Der Milliardär, den ich heimlich liebte – und das Geheimnis des gefeierten Arztes
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Der Milliardär, den ich heimlich liebte – und das Geheimnis des gefeierten Arztes

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Teil 6 – Das Geheimnis aus der Vergangenheit

Ich starrte auf das Foto, bis die Buchstaben vor meinen Augen verschwammen.

Ava Morgan.

Mein eigener Name.

In einer Akte, die drei Jahre alt war.

In einem Zusammenhang, von dem ich absolut nichts wusste.

„Das ist unmöglich“, flüsterte ich.

Ethan nahm das Telefon zurück.

„Wir finden heraus, was es bedeutet.“

„Nein.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Du verstehst nicht. Vor drei Jahren kannte ich Andrew kaum.“

„Wie gut kanntest du ihn damals?“

Ich dachte nach.

„Ich hatte ihn vielleicht zweimal bei Veranstaltungen gesehen.“

„Und dein Vater?“

Die Frage traf mich unerwartet.

„Was meinst du?“

Ethan sah mich ernst an.

„Hat dein Vater Andrew damals gekannt?“

Ich schwieg.

Mein Vater war drei Jahre zuvor noch am Leben gewesen.

Er hatte die Carter Foundation geleitet und war regelmäßig in Krankenhäusern, Forschungszentren und medizinischen Einrichtungen unterwegs gewesen.

„Ja“, sagte ich schließlich. „Natürlich kannte er ihn.“

„Hat er jemals über ihn gesprochen?“

„Nein.“

Ethan sah aus dem Fenster.

„Dann müssen wir mit deinem Vater anfangen.“

„Mein Vater ist tot.“

„Ich weiß.“

Er hielt kurz inne.

„Aber vielleicht hat er etwas hinterlassen.“

* * *

Wir fuhren noch in derselben Nacht zum alten Haus meiner Familie.

Seit dem Tod meines Vaters war das Gebäude kaum verändert worden.

Meine Mutter lebte inzwischen in einer anderen Stadt, und ich hatte das Haus nur selten besucht.

Als ich die Tür öffnete, schlug mir der vertraute Geruch von Holz, Papier und altem Leder entgegen.

Für einen Moment war ich wieder zwölf Jahre alt.

Mein Vater saß in seinem Arbeitszimmer.

Er hatte immer gesagt, dass es Dinge gab, die man niemals aufschieben durfte.

„Wenn etwas falsch ist“, hatte er mir einmal gesagt, „wartest du nicht darauf, dass jemand anderes es repariert.“

Damals hatte ich seine Worte für eine Lebensweisheit gehalten.

Jetzt fragte ich mich, ob er vielleicht etwas Konkretes gemeint hatte.

Ethan schaltete die Lichter ein.

„Wo hat dein Vater seine wichtigsten Unterlagen aufbewahrt?“

„Im Arbeitszimmer.“

Wir gingen hinein.

An den Wänden hingen Fotos aus drei Jahrzehnten.

Krankenhäuser.

Kinder, denen geholfen worden war.

Ärzte.

Politiker.

Und mittendrin mein Vater.

Immer lächelnd.

Immer der großzügige Wohltäter.

Ich öffnete einen Schrank.

Aktenordner standen darin.

Finanzen.

Stiftungsprojekte.

Baupläne.

Medizinische Förderprogramme.

„Hier.“

Ich zog mehrere Ordner heraus.

Ethan begann systematisch zu suchen.

Nach fast zwanzig Minuten fand ich eine alte schwarze Mappe.

Auf der Vorderseite stand nur:

V-17.

Mein Herz setzte aus.

„Ethan.“

Er kam sofort zu mir.

„Öffne sie.“

Ich tat es.

Die ersten Seiten enthielten medizinische Tabellen.

Dann Namen.

Patienten.

Dosierungen.

Testergebnisse.

Und schließlich ein Formular.

Mein Blick blieb an einer Zeile hängen.

Studienteilnehmerin: Ava Morgan.

Ich konnte nicht atmen.

„Nein.“

Ethan nahm mir das Dokument aus der Hand.

„Das bist du.“

„Das kann nicht sein.“

„Dein vollständiger Name steht dort.“

„Ich habe niemals an einer klinischen Studie teilgenommen.“

Ethan blätterte weiter.

Dann wurde sein Gesicht blass.

„Ava.“

„Was?“

Er zeigte auf das Datum.

„Du warst zwölf.“

Ich erstarrte.

Plötzlich erinnerte ich mich.

Nicht an eine Studie.

Aber an ein Krankenhaus.

An weiße Wände.

An eine lange Nacht.

An meinen Vater, der neben meinem Bett gesessen hatte.

Ich hatte damals eine schwere allergische Reaktion gehabt.

Meine Eltern hatten mir erzählt, dass alles gut geworden sei.

Aber ich erinnerte mich plötzlich an einen Mann, der mir Blut abgenommen hatte.

Einen Arzt mit einer silbernen Brille.

Ich hatte nie gewusst, wer er war.

„Andrew“, flüsterte ich.

Ethan sah mich an.

„Was?“

„Ich glaube, ich habe ihn damals gesehen.“

* * *

Wir blätterten weiter.

Die nächste Seite ließ uns beide verstummen.

Dort stand:

Versuch abgeschlossen. Ergebnis: erfolgreich.

