Der Fahrstuhl in die Ungewissheit
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Der Fahrstuhl in die Ungewissheit

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Teil 4: Das Geheimnis des Kreißsaals

Der Kreißsaalbereich im zweiten Stock wirkte bei Tag völlig anders als in der furchterregenden Nacht. Das helle Neonlicht schien die Schatten zu vertreiben, doch die Anspannung unter dem Personal war mit Händen zu greifen. Dr. Berg hatte die zuständige Hebamme von jener Nacht, Schwester Claudia, in ein kleines Besprechungszimmer gebeten. Kommissar Brandner, Julian und Katharina saßen ihr gegenüber.

Schwester Claudia war eine Frau Anfang vierzig mit dunklen Augenringen und zitternden Händen, die unablässig eine Papierklammer zwischen den Fingern verbog. „Ich schwöre Ihnen, Kommissar, in dieser Nacht ging alles drunter und drüber“ sprudelte es aus ihr heraus, bevor überhaupt die erste Frage gestellt werden konnte. „Wir hatten drei Notkaiserschnitte gleichzeitig.

Die Station war völlig unterbesetzt. Die Säuglingsstation glich einem Bienenstock.“ „Aber Schwester Claudia, wie konnte es passieren, dass ein Neugeborenes mit einer falschen Armbands-Identifikation versehen wurde?“ fragte Brandner mit schneidender Ruhe. Die Hebamme schluckte schwer. Ihre Unterlippe bebte. „Die Armbänder... sie werden direkt nach der Geburt angelegt.

Noch im OP oder im direkten Anschluss im Vorbereitungsraum. Normalerweise ist das ein strenger Vier-Augen-Prinzip-Prozess. Aber in jener Nacht... Dr. Berg musste einen Notfall im OP-Saal zwei übernehmen. Ich war kurz allein mit zwei Babys, die fast zeitgleich gewogen und versorgt wurden. Es gab einen kurzen Stromausfall – nur für etwa dreißig Sekunden flackerten die Notlichter.

In dieser Dunkelheit...“ Sie brach ab, und eine Träne rollte ihr über die Wange. „In dieser Dunkelheit müssen die Bänder vertauscht worden sein. Oder... oder jemand hat sie bewusst umgelegt.“ Katharina lehnte sich nach vorn, die Fingernägel gruben sich in die Holzarmlehnen des Stuhls. „Wer sollte so etwas tun? Welchen Grund hätte irgendjemand, Neugeborene in einem Krankenhaus zu vertauschen?“ Kommissar Brandner schwieg für einen Moment.

Er sah nacheinander in die Gesichter der Anwesenden, als wäge er ab, wie viel Wahrheit sie ertragen konnten. „Das ist der Kernpunkt, Frau Wagner. Elena Radek ist keine gewöhnliche Kriminelle. Unsere ersten Recherchen in ihrer Vergangenheit haben ein Bild gezeichnet, das weit über einen simplen Verwaltungsfehler hinausgeht. Frau Radek war vor fünf Jahren schon einmal schwanger.

Damals gab es... Komplikationen im städtischen Krankenhaus. Ihr Kind wurde tot geboren. Oder zumindest wurde ihr das damals mitgeteilt.“ Julian atmete scharf ein. „Wollen Sie damit sagen...“ „Ich sage gar nichts, Herr Wagner. Noch nicht“ unterbrach der Kommissar ihn scharf. „Aber die Akten der damaligen Entbindung von Elena Radek weisen merkwürdige Unstimmigkeiten auf.

Unterschriften, die nicht zu verifizieren sind. Ein Arzt, der kurz nach dem Vorfall das Land verlassen hat. Und vor allem: eine unheimliche Parallele zu Ihrem heutigen Fall.“ Katharina spürte, wie sich ein unsichtbarer Schraubstock um ihren Kopf schloss. Die Begegnung im Fahrstuhl – jener Moment, in dem die fremde Frau sie mit diesem unendlichen, verzweifelten Schmerz angestarrt hatte – erschien ihr plötzlich in einem völlig anderen Licht.

Es war kein zufälliger Wahnsinn gewesen. Es war der letzte Akt eines jahrelangen, perfiden Plans. „Wo ist sie jetzt?“ fragte Katharina mit eisiger Entschlossenheit. „Die Polizei hat sie in Gewahrsam. Aber ich muss sie sprechen. Ich muss wissen, wo mein echtes Kind ist.“ Kommissar Brandner nickte langsam. „Das Treffen war ohnehin geplant, Frau Wagner. Aber ich warne Sie: Was Sie von Elena Radek hören werden, wird Ihr Leben für immer verändern.“