHN
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ICH HATTE 18 JAHRE IN DIESEM HERRENHAUS GEARBEITET – DOCH DER NEUE ERBE GAB MIR NUR EINEN WOCHENLOHN

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TEIL 11 — DIE SCHWESTER, VON DER NIEMAND WUSSTE

Ich konnte das Foto nicht aus der Hand legen.

Ein kleines Mädchen.

Vielleicht sieben Jahre alt.

Dunkles Haar.

Große Augen.

Und ein Gesicht, das meinem erstaunlich ähnlich sah.

„Meine Schwester?“

Dr. Keller nickte.

„Ja.“

Ich sah meine Mutter an.

Sie begann zu weinen.

„Wie heißt sie?“

Meine Mutter flüsterte:

„Amelia.“

„Warum hast du mir nie von ihr erzählt?“

Sie antwortete nicht.

„Mama!“

Sie schloss die Augen.

„Weil ich dachte, sie sei tot.“

„Was?“

„Richard nahm sie mir weg.“

Ich konnte kaum atmen.

„Wann?“

„Kurz nach deiner Geburt.“

Plötzlich verstand ich.

Meine Mutter war nicht nur wegen mir verschwunden.

Sie hatte zwei Kinder verloren.

„Wo ist Amelia?“

Dr. Keller sah mich an.

„Das ist die Frage, die Christopher nie beantworten konnte.“

„Aber das Foto…“

„Es wurde vor zwei Jahren aufgenommen.“

Ich erstarrte.

„Vor zwei Jahren?“

Er nickte.

„Christopher hat Amelia gefunden.“

Mein Herz raste.

„Wo?“

„In den Niederlanden.“

Samuel trat näher.

„Haben Sie eine Adresse?“

Dr. Keller öffnete eine Schublade.

Darin lag ein Umschlag.

„Christopher gab mir diesen Umschlag und sagte, ich solle ihn nur Helena geben.“

Ich öffnete ihn.

Eine Adresse.

Amsterdam.

Und darunter ein Name:

Amelia Hartmann.

Ich begann zu weinen.

„Sie lebt.“

Meine Mutter sank auf einen Stuhl.

„Dann hat Christopher sie gefunden.“

„Und warum hat er mich nie zu ihr gebracht?“

Dr. Keller antwortete:

„Weil er zuerst Richard endgültig stoppen wollte.“

„Was hat Amelia damit zu tun?“

„Sie besitzt etwas, das Richard unbedingt haben will.“

„Was?“

Der Arzt sah mich an.

„Die Originalaufzeichnung.“

„Welche?“

„Das Gespräch zwischen Richard und deinem Vater.“

Samuel wurde aufmerksam.

„Das Gespräch über Christopher.“

Dr. Keller nickte.

„Dein Vater hat alles aufgenommen.“

Ich verstand plötzlich.

„Und Amelia hat die Aufnahme.“

„Ja.“

Meine Mutter stand auf.

„Wir müssen sie finden.“

Wir flogen noch am selben Abend nach Amsterdam.

Die Adresse führte zu einem kleinen Reihenhaus.

Ich stand vor der Tür und konnte meine Hände kaum ruhig halten.

Samuel wollte klingeln.

„Nein.“

Ich trat vor.

Ich drückte selbst auf die Klingel.

Ein paar Sekunden vergingen.

Dann öffnete sich die Tür.

Ein junges Mädchen stand vor mir.

Sie war inzwischen vielleicht siebenundzwanzig.

Unsere Blicke trafen sich.

Niemand sagte etwas.

Dann sah sie meine Mutter.

Ihre Lippen begannen zu zittern.

„Mama?“

Meine Mutter weinte.

„Amelia.“

Das Mädchen fiel ihr in die Arme.

Ich stand daneben.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte.

Dann löste sich Amelia aus der Umarmung.

Sie sah mich an.

„Du bist Helena.“

Ich nickte.

„Woher kennst du meinen Namen?“

Sie lächelte traurig.

„Christopher hat mir alles erzählt.“

Mein Herz blieb stehen.

„Du hast ihn gesehen?“

„Ja.“

„Wann?“

„Vor drei Monaten.“

„Er lebt.“

Amelia nickte.

Ich musste mich am Türrahmen festhalten.

„Wo ist er?“

Sie sah nach draußen.

„Er ist nicht weit weg.“

„Sag mir, wo.“

Sie zögerte.

„Er wollte nicht, dass du ihn suchst.“

„Warum?“

„Weil er glaubt, dass Richard dich sonst töten lässt.“

Ich trat näher.

„Ich habe keine Angst mehr.“

Amelia nahm meine Hand.

„Das solltest du aber.“

„Warum?“

Sie führte uns ins Wohnzimmer.

Auf dem Tisch lag ein Laptop.

Sie öffnete eine Datei.

Ein Video erschien.

Richard.

Mein Vater.

Und Christopher.

Alle drei saßen in einem Büro.

Die Aufnahme war alt.

Aber die Stimmen waren deutlich.

Richard sagte:

„Wenn du nicht unterschreibst, verschwindet deine Tochter.“

Mein Vater antwortete:

„Lass Clara in Ruhe.“

Christopher sprang auf.

„Du drohst meiner Familie?“

Richard lachte.

„Du hast keine Familie mehr.“

Dann sagte mein Vater etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Helena ist deine Tochter.“

Christopher wurde still.

Richard ebenfalls.

Dann hörte man einen Satz.

„Dann muss sie verschwinden.“

Ich bedeckte meinen Mund.

Das Video endete.

Amelia schloss den Laptop.

„Das ist der Beweis.“

Samuel sah sie an.

„Wir müssen ihn sofort sichern.“

Doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Es gibt noch eine Datei.“

Sie öffnete einen zweiten Ordner.

Darin befand sich ein Video.

Christopher erschien auf dem Bildschirm.

Er sah älter aus.

Aber er lebte.

Ich brach in Tränen aus.

Er blickte direkt in die Kamera.

„Helena, wenn du dieses Video siehst, hast du Amelia gefunden.“

Ich hielt den Atem an.

„Es tut mir leid, dass ich dich so lange allein gelassen habe.“

Dann lächelte er.

„Aber jetzt ist es Zeit, nach Hause zu kommen.“

Ich trat näher an den Bildschirm.

„Papa…“

Dann sagte Christopher:

„Richard wird morgen versuchen, die Stiftung zu übernehmen.“

Das Video stoppte.

Ein Countdown erschien.

17:59:42

Ich sah Amelia an.

„Was bedeutet das?“

Sie wurde blass.

„In achtzehn Stunden beginnt die Gerichtsverhandlung.“

Samuel sprang auf.

„Wir müssen sofort zurück.“

Doch mein Telefon klingelte.

Unbekannte Nummer.

Ich nahm ab.

Richards Stimme erklang.

„Du hast Amelia gefunden.“

Ich schwieg.

Er lachte.

„Dann weißt du jetzt auch, was ich als Nächstes tun werde.“

„Was?“

„Ich werde dafür sorgen, dass keine von euch beiden die morgige Verhandlung erlebt.“

Die Verbindung brach ab.

Amelia sah mich an.

Ich sah zurück.

Und zum ersten Mal wusste ich:

Richard hatte uns den Krieg erklärt.