Mein Mann und meine Mutter hatten sich siebenundzwanzig Jahre lang kaum ertragen.
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TEIL 3 – Was Joe wirklich suchte Joe kam langsam ins Haus.
Ich stand noch immer im Flur. „Wo warst du?“, fragte ich. Er zog seine Jacke aus. „Ich musste nachdenken.“ „Worüber?“ Er sah mich an. Zu lange. Dann wandte er den Blick ab. „Über deine Mutter.“ Mein Herz schlug schneller. „Was genau über sie?“ „Sie ist tot.“ „Das beantwortet meine Frage nicht.“ Er schwieg. Ich beobachtete ihn. Zum ersten Mal seit siebenundzwanzig Jahren sah ich meinen Mann nicht als den Menschen, mit dem ich mein halbes Leben verbracht hatte. Ich sah einen Fremden. „Joe.“ Er hob den Kopf. „Ja?“ „Warst du heute Abend am offenen Sarg meiner Mutter?“ Sein Gesicht wurde blass. „Wer hat dir das erzählt?“ Ich antwortete nicht. Er verstand sofort. „Du hast mich gehört.“ Ich nickte. „Ich habe alles gehört.“ Er setzte sich. Seine Hände zitterten. „Dann weißt du also, dass es etwas gab.“ „Ich weiß, dass du von einem Geheimnis gesprochen hast.“ „Und mehr nicht?“ „Mehr als genug.“ Er fuhr sich über das Gesicht. „Du hättest nicht suchen sollen.“ Dieser Satz traf mich härter als alles andere. „Was sollte ich nicht suchen?“ Er schwieg. „Den Behälter?“ Seine Augen weiteten sich. Ich sah es. Eine Sekunde. Nur eine Sekunde. Aber sie genügte. „Du weißt davon.“ Joe stand auf. „Wo ist er?“ „Was?“ „Der Behälter.“ Ich wich einen Schritt zurück. „Woher weißt du, dass ich einen Behälter gefunden habe?“ Er antwortete nicht. Ich spürte, wie mir die Kehle trocken wurde. „Die Polizei hat ihn.“ Joe schloss die Augen. „Oh Gott.“ „Was ist darin?“ „Ich kann es dir erklären.“ „Dann erklär es.“ Er setzte sich wieder. Lange sagte er nichts. Dann begann er. „Vor siebenundzwanzig Jahren hatte deine Mutter herausgefunden, dass ich etwas getan hatte.“ „Was?“ „Etwas, das ich niemals hätte tun dürfen.“ Ich wartete. „Ich war damals verschuldet.“ Das überraschte mich nicht. Joe hatte mir oft erzählt, dass seine Familie wenig Geld gehabt hatte. „Ich brauchte Geld.“ „Wie viel?“ „Mehr, als ich hatte.“ „Und?“ Er sah auf den Boden. „Ich habe jemanden bestohlen.“ Ich spürte einen Stich in der Brust. „Wen?“ Joe antwortete nicht. „Wen, Joe?“ „Deine Mutter.“ Ich wich zurück. „Was?“ „Nicht direkt.“ „Was bedeutet das?“ Er stand auf. „Ich habe Geld aus einem Unternehmen genommen, das deiner Mutter gehörte.“ Ich konnte kaum atmen. „Wie viel?“ „Damals waren es ungefähr zweihunderttausend Dollar.“ Ich starrte ihn an. „Zweihunderttausend?“ Er nickte. „Ich war verzweifelt.“ „Und meine Mutter wusste davon?“ „Ja.“ „Warum hat sie dich nicht angezeigt?“ Joe sah mich an. Seine Augen waren voller etwas, das ich nicht einordnen konnte. „Weil ich ihr etwas im Gegenzug gegeben habe.“ „Was?“ „Informationen.“ Ich verstand nichts. „Welche Informationen?“ Joe öffnete den Mund. Doch bevor er antworten konnte, klingelte mein Handy. Eine unbekannte Nummer. Ich nahm ab. „Hallo?“ Eine männliche Stimme sagte: „Sind Sie die Tochter von Margaret?“ „Ja.“ „Dann müssen Sie sofort zu uns kommen.“ „Wer sind Sie?“ „Ich bin der Ermittler, der Ihren Behälter untersucht.“ Mein Herz begann zu rasen. „Was haben Sie gefunden?“ Am anderen Ende herrschte kurz Stille. Dann sagte der Mann: „Wir haben etwas gefunden, das nicht zu den Dokumenten passt.“ Ich sah Joe an. Er hatte den Lautsprecher gehört. Sein Gesicht wurde vollkommen weiß. „Was?“, fragte ich. Der Ermittler antwortete: „Auf einem der Dokumente befindet sich ein Name.“ „Welcher?“ „Ihr Name.“ Ich erstarrte. „Mein Name?“ „Ja.“ Dann fügte er hinzu: „Und das Dokument wurde neun Monate vor Ihrer Geburt unterschrieben.“ Die Verbindung wurde unterbrochen. Ich sah Joe an. „Was hat meine Mutter über meine Geburt gewusst?“ Er antwortete nicht. Aber sein Schweigen sagte mehr als jedes Wort.