TEIL 5 — DAS GEHEIMNIS MEINES VATERS, DAS ALLES VERÄNDERTE
Der Wind peitschte über das Deck.
Der Sturm, auf den Flynn gewartet hatte…
war endlich da.
Aber nicht so, wie er es geplant hatte.
Denn diese Nacht sollte nicht mein Ende sein.
Diese Nacht würde das Ende von ihnen bedeuten.
Ich stand zwischen Menschen, die meinen Tod wollten.
Mein Ehemann.
Meine Schwiegereltern.
Meine beste Freundin.
Und ein Mann, der eigentlich seit fünf Jahren tot sein sollte.
Mein Onkel Daniel.
* * *
Victoria hielt die Waffe noch immer in der Hand.
Aber ihre Hände zitterten.
Nicht vor Kälte.
Vor Angst.
„Elena… du verstehst nicht, was passiert ist.“
Ich sah sie an.
„Dann erklär es mir.“
Meine Stimme war ruhig.
Zu ruhig.
Denn in meinem Inneren tobte ein Sturm.
„Warum hast du mit Flynn zusammengearbeitet?“
Victoria senkte den Blick.
Eine Träne lief über ihre Wange.
„Weil ich dachte, ich hätte keine Wahl.“
Ich lachte bitter.
„Keine Wahl?“
Ich zeigte auf die Yacht.
„Du hast geholfen, mich zu vergiften.“
Sie schloss kurz die Augen.
„Ja.“
Dieses eine Wort traf mich härter als alles andere.
Sie leugnete es nicht.
* * *
Flynn machte plötzlich einen Schritt nach vorne.
„Victoria, hör auf.“
Seine Stimme war scharf.
Befehlend.
Und in diesem Moment bemerkte ich etwas.
Victoria hatte nicht vor mir Angst.
Sie hatte Angst vor Flynn.
„Du hast gesagt, alles würde nach Plan laufen.“
Victoria sah ihn an.
„Du hast mich belogen.“
Flynn lächelte kalt.
„Du warst immer nur ein Teil des Plans.“
* * *
Stille.
Victoria erstarrte.
„Was?“
Flynn ging langsam auf sie zu.
„Du dachtest wirklich, du würdest danach deinen Anteil bekommen?“
Sein Lächeln wurde breiter.
„Niemand bekommt etwas.“
Aidan sah ihn erschrocken an.
„Flynn, was redest du da?“
Flynn drehte sich um.
„Ihr wart alle nur Werkzeuge.“
* * *
Mein Herz schlug schneller.
Also hatte Flynn alle benutzt.
Nicht nur mich.
Auch seine eigene Familie.
Auch Victoria.
Er hatte jeden manipuliert.
Genau wie er es mit mir getan hatte.
* * *
Dann sprach mein Onkel Daniel.
„Das ist genau der Grund, warum dein Vater ihn niemals unterschätzt hat.“
Alle sahen ihn an.
Ich drehte mich zu ihm.
„Was weißt du?“
Daniel blickte auf das Meer.
„Dein Vater wusste vor Monaten, dass Flynn hinter deinem Vermögen her war.“
Ich schluckte.
„Warum hat er mir nichts gesagt?“
Daniel sah mich traurig an.
„Weil er einen größeren Plan hatte.“
* * *
Er nahm ein kleines Gerät aus seiner Jacke.
Ein Hologramm erschien auf dem Deck.
Und plötzlich sah ich meinen Vater.
Lebendig.
Aufgenommen vor seinem Tod.
Mein Atem blieb stehen.
„Meine liebe Elena.“
Seine Stimme.
Sein Gesicht.
Es fühlte sich an, als würde mein Herz zerbrechen.
„Wenn du dieses Video siehst, bedeutet das, dass jemand versucht hat, dich zu verraten.“
Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten.
* * *
Mein Vater fuhr fort:
„Ich habe einen Fehler gemacht.“
Alle wurden still.
„Ich glaubte, Geld könnte Menschen verderben. Aber ich habe unterschätzt, wie weit manche Menschen gehen würden.“
Das Bild wechselte.
Fotos erschienen.
Flynn.
Victoria.
