TEIL 15 – DIE WAHRHEIT, DIE ALLES VERÄNDERT
Die Maschine begann zu summen.
Ein tiefes Geräusch vibrierte durch den gesamten Raum.
Mila hielt meine Hand.
Adrian stand neben uns.
„Was passiert?“, fragte sie.
Niemand antwortete.
Dann leuchteten drei Anzeigen auf.
A – ERKANNT.
B – ERKANNT.
C – ERKANNT.
Adrian sah mich an.
„Wir sind der Schlüssel.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Aber zu was?“
Plötzlich öffnete sich eine Tür am anderen Ende des Raumes.
Hendrik kam herein.
Allein.
Er sah müde aus.
Viel älter als am Morgen.
„Zu einer Wahrheit, die ich vor euch verborgen habe.“
Ich ging auf ihn zu.
„Meine Mutter lebt.“
„Ja.“
„Warum hast du mich glauben lassen, sie sei tot?“
Hendrik senkte den Blick.
„Weil sie mich darum gebeten hat.“
„Warum?“
„Weil sie wusste, dass du sonst niemals sicher sein würdest.“
Ich lachte bitter.
„Sicher?“
Ich zeigte auf die Maschine.
„Das nennst du sicher?“
Hendrik schwieg.
Adrian trat vor.
„Sag ihnen alles.“
Hendrik sah ihn an.
„Du bist wirklich gekommen.“
„Ich habe keine Angst mehr vor dir.“
„Das solltest du auch nicht.“
Adrian runzelte die Stirn.
„Was bedeutet das?“
Hendrik ging zu einem Terminal.
Er gab einen Code ein.
Auf dem Bildschirm erschien ein Video.
Meine Mutter.
Sie saß in einem kleinen Raum.
Sie sah direkt in die Kamera.
„Wenn ihr dieses Video seht, dann seid ihr wieder vereint.“
Mila begann zu weinen.
Meine Mutter sprach weiter:
„Ich habe euch getrennt, weil ich wusste, dass euer Großvater nicht der einzige Mensch war, der sich für euch interessierte.“
Ich sah Hendrik an.
„Wer noch?“
Das Video lief weiter.
„Projekt 0047 wurde nicht von meinem Vater gegründet.“
Ich erstarrte.
„Was?“
„Er hat es übernommen.“
Hendrik schloss die Augen.
Meine Mutter sagte:
„Das Projekt existierte bereits vor meiner Geburt.“
Adrian sah mich an.
„Dann wer hat es gegründet?“
Die Antwort erschien auf dem Bildschirm.
Ein Name.
DR. VIKTOR KELLER.
Ich kannte ihn nicht.
Aber Hendrik reagierte sofort.
Sein Gesicht verlor jede Farbe.
„Nein.“
Mila sah ihn an.
„Wer ist Viktor Keller?“
Hendrik antwortete:
„Der Gründer des Projekts.“
„Wo ist er?“
„Tot.“
Adrian schüttelte den Kopf.
„Bist du sicher?“
Hendrik sah ihn an.
„Er starb vor zwölf Jahren.“
Adrian nahm ein Dokument aus seiner Tasche.
„Dann erklär das.“
Er legte ein aktuelles Foto auf den Tisch.
Ein älterer Mann.
Graues Haar.
Dunkle Augen.
Ich sah Hendrik an.
„Das ist er.“
„Ja“, sagte Adrian.
„Viktor Keller lebt.“
Plötzlich klingelte irgendwo ein Telefon.
Hendrik ging nicht ran.
Das Klingeln hörte auf.
Dann begann ein anderes.
Und noch eines.
Alle Monitore im Raum wurden gleichzeitig schwarz.
Eine einzige Nachricht erschien:
DANKE, DASS IHR DIE SCHLÜSSEL AKTIVIERT HABT.
Mila flüsterte:
„Er wusste, dass wir kommen.“
Hendrik nickte.
„Ja.“
„Woher?“
Hendrik sah auf die Maschine.
„Weil Phase Zwei niemals nur eine Aktivierung war.“
Ich trat näher.
„Was ist sie dann?“
Hendrik sah uns drei an.
„Eine Übertragung.“
„Von was?“
„Von eurem genetischen Schlüssel.“
Adrian wurde blass.
„An wen?“
Hendrik antwortete:
„An jeden, der das System kontrolliert.“
Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
„Dann müssen wir es stoppen.“
„Es ist bereits zu spät.“
„Nein.“
Ich sah auf die Maschine.
„Es muss einen Weg geben.“
Adrian ging zum Terminal.
„Vielleicht.“
Er begann, Daten einzugeben.
Mila stellte sich neben ihn.
„Was brauchst du?“
„Die ursprüngliche Zugangskarte.“
Hendrik griff in seine Jackentasche.
Er zog eine kleine Metallkarte heraus.
Doch bevor er sie Adrian geben konnte, ertönte ein Schuss.
Hendrik fiel zu Boden.
„GROẞVATER!“
Mila schrie.
Adrian zog mich hinter einen Tisch.
Eine Gestalt stand oben auf der Treppe.
Schwarzer Mantel.
Waffe in der Hand.
Dann trat der Mann ins Licht.
Ich erkannte ihn.
Der Mann aus dem Lagerhaus.
Er lächelte.
„Ihr habt es endlich geschafft.“
Adrian flüsterte:
„Viktor Keller.“
Der Mann nickte.
„Genau.“
Ich sah zu Hendrik.
Er lag am Boden.
Blut breitete sich auf seinem Hemd aus.
Keller kam langsam näher.
„Neunundzwanzig Jahre lang hat deine Familie versucht, mich aufzuhalten.“
Sein Blick fiel auf mich.
„Aber du hast etwas getan, was niemand vor dir geschafft hat.“
„Was?“
Er lächelte.
„Du hast deine Schwester gefunden.“
Dann sah er Adrian an.
„Und deinen Bruder.“
Er hob die Waffe.
„Jetzt brauche ich nur noch eine Sache.“
Ich stellte mich vor Mila.
„Was?“
Keller zeigte auf die Maschine.
„Dich.“
Plötzlich hörten wir Sirenen.
Viele.
Keller sah zur Tür.
Adrian flüsterte:
„Die Polizei.“
Doch Keller lächelte nur.
„Nein.“
Er sah mich an.
„Meine Leute.“
Und in diesem Moment wurde mir klar:
Die Männer, die draußen auf uns warteten, waren keine Polizisten.
Sie waren die Menschen, die seit neunundzwanzig Jahren hinter unserer Familie her waren.
Und diesmal gab es keinen Ort mehr, an den wir fliehen konnten.



