Das Baby, das aus dem Lager verschwand
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Das Baby, das aus dem Lager verschwand

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TEIL 5: Der Schatten hinter dem Waggon

Der Nebel hing so dicht um die rostenden Eisenwände des Waggons, dass ich kaum zehn Meter weit blicken konnte. „Ist da jemand?“ rief ich, aber meine Stimme klang heiser, fast wie ein klägliches Piepsen in der weiten Leere des Geländes. Keine Antwort. Nur das Tropfen von Feuchtigkeit vom verrosteten Dach und das ferne Geräusch einer nächtlichen Autobahn gaben Lebenszeichen von sich.

Ich tat einen zögernden Schritt nach vorn, mein Herz klopfte gegen meine Rippen, als wolle es ausbrechen. Da bewegte sich der Schatten erneut. Aus der Dunkelheit hinter dem Waggon trat eine Gestalt hervor. Es war kein Mann, und es war auch nicht Frau Kramer. Es war eine junge Frau mit halblangem blonden Haar, in einen viel zu großen Regengammel gekleidet, die ihre Hände tief in den Taschen vergraben hielt.

Sie sah mich mit einem Blick an, in dem Angst und Entschlossenheit seltsamerweise Hand in Hand gingen. „Du bist verrückt, dass du allein gekommen bist“, flüsterte sie und blickte sich dabei um, als würde sie verfolgt. Ich kneifte die Augen zusammen, um ihr Gesicht im schwachen Mondlicht besser erkennen zu können. „Wer bist du? Wo ist mein Baby?“ fragte ich mit überschnappender Stimme voller Panik.

Die Frau tat einen Schritt näher und schüttelte heftig den Kopf. „Ich arbeite für sie... oder zumindest habe ich bis heute Nachmittag für sie gearbeitet. Mein Name ist Lisa. Ich bin die Assistentin des Anwalts, der diesen ganzen Plan mit den Dokumenten entworfen hat.“ Sie schluckte hörbar. „Und ich weiß genau, wo sie deine Tochter verstecken.“