Bei unserer Hochzeitsfeier verkündete mein Mann
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Bei unserer Hochzeitsfeier verkündete mein Mann

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Teil 7: Der Zeuge aus der Vergangenheit

Ich starrte auf mein Handy.

Die Verbindung war tot.

Niemand im Saal sagte ein Wort.

„Wer war das?“, fragte Laura.

Ich schüttelte den Kopf.

„Der Mann sagte, er habe damals den Unfall meiner Mutter untersucht.“

Thomas trat näher.

„Was hat er gesagt?“

Ich sah ihn an.

„Dass meine Mutter nicht allein im Auto war.“

Thomas wurde blass.

„Hat er seinen Namen genannt?“

„Nein.“

„Hast du die Nummer?“

„Ja.“

Thomas streckte die Hand aus.

„Zeig sie mir.“

Ich gab ihm mein Handy.

Er betrachtete die Nummer einige Sekunden.

Dann veränderte sich sein Gesicht.

„Was ist?“, fragte ich.

„Ich kenne diese Nummer.“

„Von wem?“

Er antwortete nicht sofort.

„Sie gehörte früher einem Polizeibeamten.“

Ich spürte einen kalten Schauer.

„Welchem?“

„Kommissar Martin Falk.“

Frau Schneider hob plötzlich den Kopf.

„Martin lebt noch?“

Thomas sah sie an.

„Offenbar.“

Ich wandte mich an sie.

„Sie kennen ihn auch?“

Sie nickte langsam.

„Er war einer der Ermittler im Fall deiner Mutter.“

„Warum hat er mir nie etwas gesagt?“

Frau Schneider senkte den Blick.

„Weil man ihm verboten hat, weiter zu ermitteln.“

„Wer?“

Sie antwortete nicht.

Ich wusste bereits, dass die Antwort in diesem Saal irgendwo vor mir stand.

Ich sah zu Margarete.

Sie war ungewöhnlich still.

„Sie wissen etwas.“

„Nein.“

„Dann warum sehen Sie aus, als hätten Sie gerade einen Geist gesehen?“

Margarete antwortete nicht.

Michael ging zu ihr.

„Mama.“

Sie sah ihn an.

„Wir müssen gehen.“

Ich stellte mich ihm in den Weg.

„Nein.“

„Caroline, bitte.“

„Nein.“

Ich hob den kleinen Schlüssel auf, der aus Margaretes Tasche gefallen war.

„Wir haben noch etwas zu klären.“

Margarete streckte die Hand aus.

„Gib ihn mir.“

„Warum?“

„Weil er mir gehört.“

„Was öffnet er?“

Sie schwieg.

Thomas antwortete:

„Den Safe.“

Ich hielt den Schlüssel fest.

„Dann fahren wir dorthin.“

Michael schüttelte den Kopf.

„Das ist keine gute Idee.“

Ich sah ihn an.

„Warum?“

„Weil es spät ist.“

„Es ist kurz nach zehn.“

„Wir haben gerade geheiratet.“

„Du hast gerade versucht, meine Wohnung zu verkaufen.“

Er verstummte.

Ich sah zu Laura.

„Kommst du mit?“

Sie nickte sofort.

„Natürlich.“

Thomas nahm seinen Mantel.

„Ich komme auch.“

Margarete wurde nervös.

„Niemand geht in mein Haus.“

Ich antwortete:

„Dann öffnen Sie den Safe vor allen.“

Sie schwieg.

Damit war alles gesagt.

Wenige Minuten später verließen wir den Saal.

Die Hochzeitsgäste blieben zurück.

Einige folgten uns bis zum Ausgang.

Andere standen einfach da und sahen uns fassungslos hinterher.

Mein Hochzeitstag war längst keine Feier mehr.

Er war zu einer Spurensuche geworden.

Während der Fahrt sagte niemand ein Wort.

Michael saß neben mir.

Ich sah aus dem Fenster.

Die Straßen waren dunkel.

Die Lichter der Stadt zogen an uns vorbei.

Nach ungefähr zwanzig Minuten erreichten wir Margaretes Haus.

Es war ein großes, altes Gebäude am Stadtrand.

Als wir ausstiegen, blieb Margarete vor der Haustür stehen.

„Ich will nicht, dass ihr hineingeht.“

Thomas sah sie an.

„Dann sag uns, was im Safe ist.“

Sie schwieg.

Ich ging an ihr vorbei.

„Wir finden es sowieso heraus.“

Im Arbeitszimmer schaltete Michael das Licht ein.

An der Wand hingen alte Familienfotos.

Ich blieb vor einem Foto stehen.

Darauf waren Michael und Thomas als Kinder zu sehen.

Neben ihnen stand ihr Vater.

Und Margarete.

Doch ganz links war noch eine weitere Person.

Mein Vater.

Ich erstarrte.

„Warum ist mein Vater auf diesem Foto?“

Thomas kam neben mich.

„Weil unsere Familien enger verbunden waren, als du dachtest.“

„Wann wurde das aufgenommen?“

„Ein Jahr vor dem Tod deiner Mutter.“

Ich sah genauer hin.

Mein Vater lächelte.

Doch seine Hand lag auf der Schulter von Thomas.

Nicht auf Michaels.

Warum?

Ich wandte mich an Thomas.

„Du warst damals noch ein Kind.“

„Ja.“

„Hast du meinen Vater gemocht?“

Er nickte.

„Er war wie ein zweiter Vater für mich.“

„Dann warum hast du mir nie erzählt, dass du ihn kanntest?“

„Weil ich Angst hatte.“

„Vor wem?“

Er sah zu Margarete.

