TEIL 4 — Mein Vater war am Leben, aber er war gekommen, um meine Tochter mitzunehmen
„Opa.“
Das Wort meiner Tochter hallte in meinem Kopf wider.
Ich konnte meinen Vater nur anstarren.
Fünf Jahre lang hatte ich nach Elena gesucht.
Und jetzt stand der Mann vor mir, den ich elf Jahre lang für tot gehalten hatte.
„Papa?“
Er nickte langsam.
„Adrian.“
Seine Stimme war dieselbe.
Nur älter.
Härter.
Ich trat einen Schritt vor.
„Du bist tot.“
„Das sollte ich sein.“
„Wer hat deinen Tod vorgetäuscht?“
Er sah zu Victoria.
„Sie.“
Victoria schüttelte den Kopf.
„Ich habe dich versteckt.“
„Du hast mich verraten.“
„Ich habe dich am Leben gehalten.“
Elena stellte sich vor Mara.
„Wir müssen gehen.“
Mein Vater sah sie an.
„Du hast sie fünf Jahre lang versteckt.“
„Ja.“
„Dann gib sie mir.“
Ich erstarrte.
„Was?“
Mein Vater sah Mara an.
„Sie gehört zum Vale-Erbe.“
„Sie ist meine Tochter.“
„Und meine Enkelin.“
„Das gibt dir kein Recht, sie mitzunehmen.“
Sechs bewaffnete Männer standen hinter ihm.
Damon trat vor.
„Niemand nimmt das Kind mit.“
Mein Vater lächelte.
„Damon.“
Damon wurde blass.
„Du kennst ihn?“, fragte ich.
„Natürlich“, sagte mein Vater. „Er hat für mich gearbeitet, bevor er für dich gearbeitet hat.“
Ich sah Damon an.
„Stimmt das?“
Er schwieg.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Wie viele Lügen gibt es noch?“
Elena legte eine Hand auf meine Schulter.
„Adrian, hör mir zu.“
Ich sah sie an.
„Du wusstest, dass mein Vater lebt.“
Sie schloss die Augen.
„Ja.“
Der Schmerz traf mich härter als jede Waffe.
„Seit wann?“
„Seit Mara geboren wurde.“
„Fünf Jahre.“
Sie nickte.
„Warum hast du mir nichts gesagt?“
„Weil dein Vater Mara wollte.“
Ich blickte wieder zu meinem Vater.
„Warum?“
Er antwortete:
„Weil jemand sie töten wird, wenn sie nicht unter dem Schutz der Familie Vale steht.“
„Wer?“
Mein Vater sah zur Tür.
„Die Männer, die damals deinen Großvater verraten haben.“
Victoria trat näher.
„Das ist nicht die ganze Wahrheit.“
Mein Vater sah sie wütend an.
„Schweig.“
„Nein.“
Victoria sah mich an.
„Dein Vater ist nicht zurückgekommen, um Mara zu beschützen.“
Ich erstarrte.
„Warum dann?“
Victoria antwortete:
„Er braucht sie, um das Familienvermögen freizuschalten.“
Stille.
Mein Vater sagte nichts.
Das genügte.
„Wie viel?“, fragte ich.
Victoria sah mich an.
„Über drei Milliarden Dollar.“
Ich lachte bitter.
„Natürlich.“
Mein Vater trat näher.
„Adrian, du verstehst nicht—“
„Doch.“
Ich hob die Hand.
„Ich verstehe endlich alles.“
Die Ehe.
Elenas Flucht.
Meine angeblich tote Familie.
Die fünf Jahre voller Schweigen.
Es ging nie nur um mich.
Es ging um Mara.
Plötzlich begann Mara zu weinen.
Elena nahm sie hoch.
Mein Vater machte einen Schritt nach vorn.
„Gib sie mir.“
„Nein.“
Ich stellte mich zwischen ihn und meine Tochter.
„Du bekommst sie nicht.“
Mein Vater sah mich lange an.
Dann sagte er leise:
„Wenn du sie nicht freiwillig übergibst, wird jemand anderes kommen.“
„Wer?“
Er sah zur Uhr.
„Die Leute, vor denen Elena weggelaufen ist.“
In diesem Moment vibrierte mein Telefon.
Eine Nachricht.
Wir haben das Kind gefunden.
Darunter ein Foto.
Mara.
Aufgenommen vor weniger als zehn Minuten.
Ich sah zu Elena.
Sie begann zu zittern.
„Sie waren hier.“
Damon nahm mir das Telefon aus der Hand.
Sein Gesicht wurde plötzlich völlig ausdruckslos.
„Adrian.“
„Was?“
Er zeigte auf die Nachricht.
„Die Kamera, die dieses Foto aufgenommen hat…“
Er schluckte.
„…befindet sich in diesem Raum.“
Ich drehte mich langsam um.
Niemand bewegte sich.
Dann sah ich über die Schulter.
Eine winzige rote Lampe blinkte an der Wand.
Eine Kamera.
Jemand hatte uns die ganze Zeit beobachtet.
Mein Vater lächelte plötzlich.
„Jetzt weißt du, warum ich gekommen bin.“
Ich sah ihn an.
„Warum?“
Er antwortete:
„Weil derjenige, der Mara sucht, bereits unter uns ist.“
Und dann fiel der Blick meines Vaters auf Damon.



