Teil 3: Der Schatten an der Prinsengracht
Der Regen klopft unaufhörlich gegen die Scheiben des alten Grachtenhauses an der Prinsengracht 42. Es ist ein stattliches, aber düsteres Gebäude, verborgen zwischen zwei modernen Appartementhäusern. Laut Grundbuch ist dieses Gebäude seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Vance, aber es war nie in den offiziellen Unternehmensbilanzen der Firma meines Vaters eingetragen.
Mit dem goldenen Schlüssel, den ich in der Zedernholzkiste gefunden habe, öffne ich die schwere Eichentür. Ein muffiger Geruch von altem Papier, Schiefer und vergessenen Geheimnissen schlägt mir entgegen. Drinnen brennt kein Licht; die Dunkelheit wird nur von den schwachen Straßenlaternen draußen durchbrochen, die durch das Glas scheinen. Ich schließe die Tür hinter mir und knipse meine Taschenlampe an.
Die Halle ist gefüllt mit antiken Schränken und Gemälden, die generationslang verborgen geblieben sind. In der Ecke des Arbeitszimmers finde ich einen Schreibti sch, der genau zur Zahlenkombination aus dem schwarzen Umschlag passt: sieben Zahlen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Was, wenn dies eine Falle ist? Was, wenn mein Vater mir bereits folgt?
Ich höre in der Ferne das Geräusch eines anfahrenden Autos draußen in der schmalen Straße. Schnell gebe ich den Code ein: 4-8-1-9-6-2-0. Mit einem lauten mechanischen Klicken schiebt sich die mittlere Schublade des Schreibti sches auf. Darin liegt kein Geld, kein Gold. Nur eine blaue, dicke Akte mit der Aufschrift: „Projekt Janus — Beweislast gegen Victor Vance“ .
Ich schlage die erste Seite auf und sehe zu meinem großen Entsetzen, dass mein Vater nicht nur Betrug mit den Unternehmensgeldern begangen hat, sondern dass er auch Handlanger angeheuert hat, um die Unterschrift von Oma auf früheren Schenkungen zu fälschen. Plötzlich höre ich Glas im Flur hinter mir brechen. Jemand ist eingebrochen.



