Natürlich. Ich setze direkt bei Teil 1 an und schreibe Teil 2 bis Teil 6, jeweils etwa 800–1000 Wörter, mit derselben emotionalen, spannenden und filmischen Erzählweise. Jede Folge endet mit einem neuen Cliffhanger.
TEIL 2 — DER SCHUHKARTON
Ich sah den Schuhkarton an.
Er war alt.
Die Pappe war an den Ecken weich geworden, und an einer Seite klebte noch ein verblasstes Etikett.
Ich kannte diesen Schrank.
Ich kannte dieses Büro.
Ich kannte Pastor Johan seit fast zwölf Jahren.
Aber diesen Karton hatte ich noch nie gesehen.
„Was ist darin?“, fragte ich.
Johan setzte sich wieder.
Er sah nicht mich an.
Er sah den Karton an.
„Bevor du ihn öffnest, musst du mir etwas versprechen.“
„Was?“
„Du erzählst niemandem davon.“
Ich runzelte die Stirn.
„Nicht einmal dem Kirchenvorstand?“
„Noch nicht.“
Seine Stimme war ungewöhnlich ernst.
Ich spürte, wie sich etwas in meinem Magen zusammenzog.
„Warum?“
Johan schwieg einige Sekunden.
Dann sagte er:
„Weil ich selbst nicht weiß, wem ich noch vertrauen kann.“
Ich sah ihn an.
„Du glaubst, dass jemand in der Kirche Geld stiehlt.“
„Nein.“
Er schüttelte langsam den Kopf.
„Ich glaube, dass das Geld nur der Anfang ist.“
Ich öffnete den Karton.
Oben lag ein Bündel alter Briefe.
Darunter mehrere Fotos.
Und ganz unten ein schwarzes Notizbuch.
Ich nahm das erste Foto.
Es zeigte unsere Kirche.
Aber nicht so, wie sie heute aussah.
Das Foto musste mindestens zwanzig Jahre alt sein.
Vor der Kirche standen sieben Menschen.
Ich erkannte niemanden.
Dann nahm ich das zweite Foto.
Mir blieb der Atem weg.
Darauf war Pieter van Dijk.
Aber er war viel jünger.
Vielleicht zwanzig Jahre alt.
Neben ihm stand ein anderer Mann.
Ich kannte ihn.
„Das ist dein Vorgänger.“
Johan nickte.
„Pastor Willem.“
„Er ist seit acht Jahren tot.“
„Ja.“
Ich drehte das Foto um.
Auf der Rückseite stand ein Datum.
17. Oktober 2004.
Darunter waren drei Worte geschrieben.
„Das Geld beginnt.“
Ich sah Johan an.
„Was bedeutet das?“
„Ich weiß es nicht.“
„Du hast diesen Karton doch nicht ohne Grund aufgehoben.“
Er atmete tief ein.
„Willem hat ihn mir drei Tage vor seinem Tod gegeben.“
„Was hat er gesagt?“
Johan sah mich an.
„Er sagte: Wenn eines Tages jeden Sonntag derselbe Betrag fehlt, soll ich den Karton öffnen.“
Mein Herz blieb beinahe stehen.
„Derselbe Betrag?“
Er nickte.
„340 Euro.“
Ich blickte wieder auf das Foto.
„Er wusste davon?“
„Er wusste, dass es passieren würde.“
Ich blätterte hektisch durch das schwarze Notizbuch.
Die ersten Seiten waren leer.
Dann fand ich eine Liste.
Namen.
Daten.
Beträge.
Und immer wieder dieselbe Zahl.
340.
„Was ist das?“
„Ich weiß es nicht.“
„Aber du hast die Liste gelesen.“
„Ja.“
„Und?“
„Ich habe versucht, die Namen zu überprüfen.“
„Was ist passiert?“
Johan sah zur Tür.
„Drei dieser Menschen sind tot.“
Ich schluckte.
„Und die anderen?“
„Verschwunden.“
Plötzlich hörte ich Schritte im Flur.
Wir erstarrten.
Jemand blieb vor der Tür stehen.
Ich sah Johan an.
Die Türklinke bewegte sich.
Dann klopfte jemand.
„Pastor?“
Pieters Stimme.
Mein Herz begann zu rasen.
Johan schloss den Karton.
„Komm herein.“
Die Tür öffnete sich.
Pieter trat ein.
Er lächelte.
„Ich wollte nur fragen, ob Sie noch etwas brauchen.“
Dann sah er mich.
„Anna.“
Ich zwang mich zu einem Lächeln.
„Pieter.“
Sein Blick wanderte zum Karton.
Nur für einen Sekundenbruchteil.
Aber ich sah es.
Er erkannte ihn.
„Was ist das?“, fragte er.
Johan antwortete ruhig:
„Alte Unterlagen.“
Pieter nickte.
„Natürlich.“
Doch er ging nicht sofort.
Er blieb stehen.
Dann sagte er:
„Man sollte die Vergangenheit manchmal ruhen lassen.“
Ich spürte eine Gänsehaut.
„Warum sagst du das?“
Er sah mich direkt an.
„Nur ein Rat.“
Dann ging er.
Die Tür schloss sich.
Ich wartete einige Sekunden.
„Er weiß davon“, flüsterte ich.
Johan nickte.
„Ja.“
„Woher?“
„Das ist die Frage.“
Ich öffnete das Notizbuch erneut.
Auf der letzten Seite stand ein Satz.
Ich hatte ihn vorher übersehen.
Mit roter Tinte geschrieben:
„Wenn die 340 Euro wieder verschwinden, sucht nicht nach dem Dieb. Sucht nach dem Empfänger.“
Darunter stand eine Kontonummer.
Und ein Name.
Anna Keller.
Ich starrte auf meinen eigenen Namen.
Meine Hände begannen zu zittern.
„Johan…“
Er sah auf die Seite.
Sein Gesicht wurde blass.
„Das ist dein Name.“
„Ich weiß.“
„Aber du hast dieses Konto nie eröffnet?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein.“
In diesem Moment vibrierte mein Handy.
Eine unbekannte Nummer.
Eine Nachricht erschien.
„Du hättest den Karton nicht öffnen dürfen.“
Dann folgte eine zweite Nachricht.
„Nächsten Sonntag fehlen nicht 340 Euro.“
Ich hielt den Atem an.
Die dritte Nachricht kam wenige Sekunden später.
„Diesmal fehlst du.“
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