TEIL 3 — DIE WAHRHEIT HINTER DER NACHT, IN DER GABY ALLES VERLOR
Ich starrte auf die Nachricht.
Immer wieder las ich denselben Satz.
„Sie sollten wissen, wer Gaby damals wirklich aus dem Haus geworfen hat.“
Darunter stand ein Name.
Mason Miller.
Dereks Bruder.
Der Mann, der angeblich nur helfen wollte.
Der Mann, der die Dokumente gebracht hatte.
Der Mann, dem Gaby vertraut hatte.
Meine Hände zitterten vor Wut.
Nicht wegen des Geldes.
927.000 Dollar waren viel.
Sehr viel.
Aber Geld konnte man zurückholen.
Die verlorene Zeit meiner Tochter konnte niemand zurückbringen.
Ich drehte mich zu Gaby um.
Sie sah mich an.
„Was ist los, Papa?“
Ich zeigte ihr die Nachricht.
Als sie den Namen sah, wurde ihr Gesicht blass.
„Mason…“
Ihre Stimme war kaum hörbar.
„Was hat er damit zu tun?“
Ich setzte mich langsam.
„Er war vielleicht nicht nur ein Helfer.“
Gaby schüttelte sofort den Kopf.
„Nein… Mason war der Einzige, der manchmal freundlich zu mir war.“
Ich sah sie traurig an.
„Genau deshalb hat er dein Vertrauen bekommen.“
Sie setzte sich auf das Bett.
Leo schlief neben ihr.
„Papa… ich verstehe das alles nicht.“
Ich nahm ihre Hand.
„Dann finden wir es heraus.“
* * *
Eine Stunde später kam Michael, mein Anwalt, ins Motel.
Er war seit fast zwanzig Jahren mein Freund.
Er hatte mich durch Geschäftskrisen begleitet.
Er hatte gesehen, wie ich meine Werkstätten von einer einzigen Garage zu mehreren Standorten aufgebaut hatte.
Als er Gaby sah, sagte er kein Wort.
Er nahm nur seine Aktentasche und setzte sich.
„Robert, bevor wir anfangen… muss ich dir etwas sagen.“
Ich sah ihn an.
„Was?“
Er legte sein Handy auf den Tisch.
„Diese Nachricht kam nicht nur an mich.“
Er öffnete eine Datei.
„Sie wurde auch an drei andere Personen geschickt.“
„Welche Personen?“
Michael sah ernst aus.
„An einen Journalisten. Einen Ermittler einer Bank. Und an eine ehemalige Angestellte von Derek.“
Ich runzelte die Stirn.
„Warum?“
„Weil jemand will, dass diese Geschichte ans Licht kommt.“
Gaby flüsterte:
„Wer?“
Michael schwieg kurz.
Dann sagte er:
„Brenda.“
Wir alle erstarrten.
„Meine Schwiegermutter?“
Michael nickte.
„Aber nicht so, wie ihr denkt.“
Er erklärte:
„Brenda hat heute Morgen selbst versucht, Informationen gegen Derek zu veröffentlichen.“
Ich verstand es nicht.
„Warum sollte sie ihren eigenen Sohn verraten?“
Michael öffnete eine weitere Datei.
„Weil Derek nicht nur Gaby betrogen hat.“
Er blickte zu mir.
„Er hat auch seine eigene Mutter hintergangen.“
* * *
Während Michael die Unterlagen prüfte, erzählte Gaby plötzlich etwas, worüber sie bisher geschwiegen hatte.
„Papa… ich habe dir nicht alles erzählt.“
Ich sah sie an.
„Was meinst du?“
Sie senkte den Blick.
„In der letzten Nacht, bevor ich gegangen bin… habe ich Derek und Brenda streiten hören.“
„Worüber?“
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Über das Geld.“
Ich wurde aufmerksam.
„Erzähl weiter.“
„Brenda sagte zu Derek: ‚Du hast versprochen, dass ich meinen Anteil bekomme.‘“
Mein Herz schlug schneller.
„Anteil?“
Gaby nickte.
„Derek sagte, sie solle ruhig bleiben. Er hätte noch einen Plan.“
Michael schrieb sofort etwas auf.