Aidan.
Fiona.
Aber daneben waren noch andere Namen.
Menschen aus Banken.
Geschäftspartner.
Anwälte.
Ein ganzes Netzwerk.
* * *
„Dein Erbe besteht nicht nur aus Geld.“
Die Stimme meines Vaters wurde ernster.
„Es besteht aus Informationen.“
Ich sah Daniel an.
„Informationen?“
Er nickte.
„Dein Vater hat jahrelang Beweise gesammelt. Gegen Menschen, die seine Firma übernehmen wollten.“
* * *
Plötzlich verstand ich.
Die 300 Millionen Dollar waren nicht das eigentliche Ziel.
Das Geld war nur der Köder.
Mein Vater hatte etwas viel Wertvolleres hinterlassen.
Eine Wahrheit, die viele Menschen zerstören konnte.
* * *
Flynn wurde nervös.
Zum ersten Mal.
„Wo ist der Datensatz?“
Niemand antwortete.
Er wurde lauter.
„Wo ist er, Elena?“
Ich sah ihn an.
Und lächelte.
„Du willst wissen, wo die Dateien sind?“
Er nickte.
Ich trat einen Schritt näher.
„Sie waren nie auf dem USB-Stick.“
Sein Gesicht veränderte sich.
* * *
„Was?“
Ich hielt das alte Handy meines Vaters hoch.
„Der USB-Stick war nur eine Ablenkung.“
Daniel lächelte.
„Dein Vater wusste, dass jemand ihn finden würde.“
Ich sah Flynn direkt in die Augen.
„Die echten Beweise sind bereits unterwegs.“
* * *
In diesem Moment ertönte ein Geräusch.
Ein Hubschrauber.
Alle blickten zum Himmel.
Durch den Regen sah ich die Lichter näher kommen.
Flynn wich zurück.
„Nein…“
Aidan flüsterte:
„Wer kommt da?“
Ich antwortete:
„Die Menschen, die mein Vater vor Jahren vorbereitet hat.“
* * *
Die Yacht wurde von außen beleuchtet.
Eine Stimme erklang über Lautsprecher.
„Hier spricht die internationale Sicherheitsbehörde Sterling.“
Flynns Gesicht wurde weiß.
„Das ist unmöglich.“
Ich sah ihn an.
„Du hast vergessen, Flynn…“
Ich machte eine Pause.
„Mein Vater hat immer zehn Schritte voraus gedacht.“
* * *
Plötzlich rannte Flynn.
Nicht weg von mir.
Sondern zum Rand der Yacht.
Er wollte fliehen.
Doch bevor er springen konnte, stoppte ihn Daniel.
„Es ist vorbei.“
Flynn drehte sich um.
Seine Augen voller Hass.
„Nein.“
Er lächelte plötzlich.
„Ihr denkt, ich bin der Böse in dieser Geschichte.“
Alle wurden still.
„Aber ihr kennt die Wahrheit über Elena noch nicht.“
Ich erstarrte.
„Was meinst du?“
Flynn sah mich an.
„Frag deinen Onkel, warum dein Vater wirklich gestorben ist.“
Mein Blut gefror.
Ich drehte mich langsam zu Daniel.
„Was meint er?“
Daniel sagte nichts.
Und dieses Schweigen sagte alles.
* * *
Dann vibrierte erneut das Handy meines Vaters.
Eine letzte Nachricht erschien.
Nur ein Satz:
„Elena, vertraue niemandem. Nicht einmal dem Mann, der dich retten will.“
Ich sah Daniel an.
Den Mann, der gekommen war, um mich zu beschützen.
Den Mann, den mein Vater vertraut hatte.
Und plötzlich fragte ich mich:
War er wirklich mein Retter?
Oder war er der letzte Teil des Plans?
* * *
Der Sturm tobte weiter.
Die Polizei war unterwegs.
Flynn war entlarvt.
Aber die größte Wahrheit…
hatte ich noch nicht entdeckt.
Denn fünf Jahre lang hatte meine Familie eine Lüge gelebt.
Und mein Vater hatte sie mit ins Grab genommen.
* * *
FORTSETZUNG FOLGT…



