TEIL 2 — Die Überweisung, die alles veränderte
Gideon kam erst am frühen Nachmittag zurück.
Als Gwen ihn durch das Küchenfenster aus dem Wagen steigen sah, wusste sie sofort, dass etwas passiert war.
Er ging nicht wie sonst ruhig und kontrolliert auf das Haus zu. Seine Schritte waren schnell. In einer Hand hielt er einen dünnen schwarzen Aktenordner, in der anderen sein Telefon.
Gwen stellte den Teller ab, den sie gerade abtrocknete.
„Gideon?“
Er antwortete nicht sofort.
Er legte den Ordner auf den Küchentisch und blieb davor stehen.
„Setz dich.“
Gwen setzte sich.
„Was hast du gefunden?“
Gideon öffnete den Ordner.
Darin lagen Kopien alter Kontoauszüge, Gründungsunterlagen und mehrere Dokumente, deren Papier bereits vergilbt war.
„Ich habe heute mit unserem ehemaligen Buchhalter gesprochen“, sagte er. „Er arbeitet nicht mehr für die Firma, aber er erinnert sich an die Gründungsphase.“
Gwen wartete.
„Er hat mir bestätigt, dass das erste Kapital nicht von Douglas’ Onkel kam.“
Gwen spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Woher kam es dann?“
Gideon schob ihr einen Kontoauszug entgegen.
Gwen sah auf die Zahlen.
Ihr Name stand dort.
GWEN RAMIREZ.
Darunter war eine Überweisung über 184.000 Dollar aufgeführt.
Datum: vor siebzehn Jahren.
Empfänger: eine damals noch kleine Firma, die wenige Wochen später in Douglas’ Unternehmen umgewandelt worden war.
Gwen starrte auf das Dokument.
„Das ist mein Geld.“
„Ja.“
„Aber ich habe Douglas damals mehr gegeben.“
„Das hast du.“
Gideon legte einen zweiten Auszug daneben.
Noch eine Überweisung.
Dann eine dritte.
Insgesamt waren es 312.000 Dollar.
Gwen schüttelte langsam den Kopf.
„Das kann nicht stimmen.“
„Warum?“
„Weil ich dachte, das Geld sei direkt in die Firmengründung geflossen.“
Gideon zog eine weitere Seite hervor.
„Das ist es nicht.“
Gwen sah ihn an.
„Was meinst du?“
Gideon zeigte auf mehrere Zahlungen.
„Ein Teil ging tatsächlich in die Firma. Aber nicht alles.“
Er legte den Finger auf eine Zeile.
„Hier.“
Gwen las.
Eine Überweisung an eine Anwaltskanzlei.
Dann eine weitere an eine Immobiliengesellschaft.
Und schließlich eine Zahlung über 75.000 Dollar an ein Konto, dessen Inhabername geschwärzt war.
„Was ist das?“
„Genau das versuche ich herauszufinden.“
Gwen stand auf.
„Douglas hat mir gesagt, er hätte das Geld vollständig für die Firma verwendet.“
Gideon nickte.
„Und genau deshalb habe ich heute etwas getan, das ich vielleicht schon vor Jahren hätte tun müssen.“
Er nahm sein Telefon.
„Ich habe einen Wirtschaftsprüfer beauftragt.“
Gwen wurde blass.
„Gideon, was glaubst du, was passiert?“
Er sah sie direkt an.
„Ich glaube, dass Douglas Palmer seit siebzehn Jahren eine Geschichte erzählt, die nicht nur dich betrifft.“
Gwen schwieg.
„Mich auch“, fügte Gideon hinzu.
In diesem Moment hörten sie Schritte im Flur.
Toby erschien in der Küchentür.
„Mama?“
Gwen drehte sich um.
„Ja, Schatz?“
„Da draußen steht ein Mann.“
Gideon sah sofort zur Eingangstür.
„Wer?“
Toby zuckte mit den Schultern.
„Er wollte wissen, ob du hier wohnst.“
Gwen spürte einen kalten Schauer.
„Wie sah er aus?“
„Groß. Schwarze Jacke. Er hat gesagt, er kennt Papa.“
Gideon ging zum Fenster.
Ein dunkler Wagen stand am Ende der Einfahrt.
Doch als er genauer hinsah, setzte sich der Wagen bereits in Bewegung.
Gideon griff nach seinem Telefon.
„Gwen, du gehst heute nicht mehr allein aus dem Haus.“
„Warum?“
Er antwortete erst nach einigen Sekunden.
„Weil jemand offenbar erfahren hat, dass wir anfangen, Fragen zu stellen.“
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