Nach 12 Jahren, in denen ich mich um meine Schwiegermutter gekümmert hatte,
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Nach 12 Jahren, in denen ich mich um meine Schwiegermutter gekümmert hatte,

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TEIL 9 — WARUM FIONA MICH WEGGEGEBEN HAT

„Fiona?“

Ich konnte den Namen kaum aussprechen.

Lily nickte.

„Ja.“

„Sie hat mich entführt?“

„Nein.“

„Dann erklär es mir.“

Lily setzte sich.

„Fiona hat dich nicht entführt. Sie hat dich versteckt.“

„Vor wem?“

„Vor Victor.“

Victor schüttelte den Kopf.

„Das stimmt nicht.“

Lily sah ihn an.

„Du weißt, dass es stimmt.“

„Ich hätte ihr niemals etwas getan.“

„Nicht dir.“

Sie sah mich an.

„Sondern deinen Feinden.“

Victor schwieg.

Lily erklärte, dass Victor damals ein Unternehmen geführt hatte, das mit internationalen Investoren verbunden war.

Einige seiner Geschäftspartner waren kriminell.

Sie wollten Zugang zu seinem Vermögen.

Und sie wussten, dass seine Kinder seine größte Schwäche waren.

Als Mabel geboren wurde, beschlossen sie, das Kind als Druckmittel zu benutzen.

Fiona bekam Angst.

Sie brachte mich heimlich in ein anderes Krankenhaus.

Dann sorgte sie dafür, dass meine Geburt nicht unter ihrem Namen registriert wurde.

„Aber warum hat sie mich nie zurückgeholt?“

Lily sah mich traurig an.

„Weil sie glaubte, du wärst dort sicher.“

„Zwölf Jahre lang?“

„Nein.“

„Wie lange?“

Lily senkte den Blick.

„Dreißig Jahre.“

Ich schloss die Augen.

„Dann wusste sie, wer ich war.“

„Ja.“

„Und trotzdem ließ sie mich glauben, sie sei nur meine Schwiegermutter.“

„Sie hatte Angst.“

Ich lachte bitter.

„Alle hatten Angst.“

Victor stand auf.

„Mabel.“

Ich sah ihn an.

„Du hast mich nie gesucht.“

Er schluckte.

„Ich wusste nicht, dass du lebst.“

„Du bist mein Vater.“

„Ja.“

„Und du wusstest nicht, dass deine eigene Tochter lebt?“

Er schüttelte den Kopf.

„Fiona hat mir erzählt, dass das Baby gestorben sei.“

Ich sah Lily an.

„Warum hast du die Wahrheit jetzt enthüllt?“

„Weil Fiona mich darum gebeten hat.“

„Wann?“

„Vor zwei Jahren.“

„Warum erst jetzt?“

„Weil sie wollte, dass du stark genug bist.“

Ich dachte an die zwölf Jahre.

An meine Pflege.

An all die Nächte.

Vielleicht hatte Fiona mich nicht zufällig bei sich behalten.

Vielleicht hatte sie mich beobachten wollen.

Vielleicht hatte sie versucht, verlorene Jahre nachzuholen.

Ich setzte mich.

„Und mein Mann?“

Lily sah ihn an.

„Er wusste, dass du Fionas Tochter bist.“

Ich blickte zu ihm.

„Seit wann?“

Er antwortete:

„Seit dem ersten Jahr unserer Ehe.“

Ich fühlte mich, als würde mein Herz zerbrechen.

„Und trotzdem hast du mich behalten.“

„Ich wollte dich nicht verlieren.“

„Wegen des Geldes?“

„Nein.“

„Dann warum?“

Er kam näher.

„Weil du der erste Mensch warst, bei dem ich mich nicht wie ein Erbe gefühlt habe.“

Ich sah ihn an.

„Du hättest mir die Wahrheit sagen müssen.“

„Ich weiß.“

„Du hast mir zwölf Jahre gestohlen.“

„Ich weiß.“

„Du hast mich meine eigene Mutter pflegen lassen, ohne mir zu sagen, dass sie meine Mutter ist.“

Er weinte.

„Ich weiß.“

Ich wollte ihn hassen.

Doch ein Teil von mir erinnerte sich an die guten Jahre.

An die Abende.

An unseren Sohn.

An all die kleinen Dinge, die echt gewesen waren.

Vielleicht war nicht alles eine Lüge.

Doch dann öffnete Lily die letzte Seite der roten Mappe.

„Es gibt noch etwas.“

Ich sah sie an.

„Was?“

Sie zeigte auf eine Unterschrift.

Fiona Carter.

Darunter stand:

„Wenn Mabel die Wahrheit erfährt, muss sie erfahren, dass ihr Leben von Anfang an beobachtet wurde.“

Ich runzelte die Stirn.

„Beobachtet?“

Lily nickte.

„Jemand hat dich seit deiner Geburt verfolgt.“

„Wer?“

„Nicht Victor.“

„Nicht Fiona.“

„Nicht dein Mann.“

Ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog.

„Wer dann?“

Lily sagte:

„Die Person, die dich damals aus dem Krankenhaus bringen ließ.“

„Wer?“

Sie schob mir ein altes Foto zu.

Ich sah darauf.

Ein Mann.

Neben ihm eine Frau.

Und ein Baby.

Ich erkannte die Frau sofort.

Meine Mutter.

Aber der Mann daneben …

Ich kannte ihn ebenfalls.

Es war Walter.

Mein Schwager.

Der Mann, den ich seit Jahren für einen einfachen, hilfsbereiten Verwandten gehalten hatte.

Ich sah Lily an.

„Warum war Walter bei meiner Geburt dabei?“

Sie antwortete:

„Weil Walter damals für die Menschen gearbeitet hat, die dich verschwinden lassen wollten.“

Ich konnte kaum atmen.

Mein Mann hob den Kopf.

„Walter?“

Lily nickte.

„Und er ist nicht der einzige.“

„Wer noch?“

Sie zeigte auf die Rückseite des Fotos.

Dort standen fünf Namen.

Einer davon war der Name meiner eigenen Mutter.

Der zweite war Walter.

Der dritte war Victor.

Der vierte war Fiona.

Und der fünfte …

war mein Mann.

Ich starrte auf die Liste.

„Warum steht sein Name dort?“

Er wurde kreidebleich.

„Mabel … ich kann es erklären.“

„Dann erklär es.“

Er schwieg.

Ich trat näher.

„Warst du als Kind dabei?“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein.“

„Dann warum steht dein Name dort?“

Er antwortete:

„Weil mein Vater mich Jahre später in den Plan einbezogen hat.“

„Welchen Plan?“

Er sah mich direkt an.

„Dich zurückzubringen.“

Ich erstarrte.

„Aber nicht als seine Tochter.“

Er schluckte.

„Als seine Erbin.“