Der Fahrstuhl in die Ungewissheit
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Der Fahrstuhl in die Ungewissheit

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Teil 6: Das Erbe der Schuld

Die Erwähnung des Namens schlug im Raum ein wie eine Bombe. Julian fuhr zurück, als hätte man ihn physisch geschlagen. Sein Gesicht verlor jegliche Farbe, die Lippen bewegten sich lautlos, bevor ein ersticktes „Nein... das ist unmöglich“ über seine Zähne kam. „Mein Vater war ein angesehener Arzt!“ rief Julian und sprang auf, sodass der Stuhl mit einem lauten Krachen nach hinten kippte. „Er hat Leben gerettet!

Er hat Stiftungen gegründet! Sie... Sie lügen! Sie versuchen nur, von Ihrer eigenen Tat abzulenken!“ Kommissar Brandner blieb völlig ruhig. Er deutete auf den Stuhl, damit Julian sich wieder setzte, und sprach dann mit leiser, unerbittlicher Stimme: „Herr Wagner, wir haben in den letzten Stunden die alten Archive des Schwabinger Krankenhauses aus dem Jahr 2021 durchforstet.

Die Unterschrift unter den damaligen Adoptions- und Verzichtserklärungen trägt tatsächlich das Kürzel Ihres Vaters. Er war damals im Aufsichtsrat der Stiftung, die diese Klinik unterstützte.“ Julian sank langsam wieder auf seinen Platz zurück, die Hände vor das Gesicht geschlagen. Sein ganzer Körper zitterte. „Das... das ergibt keinen Sinn. Warum sollte mein Vater so etwas tun?

Warum sollte er ein Kind...“ „Weil es damals um sehr viel Geld ging, Herr Wagner“ sagte Elena leise. „Und weil manche Menschen glauben, dass sie das Recht haben, über das Leben anderer zu bestimmen, nur weil sie Macht und Reichtum besitzen. Vor fünf Jahren wurde mir mein Kind gestohlen, um es an eine wohlhabende Familie zu übergeben, die keine eigenen Kinder bekommen konnte.

Und als ich vor einigen Monaten herausfand, wer dahintersteckte... als ich erfuhr, dass genau jene Familie, die mein Kind geraubt hatte, nun wieder ein Kind im Sankt-Anna-Hospital bekommen würde... da beschloss ich, mir das zurückzuholen, was mir rechtmäßig zusteht.“ Katharina fühlte sich, als würde sie in einen bodenlosen Abgrund stürzen. Die Frau, die sie im Fahrstuhl noch als bedrohliche Verrückte eingestuft hatte, war in Wahrheit eine Mutter gewesen, die von einem erbarmungslosen System zerstört worden war.

Doch das bedeutete auch, dass das Kind, das sie im Arm gehalten hatte – das Kind, das sie liebte wie ihr eigenes –, rechtlich und genetisch zu dieser Frau gehörte. Und ihr eigenes echtes Kind... „Wo ist meine Tochter, Elena?“ fragte Katharina mit einer Stimme, die so leise und zerbrechlich klang, dass sie selbst sie kaum wiedererkannte. „Sagen Sie mir, wo mein Baby ist.

Bitte.“ Elena sah Katharina lange an. In diesem Blick lag kein Triumph. Es war nur noch eine tiefe, schmerzhafte Erschöpfung. „Ihr Kind ist bei meiner Schwester. In einem kleinen Haus am Starnberger See. Niemand weiß davon. Niemand sucht dort. Aber...“ Elena hielt inne. „...ich werde Ihnen den Ort verraten. Unter einer Bedingung.“ „Welche Bedingung?“ rief Julian sofort. „Dass Sie mir mein Kind zurückgeben“ sagte Elena fest. „Und dass Sie gemeinsam mit mir vor Gericht aussagen – gegen das Netzwerk, das vor fünf Jahren begonnen hat, unsere Leben zu zerstören.“