Teil 8: Die Rückkehr ins Leben
Zwei Tage später kehrte das Sankt-Anna-Hospital wieder zu seinem gewohnten Rhythmus zurück. Die Medien hatten den Fall in den lokalen Nachrichten zwar kurz aufgegriffen, doch dank Kommissar Brandners diskreter Ermittlungsarbeit blieb der Skandal um das illegale Adoptionsnetzwerk im Verborgenen der Justiz, während die Öffentlichkeit von einem tragischen Verwaltungsfehler sprach.
Katharina saß wieder in ihrem Zimmer auf der Wochenbettstation. Diesmal jedoch lag kein fremdes Kind in dem Beistellbettchen neben ihr, sondern ihre eigene Tochter – das kleine Mädchen, das nun offiziell und unwiderruflich den Namen Wagner trug. Die Tür öffnete sich leise, und Dr. Berg trat ein. Er trug keinen Kittel, sondern einen schlichten dunklen Pullover.
Sein Blick war mild, fast entschuldigend. „Frau Wagner... ich höre, Sie werden heute entlassen?“ fragte er leise. Katharina nickte. Sie hielt das Baby im Arm, strich ihm sanft über die zarte Wange und blickte den Arzt an. „Ja, Herr Doktor. Julian wartet unten mit dem Auto. Wir fahren nach Hause.“ „Es tut mir leid“ sagte Dr. Berg mit schwerer Stimme. „All das, was in diesem Haus passiert ist... es hätte nie geschehen dürfen.
Aber ich bin froh, dass die Wahrheit ans Licht gekommen ist.“ „Die Wahrheit hat einen hohen Preis gehabt“ antwortete Katharina ruhig. „Aber wenigstens wissen wir jetzt, wer wir sind.“ Der Arzt nickte und verließ das Zimmer so leise, wie er gekommen war. Kurz darauf trat Julian ein, das Gepäck in den Händen, ein warmes, echtes Lächeln im Gesicht. Er trat an das Bett, beugte sich hinunter und küßte Katharina zärtlich auf die Stirn, bevor er einen Blick auf das schlafende Kind warf. „Bist du bereit, nach Hause zu gehen?“ fragte er leise.
Katharina blickte aus dem Fenster. Draußen ging die Oktobermorgenröte auf, und die ersten Sonnenstrahlen brachen durch den Nebel über den Dächern von München. Der Geruch von Chlor und Krankenhaus war verschwunden; an seine Stelle trat der Duft eines echten, neuen Anfangs. „Ja“ sagte Katharina und stand auf. „Lass uns nach Hause gehen.“ Ende der Geschichte.


