Der erste Laut, den ich hörte, als ich mein Haus betrat, war der verzweifelte Schrei meiner Mutter.
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Der erste Laut, den ich hörte, als ich mein Haus betrat, war der verzweifelte Schrei meiner Mutter.

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Teil 3 – Das Geheimnis meines Vaters

Ich starrte auf das Testament.

Mein Vater war seit zwölf Jahren tot, doch in diesem Moment fühlte es sich an, als hätte er mir gerade eine Nachricht aus der Vergangenheit geschickt.

Meine Hände zitterten.

„Was steht dort?“, fragte Maya leise.

Ich antwortete nicht.

Ich las die letzte Seite noch einmal.

Dann noch einmal.

Mein Vater hatte einen Teil seines Vermögens nicht meiner Mutter und auch nicht mir hinterlassen.

Er hatte ihn einem Treuhandfonds übertragen.

Der Name des Fonds sagte mir nichts.

Northbridge Family Trust.

Darunter stand eine Klausel:

Der Begünstigte erhält vollständigen Zugriff auf das Vermögen erst an seinem vierzigsten Geburtstag, sofern keine rechtlichen oder finanziellen Ansprüche Dritter gegen ihn bestehen.

Ich sah Maya an.

„Mein vierzigster Geburtstag ist in vier Monaten.“

Sie nickte langsam.

„Dann wusste jemand davon.“

„Genau.“

Ich blätterte weiter.

Eine zweite Klausel ließ mein Herz schneller schlagen.

Sollte ich vor meinem vierzigsten Geburtstag unter Druck gesetzt werden, mein Vermögen zu übertragen, sollte der gesamte Trust automatisch eingefroren werden.

Mein Vater hatte offenbar vorausgesehen, dass jemand versuchen könnte, mich zu manipulieren.

Doch warum?

Und warum hatte er meiner Mutter befohlen, mir das Testament erst zu zeigen, wenn Chloe nicht mehr bei mir war?

Ich las den nächsten Abschnitt.

Dort stand der Name eines Finanzberaters.

Robert Vance.

Ich kannte ihn.

Zumindest glaubte ich das.

Er war früher einer der wichtigsten Berater meines Vaters gewesen.

Nach dem Tod meines Vaters hatte er sich plötzlich zurückgezogen.

Ich hatte nie verstanden, warum.

„Kennst du diesen Mann?“, fragte Maya.

„Ja. Er hat für meinen Vater gearbeitet.“

„Und Chloe?“

Ich sah wieder auf das Testament.

„Sie kennt ihn ebenfalls.“

Maya wurde blass.

„Woher?“

„Ich weiß es nicht.“

In diesem Moment klingelte mein Telefon.

Eine unbekannte Nummer.

Ich nahm ab.

„Carter?“

Die Stimme war männlich.

Ruhig.

Kalt.

„Wer spricht da?“

„Du solltest aufhören, in der Vergangenheit zu graben.“

Ich stand auf.

„Wer sind Sie?“

Ein leises Lachen.

„Du hast das Testament gefunden.“

Mein Herz setzte für einen Moment aus.

„Woher wissen Sie davon?“

„Weil dein Vater mir genau gesagt hat, wo er es versteckt.“

Ich blickte zu Maya.

„Robert?“

Stille.

Dann legte der Anrufer auf.

Ich rief sofort meinen Anwalt an.

Diesmal dauerte es nur zehn Minuten, bis er bei uns war.

Ich zeigte ihm das Testament.

Er las es sorgfältig.

„Carter, dieses Dokument könnte enorme Bedeutung haben.“

„Was meinst du?“

„Wenn der Trust tatsächlich noch besteht, könnte das Vermögen wesentlich größer sein als alles, was du bisher besitzt.“

„Wie groß?“

Er sah mich an.

„Mehrere Millionen. Vielleicht deutlich mehr.“

Ich setzte mich.

Plötzlich ergaben die vergangenen Monate Sinn.

Chloe hatte mich nicht nur wegen meiner bestehenden Konten manipuliert.

Sie wollte verhindern, dass ich in vier Monaten Zugriff auf das eigentliche Vermögen bekam.

„Wir müssen herausfinden, wer davon wusste“, sagte mein Anwalt.

Meine Mutter hatte die ganze Zeit geschwiegen.

Jetzt sprach sie.

„Dein Vater wollte, dass du niemandem vertraust.“

Ich sah sie an.

„Warum hast du mir das nie gesagt?“

Ihre Augen wurden feucht.

„Weil er Angst hatte.“

„Wovor?“

Sie sah auf das Testament.

„Vor Robert Vance.“

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.