„Hat sie noch etwas gesagt?“
Gaby schloss die Augen.
„Ja.“
Eine Pause.
„Sie sagte: ‚Wenn Robert herausfindet, dass Mason die Übertragung vorbereitet hat, sind wir alle erledigt.‘“
Stille.
Jetzt ergab alles Sinn.
Mason war nicht zufällig beteiligt gewesen.
Er war der Schlüssel.
* * *
Am Nachmittag trafen wir eine Entscheidung.
Wir würden nicht zur Polizei gehen.
Noch nicht.
Michael erklärte warum.
„Wenn Derek wirklich versucht, Gaby das Sorgerecht zu entziehen, müssen wir vorbereitet sein.“
Er legte mehrere Ordner auf den Tisch.
„Wir brauchen Beweise, bevor er seine Geschichte erzählt.“
Ich nickte.
„Dann sammeln wir alles.“
Doch genau in diesem Moment klingelte mein Handy.
Eine unbekannte Nummer.
Ich nahm ab.
„Hallo?“
Eine Frauenstimme.
„Herr Robert?“
„Wer spricht da?“
„Mein Name ist Sarah. Ich habe Ihrer Tochter im Frauenhaus geholfen.“
Ich erinnerte mich.
Die Sozialarbeiterin.
„Was ist passiert?“
Ihre Stimme zitterte.
„Ich muss Ihnen etwas sagen, bevor es zu spät ist.“
Ich stand auf.
„Was?“
„Derek war nicht derjenige, der Gaby zuerst aus dem Haus gebracht hat.“
Ich hielt den Atem an.
„Was meinen Sie?“
Sarah sprach leise.
„Am Tag, an dem Gaby auf der Straße gelandet ist… kam eine Frau zu ihr.“
„Wer?“
Eine Pause.
Dann sagte sie:
„Ihre eigene Mutter.“
Ich verstand nicht.
„Meine Ex-Frau?“
„Nein.“
Sarah flüsterte:
„Brenda.“
Mir wurde kalt.
„Was hat sie getan?“
„Sie hat Gaby gesagt, dass Derek sie verlassen würde. Sie hat ihr eingeredet, dass niemand ihr glauben würde.“
Sarah atmete tief ein.
„Aber das Schlimmste ist… sie hatte bereits einen Anwalt organisiert.“
Ich ballte meine Faust.
„Warum?“
Die Antwort traf mich wie ein Schlag.
„Weil sie einen Antrag vorbereiten wollten, um Gaby als psychisch instabil darzustellen und ihr Leo wegzunehmen.“
Ich sah zu meiner Tochter.
Sie hörte jedes Wort.
Ihr Gesicht war voller Schmerz.
Dann kam die nächste Nachricht.
Nicht von Sarah.
Nicht von Michael.
Von Derek.
Eine Sprachnachricht.
Ich öffnete sie.
Seine Stimme ertönte:
„Robert… ich weiß, dass Gaby bei dir ist.“
Eine kurze Pause.
Dann sagte er:
„Du glaubst, du kannst mich zerstören.“
Ein leises Lachen.
„Aber du kennst die ganze Geschichte noch nicht.“
Dann wurde seine Stimme kalt.
„Frag deine Tochter, was in der Nacht passiert ist, bevor sie mich verlassen wollte.“
Die Nachricht endete.
Gaby wurde plötzlich bleich.
„Papa…“
Ich sah sie an.
„Was ist passiert?“
Sie begann zu weinen.
„Es gibt etwas, das ich dir nie erzählt habe.“
„Was?“
Sie blickte auf Leo.
Dann sagte sie:
„In dieser Nacht… bevor ich gegangen bin… ist jemand im Haus verletzt worden.“
Mein Herz blieb stehen.
„Wer?“
Gaby flüsterte:
„Mason.“
Und plötzlich wurde mir klar:
Derek hatte nicht nur einen Plan gegen meine Tochter.
Er hatte eine Geschichte vorbereitet.
Eine Geschichte, in der Gaby die Schuldige sein sollte.
Fortsetzung folgt…