„Vor ihr.“

Margarete schrie:

„Das reicht!“

Ich zeigte auf den Safe.

„Öffnen.“

Sie bewegte sich nicht.

Michael nahm ihr den Schlüssel aus der Hand.

Er steckte ihn ins Schloss.

Ein Klicken.

Die Tür öffnete sich.

Im Safe lagen mehrere Ordner.

Einige Briefe.

Ein alter USB-Stick.

Und ein kleines Foto.

Ich nahm das Foto.

Mein Herz blieb stehen.

Darauf sah ich meine Mutter.

Sie saß in einem Café.

Neben ihr saß ein Mann.

Ich kannte ihn.

Ich hatte sein Gesicht schon einmal gesehen.

Auf einem Foto meines Vaters.

„Wer ist das?“

Niemand antwortete.

Ich drehte das Foto um.

Auf der Rückseite stand ein Datum.

Drei Tage vor dem Unfall.

Darunter nur ein Satz:

Wenn mir etwas passiert, vertraue niemandem aus der Familie Keller.

Ich blickte zu Michael.

Er war fassungslos.

„Ich wusste davon nichts.“

Ich legte das Foto auf den Tisch.

Dann nahm ich den USB-Stick.

„Was ist darauf?“

Thomas sagte:

„Vielleicht die Antwort.“

Ich steckte ihn in meinen Laptop.

Ein Ordner erschien.

JOHANN WEBER – PRIVAT

Darin befanden sich zwölf Dateien.

Die erste war eine Audioaufnahme.

Ich klickte darauf.

Die Stimme meines Vaters ertönte.

Ich hatte sie seit zwölf Jahren nicht gehört.

„Wenn Caroline diese Aufnahme hört, bin ich wahrscheinlich nicht mehr da.“

Ich begann zu weinen.

Die Stimme sprach weiter.

„Ich habe einen Fehler gemacht.“

Stille.

Dann:

„Ich habe Margarete vertraut.“

Margarete wurde kreidebleich.

„Nein.“

Mein Vater sprach weiter:

„Sie hat mir versprochen, das Geld zurückzugeben.“

Ich sah zu Margarete.

„Welches Geld?“

Die Aufnahme lief weiter.

„Aber sie hat nicht allein gehandelt.“

Dann ein Geräusch.

Als würde jemand eine Tür öffnen.

Mein Vater sagte plötzlich:

„Wenn du das hörst, Caroline, dann weißt du jetzt, dass ich nicht freiwillig gegangen bin.“

Die Aufnahme endete.

Ich starrte auf den Bildschirm.

„Nicht freiwillig?“

Thomas sah mich an.

„Vielleicht wurde dein Vater ermordet.“

Margarete schrie:

„Nein!“

Alle drehten sich zu ihr.

Sie stand mitten im Raum.

Ihre Hände zitterten.

„Das ist nicht wahr.“

Ich ging langsam auf sie zu.

„Dann erzählen Sie mir die Wahrheit.“

„Ich habe deinen Vater nicht getötet.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

Sie verstummte.

Ich sah sie direkt an.

„Aber Sie wissen, wer es getan hat.“

Margarete begann zu weinen.

Michael trat zu ihr.

„Mama, sag endlich die Wahrheit.“

Sie sah ihren Sohn an.

Dann mich.

Und nach einigen Sekunden sagte sie:

„Dein Vater wollte die Polizei einschalten.“

„Wegen des Geldes?“

Sie nickte.

„Und wegen des Vertrags.“

„Welchen Vertrags?“

Sie zeigte auf den USB-Stick.

„Er hatte Beweise gegen meinen Mann.“

Thomas wurde blass.

„Unseren Vater?“

„Ja.“

„Was hat er getan?“

Margarete weinte.

„Er hatte Geld unterschlagen.“

„Wie viel?“, fragte ich.

Sie sah mich an.

„Mehr als zehn Millionen Euro.“

Ich konnte kaum glauben, was ich hörte.

Doch dann sagte sie etwas, das alles noch schlimmer machte.

„Aber das Geld ist nicht verschwunden.“

Ich sah sie an.

„Wo ist es?“

Margarete zeigte auf einen Ordner.

„Dein Vater hat es versteckt.“

„Wo?“

Sie schluckte.

„In einem Konto, das auf deinen Namen läuft.“

Mir wurde schwindelig.

„Auf meinem Namen?“

Sie nickte.

„Und genau dieses Konto wollten wir nach deiner Hochzeit finden.“

Ich sah Michael an.

Er senkte den Kopf.

„Wusstest du davon?“

Er antwortete nicht.

Ich trat einen Schritt zurück.

„Du wusstest es.“

Er begann zu weinen.

„Ich wusste nur von einem Konto.“

„Wie viel Geld ist dort?“

Michael flüsterte:

„Ungefähr zwölf Millionen Euro.“

Im Raum herrschte Stille.

Dann vibrierte mein Handy erneut.

Diesmal war es eine Nachricht von Anna.

Caroline, komm sofort zu mir. Ich habe das Konto gefunden.

Darunter stand eine Kontonummer.

Und ein weiterer Name.

Der Name des Kontoinhabers war tatsächlich meiner.

Doch darunter befand sich eine zweite Person mit uneingeschränktem Zugriff.

Ich las den Namen.

Und meine Hände begannen erneut zu zittern.

Denn es war nicht Michael.

Es war mein Vater.

Und laut Bankunterlagen war das Konto erst vor drei Monaten benutzt worden.

Drei Monate nach seinem angeblichen Tod.