„Was hat er getan?“

Meine Mutter holte tief Luft.

„Dein Vater hatte herausgefunden, dass Robert Geld aus seinen Unternehmen verschwinden ließ.“

Mein Anwalt hob den Kopf.

„Wie viel?“

„Ich weiß es nicht genau.“

Meine Mutter schüttelte den Kopf.

„Aber dein Vater sagte, es sei genug, um mehrere Menschen zu kaufen.“

Ich stand auf und ging zum Fenster.

Draußen war es inzwischen dunkel.

„Warum ist Robert dann nie bestraft worden?“

Meine Mutter antwortete:

„Weil dein Vater gestorben ist, bevor er die Beweise übergeben konnte.“

Stille.

Dann hörten wir ein Geräusch.

Ein dumpfes Klopfen.

Maya drehte sich zur Tür.

„Hast du das gehört?“

Ich nickte.

Wir warteten.

Wieder ein Klopfen.

Diesmal kam es vom Fenster.

Mein Anwalt stand sofort auf.

„Bleiben Sie zurück.“

Er zog die Vorhänge zur Seite.

Niemand war draußen.

Doch auf dem Boden lag ein kleiner schwarzer USB-Stick.

Ich öffnete die Terrassentür nicht.

„Nicht anfassen“, sagte mein Anwalt.

Er holte Handschuhe und hob den Stick vorsichtig auf.

Wir brachten ihn ins Arbeitszimmer.

Der Computer zeigte nur eine einzige Datei.

FATHER_FINAL.mp4

Ich sah meine Mutter an.

Sie wurde kreidebleich.

„Das ist dein Vater.“

Wir öffneten die Datei.

Das Video zeigte meinen Vater.

Er saß an seinem Schreibtisch.

Das Bild war offensichtlich vor vielen Jahren aufgenommen worden.

Mein Vater sah direkt in die Kamera.

„Wenn du dieses Video siehst, Carter, bedeutet das, dass ich mich geirrt habe.“

Ich schluckte.

„Ich habe geglaubt, dass ich genug Zeit hätte.“

Mein Vater blickte zur Seite.

„Robert Vance hat mich bestohlen. Aber er war nicht allein.“

Das Bild flackerte.

„Es gibt jemanden in unserer Familie, dem ich nicht vertraue.“

Ich sah meine Mutter an.

Sie begann zu weinen.

Mein Vater fuhr fort:

„Ich habe deshalb einen Teil meines Vermögens geschützt. Doch das Wichtigste ist nicht das Geld.“

Er beugte sich näher zur Kamera.

„Wenn diese Aufnahme jemals gebraucht wird, suche nach dem roten Buch.“

Das Video endete.

Niemand sprach.

Dann fragte ich:

„Welches rote Buch?“

Meine Mutter stand langsam auf.

„Ich weiß, wo es ist.“

Ich sah sie überrascht an.

„Wo?“

Sie deutete auf ein altes Foto meines Vaters.

„In unserem Haus am See.“

Ich kannte den Ort.

Seit dem Tod meines Vaters war ich nie wieder dort gewesen.

Mein Anwalt schüttelte den Kopf.

„Wir gehen nicht einfach dorthin.“

„Warum nicht?“

Er zeigte auf den Bildschirm.

„Weil jemand wusste, dass wir das Testament gefunden haben.“

Ich verstand sofort.

Jemand beobachtete uns.

Vielleicht schon seit Tagen.

Vielleicht seit Monaten.

Und wenn mein Vater recht gehabt hatte, war Robert Vance nur ein Teil des Problems.

Ich sah Maya an.

„Wir müssen zum Haus am See.“

Sie nickte.

Doch bevor wir gehen konnten, erhielt ich eine Nachricht.

Eine unbekannte Nummer.

Nur ein Satz:

„Wenn ihr das rote Buch findet, wird Maya die Erste sein, die dafür bezahlt.“

Ich las die Nachricht zweimal.

Dann löschte ich sie nicht.

Ich speicherte sie als Beweis.

Denn diesmal würde ich mich nicht einschüchtern lassen.

Ich hatte meine Mutter beinahe verloren.

Ich hatte Maya beinahe verloren.

Und ich würde nicht zulassen, dass jemand noch einmal meine Familie bedrohte.

Noch wusste ich nicht, dass das rote Buch nicht nur die Wahrheit über meinen Vater enthielt.

Es würde auch enthüllen, wer Chloe wirklich war – und warum sie mich schon vor unserer Hochzeit kannte.

Ende von Teil 3

Fortsetzung folgt: Teil 4 – Das rote Buch und Chloes größtes Geheimnis.