Wenn Sie uns hierbleiben lassen, kümmere ich mich kostenlos um Ihr Haus“, sagte ich und stand mit meinen beiden Kindern und einem einzigen Rucksack vor dem Tor eines fremden Hauses.
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Wenn Sie uns hierbleiben lassen, kümmere ich mich kostenlos um Ihr Haus“, sagte ich und stand mit meinen beiden Kindern und einem einzigen Rucksack vor dem Tor eines fremden Hauses.

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TEIL 4 — Der Vertrag aus der Vergangenheit

Gwen schlief in dieser Nacht kaum.

Immer wieder ging sie die Ereignisse der vergangenen siebzehn Jahre in Gedanken durch.

Die Wohnung.

Das Geld.

Die Firma.

Die Dokumente.

Und Claire.

Am nächsten Morgen lag der Vertrag noch immer auf dem Tisch.

Gwen hatte ihn mehrfach gelesen.

Jedes Mal entdeckte sie etwas Neues.

Die Beteiligung von 38 Prozent war tatsächlich auf ihren Namen eingetragen.

Doch darunter stand eine Klausel, die alles veränderte.

Douglas hatte ihre Beteiligung als Sicherheit hinterlegt.

Ohne ihre ausdrückliche Zustimmung.

Gideon erklärte ihr, was das bedeutete.

„Wenn der Vertrag gültig wäre, hätte Claire im Fall eines Zahlungsausfalls Anspruch auf deine Anteile.“

Gwen sah ihn an.

„Dann wollte Douglas ihr meine Firma geben.“

„Möglicherweise.“

„Und mein Geld hat er benutzt, um das alles aufzubauen.“

Gideon antwortete nicht.

Denn beide wussten, dass die Wahrheit noch schlimmer sein konnte.

Marcus hatte inzwischen weitere Unterlagen angefordert.

Gegen Mittag erhielt Gideon einen Anruf.

Er hörte schweigend zu.

Dann sagte er:

„Schicken Sie mir die Datei sofort.“

Er legte auf.

Gwen wartete.

„Was ist passiert?“

Gideon setzte sich.

„Der Wirtschaftsprüfer hat eine weitere Spur gefunden.“

„Welche?“

„Die Zahlungen an Claire waren nicht bloß persönliche Überweisungen.“

Gwen verstand nicht.

„Was waren sie dann?“

„Rückzahlungen.“

„Für welchen Kredit?“

Gideon sah sie an.

„Für das Geld, das Claire Douglas ursprünglich zur Verfügung gestellt hat.“

Gwen runzelte die Stirn.

„Aber warum sollte sie ihm Geld leihen, wenn er meine Wohnung verkauft hatte?“

„Vielleicht, weil sie wusste, dass er noch mehr brauchte.“

Gideon öffnete seinen Laptop.

„Und jetzt kommt der Teil, den ich nicht verstehe.“

Er zeigte Gwen eine Liste.

Dutzende Überweisungen.

Immer wieder dieselben Beträge.

Doch die Empfänger wechselten.

„Was sind das für Firmen?“

„Briefkastenfirmen.“

„Und wem gehören sie?“

Gideon zoomte in.

Dann wurde er blass.

„Gideon?“

Er antwortete nicht.

„Was ist?“

„Eine davon gehört meiner ehemaligen Geschäftspartnerin.“

Gwen sah ihn erschrocken an.

„Was?“

„Sie ist vor sechs Jahren verstorben.“

„Dann kann sie die Firma nicht besitzen.“

„Genau.“

Gideon stand auf.

„Das bedeutet, dass jemand ihre Identität benutzt hat.“

In diesem Moment klingelte das Telefon.

Gideon nahm ab.

Es war Marcus.

Seine Stimme klang angespannt.

„Mr. Sterling, ich habe noch etwas gefunden.“

„Was?“

„Die Überweisungen wurden nicht nur von Douglas veranlasst.“

Gideon schwieg.

„Jemand aus Ihrer Firma hat sie autorisiert.“

„Wer?“

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause.

Dann nannte Marcus einen Namen.

Gideon ließ das Telefon langsam sinken.

Gwen sah ihn an.

„Wer war es?“

Gideon antwortete nicht.

„Gideon.“

Er sah sie endlich an.

„Mein Bruder.“

Gwen kannte seinen Bruder.

Ethan Sterling.

Er war seit Jahren nicht mehr in der Firma tätig.

„Aber warum sollte dein Bruder Douglas helfen?“

Gideon schüttelte den Kopf.

„Das weiß ich nicht.“

Dann bemerkte Gwen etwas.

Auf dem Tisch lag ein Dokument, das sie bisher übersehen hatte.

Sie nahm es hoch.

„Gideon.“

„Was?“

„Hier steht nicht nur dein Bruder.“

Er trat näher.

Unter Ethans Namen befand sich eine zweite Unterschrift.

Gideon wurde kreidebleich.

„Das ist unmöglich.“

„Was?“

Er nahm das Dokument.

„Diese Unterschrift gehört meinem Vater.“

Gwen sah ihn verwirrt an.

„Aber dein Vater ist seit zwölf Jahren tot.“

Gideon nickte langsam.

„Genau.“

Beide sahen einander an.

Und plötzlich war klar:

Jemand hatte die Identität eines Toten benutzt.

Und jemand hatte sehr viel dafür getan, dass diese Wahrheit niemals ans Licht kam.

* * *