DIE TOCHTER, DIE ZURÜCKKEHRTE
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DIE TOCHTER, DIE ZURÜCKKEHRTE

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TEIL 4 – DER FEIND, DER IM SCHATTEN WARTETE

Nach dieser Nacht war mir klar:

Helena und Daan waren nur der Anfang gewesen.

Sie waren nicht die Menschen, die alles kontrolliert hatten.

Sie waren nur diejenigen, die sichtbar geworden waren.

Die wahre Gefahr war noch immer irgendwo da draußen.

Und sie beobachtete uns.

* * *

Am nächsten Morgen traf ich mich mit meinem Anwalt in einem kleinen Café außerhalb von Wassenaar.

Ich wollte, dass niemand wusste, was wir planten.

„Sophie“, sagte er ernst.

„Wir haben ein Problem.“

Ich legte meine Tasse ab.

„Noch eines?“

Er öffnete seinen Laptop.

„Seit du zurück bist, versucht jemand, auf die alten Firmenakten zuzugreifen.“

Mein Gesicht wurde ernst.

„Wer?“

„Wir wissen es nicht.“

Er zeigte mir die Daten.

„Aber die Person benutzt einen Zugang, der eigentlich nur deinem Vater gehört.“

* * *

Mein erster Gedanke war Richard.

Aber etwas in mir sagte, dass es nicht so einfach war.

Mein Vater hatte Geheimnisse.

Er hatte Fehler gemacht.

Aber jemand anderes zog die Fäden.

Jemand, der seit Jahren im Hintergrund gearbeitet hatte.

* * *

Als ich zurück zur Villa kam, fand ich meinen Vater im Arbeitszimmer.

Er hielt ein altes Foto in der Hand.

Ein Foto von ihm und meiner Mutter.

„Sie hat mich immer durchschaut“, sagte er leise.

Ich blieb in der Tür stehen.

„Aber du hast sie trotzdem belogen.“

Er senkte den Blick.

„Ja.“

Zum ersten Mal widersprach er nicht.

* * *

„Warum, Papa?“

Meine Stimme zitterte.

„Warum hast du zugelassen, dass ich all diese Jahre denke, ich wäre dir egal?“

Er schwieg lange.

Dann sagte er:

„Weil ich Angst hatte.“

Ich war überrascht.

Mein Vater.

Der Mann, den alle für unbesiegbar hielten.

Hatte Angst.

* * *

„Wovor?“

Er sah mich an.

„Vor den Menschen, die deine Mutter getötet haben.“

Mein Herz blieb stehen.

„Du wusstest, dass sie getötet wurde?“

Er schloss die Augen.

Und ich wusste sofort:

Er hatte mehr gewusst, als er mir erzählt hatte.

* * *

„Deine Mutter hatte Beweise gegen eine Gruppe von Geschäftsleuten gesammelt.“

„Mächtige Menschen.“

„Menschen, die nicht wollten, dass ihre Geheimnisse bekannt werden.“

Ich setzte mich langsam hin.

„Und warum hast du geschwiegen?“

Seine Stimme wurde leiser.

„Weil sie mir gedroht haben.“

* * *

„Sie sagten, wenn ich die Wahrheit erzähle… würden sie dich holen.“

Diese Worte trafen mich.

Zum ersten Mal verstand ich, dass die Ablehnung meines Vaters vielleicht nicht nur Kälte gewesen war.

Vielleicht war sie auch Angst.

Aber sie änderte nichts daran, was passiert war.

* * *

„Du hättest mir vertrauen müssen.“

Mein Vater nickte.

„Ich weiß.“

Eine Träne lief über sein Gesicht.

„Das war mein größter Fehler.“

* * *

Plötzlich klingelte das alte Telefon im Arbeitszimmer.

Mein Vater und ich sahen uns an.

Dieses Telefon wurde seit Jahren nicht benutzt.

Ich nahm ab.

„Hallo?“

Eine tiefe Stimme antwortete.

„Sophie van der Meer.“

Ich sagte nichts.

„Du bist deiner Mutter ähnlicher, als ich dachte.“

Mein Körper wurde angespannt.

„Wer sind Sie?“

Ein leises Lachen.

„Jemand, der deine Familie besser kennt als du selbst.“

* * *

Ich stellte den Lautsprecher an.

Mein Vater wurde sofort blass.

Er erkannte die Stimme.

„Nein…“

Der Mann sprach weiter.

„Thomas, du hättest wissen müssen, dass die Wahrheit irgendwann zurückkommt.“

* * *

„Wer ist das?“, fragte ich meinen Vater.

Er antwortete nicht.

Seine Hände zitterten.

Dann flüsterte er einen Namen:

„Alexander Krüger.“

* * *

Der Name sagte mir nichts.

Aber meinem Vater offenbar alles.

* * *

„Alexander war früher mein Geschäftspartner“, sagte mein Vater.

„Bevor er versucht hat, die Firma zu zerstören.“

Die Stimme am Telefon lachte.

„Versucht?“

„Thomas, du weißt genau, dass ich gewonnen hätte, wenn deine Frau nicht dazwischengekommen wäre.“

* * *

Meine Atmung stockte.

Meine Mutter.

Sie war also der Grund gewesen, warum dieser Mann gescheitert war.

* * *

Alexander sprach weiter:

„Sophie, du suchst die Wahrheit über deine Mutter.“

„Aber du solltest dich fragen, warum sie dir nie erzählt hat, wer dein richtiger Beschützer war.“

Ich runzelte die Stirn.

„Was soll das bedeuten?“

Eine Pause.

Dann sagte er:

„Deine Mutter hatte jemanden, der sie beschützt hat.“

„Jemanden, den dein Vater nie gekannt hat.“

* * *

Die Verbindung wurde unterbrochen.

Ich stand wie erstarrt da.

Mein Vater sah mich an.

Und ich sah etwas in seinen Augen, das ich noch nie gesehen hatte.

Nicht Angst.

Sondern Unsicherheit.

* * *

„Papa…“

„Wer war dieser Mann?“

Er antwortete nicht.

Doch bevor ich weiter fragen konnte, bekam ich eine Nachricht.

Eine Datei.

Ein altes Video.

Absender:

Meine Mutter.

* * *

Ich öffnete die Datei.

Das Bild flackerte.

Meine Mutter erschien auf dem Bildschirm.

Sie sah müde aus.

Aber entschlossen.

Dann sagte sie:

„Sophie, wenn du dieses Video siehst, hast du endlich herausgefunden, dass dein Vater nicht der einzige Mensch war, der dich beschützt hat.“

Sie machte eine Pause.

Und dann sagte sie den Satz, der meine Welt erneut erschütterte:

„Es gibt jemanden, der dich dein ganzes Leben lang beobachtet hat.“

Der Bildschirm wurde schwarz.

Und darunter erschien nur ein Name:

Daniel Weber.

* * *

Ich kannte diesen Namen nicht.

Aber mein Vater kannte ihn.

Denn als er ihn las…

verlor er jede Farbe aus seinem Gesicht.

Fortsetzung folgt…