Darunter:

Patientin wurde nicht über experimentelle Komponenten informiert.

Meine Hände begannen zu zittern.

„Mein Vater wusste davon.“

Ethan sagte nichts.

Ich drehte die nächste Seite um.

Eine handschriftliche Notiz meines Vaters.

„Die Studie muss beendet werden. Die Risiken sind nicht vertretbar. Keine weiteren Patienten.“

Ich starrte auf die Worte.

„Er wollte es stoppen.“

„Offenbar.“

„Dann warum ist es weitergegangen?“

Ethan blätterte zur nächsten Seite.

Dort befand sich eine zweite Notiz.

Diesmal nicht von meinem Vater.

„Richard Carter hat keine Entscheidungsbefugnis mehr. Projekt V-17 wird fortgeführt.“

Darunter stand eine Unterschrift.

Dr. Marcus Hale.

Ethan sah mich an.

„Dein Vater wollte die Studie stoppen.“

„Und Marcus hat sie übernommen.“

„Ja.“

Ich setzte mich.

„Dann war Andrew nicht derjenige, der alles begonnen hat.“

Ethan nickte langsam.

„Nein.“

„Aber warum war ich eine Teilnehmerin?“

Er schwieg.

Dann sagte er:

„Vielleicht warst du einer der ersten Tests.“

Ich sah ihn entsetzt an.

„Und Andrew hat mich später wiedergefunden.“

„Das wissen wir noch nicht.“

Plötzlich hörten wir ein Geräusch.

Ein leises Knarren.

Aus dem Flur.

Ethan stand sofort auf.

„Bleib hier.“

„Nein.“

„Ava.“

„Ich verstecke mich nicht mehr.“

Er ging zur Tür.

Wir hörten Schritte.

Dann eine Stimme.

„Das solltest du tun.“

Ethan erstarrte.

Ich kannte diese Stimme.

Mein Herz begann zu rasen.

Marcus Hale.

Er trat aus dem Schatten.

Er hielt keine Waffe.

Nur einen kleinen schwarzen Ordner.

„Sie haben etwas gefunden, das Sie nicht hätten finden dürfen.“

Ethan stellte sich vor mich.

„Wie bist du hier hereingekommen?“

Marcus lächelte.

„Dein Sicherheitssystem ist gut.“

Er hob den Ordner.

„Aber dein Vater hat mir vor Jahren selbst den Zugang gegeben.“

„Du hast meinen Vater manipuliert.“

Marcus lachte leise.

„Nein.“

Er sah mich an.

„Dein Vater hat irgendwann verstanden, was wir getan hatten.“

„Wir?“

Marcus nickte.

„Andrew, ich und einige andere.“

„Und mein Vater?“

Marcus' Gesicht wurde ernst.

„Dein Vater wollte alles öffentlich machen.“

Ich hielt den Atem an.

„Warum hat er es nicht getan?“

Marcus sah mich lange an.

„Weil wir ihm etwas gezeigt haben.“

„Was?“

Er öffnete den Ordner.

Darin lag ein altes Foto.

Ich nahm es.

Es zeigte mich als zwölfjähriges Mädchen in einem Krankenhausbett.

Daneben stand mein Vater.

Und hinter ihm...

Andrew Vaughn.

Auf der Rückseite des Fotos stand ein Datum.

Der Tag, an dem die Studie angeblich beendet worden war.

Marcus sagte leise:

„Andrew war damals nicht nur Arzt.“

Ich sah ihn an.

„Was war er dann?“

Marcus antwortete:

„Er war derjenige, der deinen Vater erpresst hat.“

Ethan machte einen Schritt nach vorn.

„Womit?“

Marcus sah ihn an.

„Mit einem Geheimnis über die Carter Foundation.“

„Welches Geheimnis?“

Marcus schwieg.

Dann vibrierte sein Telefon.

Er blickte auf den Bildschirm.

Sein Gesicht veränderte sich.

„Wir müssen gehen.“

Ethan stellte sich ihm in den Weg.

„Du gehst nirgendwo hin.“

Marcus lächelte.

„Das glaube ich nicht.“

Er deutete auf mein Telefon.

„Sehen Sie nach.“

Ich zog es heraus.

Eine neue Nachricht.

Von einer unbekannten Nummer.

Ein Video.

Ich öffnete es.

Auf dem Bildschirm erschien mein Vater.

Er saß an seinem Schreibtisch.

Er sah müde aus.

Und dann sagte er einen Satz, der meine gesamte Vergangenheit erschütterte:

„Ava, wenn du diese Aufnahme irgendwann siehst, bedeutet das, dass Andrew dich gefunden hat.“

Ich ließ das Telefon beinahe fallen.

Ethan sah mich an.

Marcus wurde kreidebleich.

Denn offenbar hatte keiner von uns damit gerechnet, dass mein Vater seine eigene letzte Botschaft hinterlassen hatte.

Und noch bevor das Video endete, sagte mein Vater:

„Vertraue niemandem bei der Carter Foundation. Nicht einmal meinem Sohn.“

Ethan erstarrte.

Ich sah ihn an.

Und zum ersten Mal fragte ich mich, ob der Mann, dem ich in den vergangenen Stunden mein Leben anvertraut hatte, vielleicht selbst ein Teil des Geheimnisses war.

Fortsetzung folgt – Teil 7: Die letzte Aufnahme.